Herr Merkt spricht mit HipHop: Der Plusmacher

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Werte Damen und Herren,
es ist mir eine große Freude, mit dem Plusmacher einen von Deutschlands unterschätztesten Straßenrappern der aktuellen Stunde zu einem Interview bewegt haben zu können. Anlass des Gesprächs war selbstverständlich der Tonträger "FSW: Freieschwarzmarktwirtschaft", der am 14.03.2014 das Licht der Plattenläden erblicken wird. Tonschnipsel daraus hören Sie nachfolgend zur Begleitung des Leseprozesses im Tonstrom.



Guten Tag der Herr. Es ist mir eine Ehre, einen so erfolgreichen Geschäftsmann wie Sie zu einem Gespräch bewegen zu können. Möchten Sie sich meinen Leserinnen und Lesern kurz vorstellen?
Kein Thema, mit Ihnen unterhalte ich mich doch gerne. Dafür habe ich die Zeit ;). Ich bin Plusmacher, der Junge vom Hasselbachplatz, der jetzt der Berliner Rapszene und dem Rest von Deutschland mal so nebenbei zeigt, wie man das so macht mit dem Rap und so. Meine Hobbys sind Sex, Schlafen, Geld verdienen, den stinkenden Sandsack verhauen und bisschen rappen. Mein zweites Produkt, das ich jetzt auf den Markt werfe, ist „Freieschwarzmarktwirtschaft“, kurz „FSW“.

Es ist in der HipHop-Szene kein Geheimnis, dass Sie ordentlich Plus machen. Welche Schlüsselkompetenzen müssen meine interessierten Leserinnen und Leser mitbringen, wenn Sie ebenfalls auf der Sonnenseite des Lebens stehen möchten? In welchen Unterrichtsfächern sollte man besonders achtsam sein?
So sonnig ist die Seite des Plusmachers gar nicht immer. Es gibt auch keine besonderen Fächer, in denen man aufpassen müsste, um das zu machen, was ich mache. Man sollte von sich überzeugt sein und sich fokussieren und einfach machen, machen und nochmals machen und wissen was man will. Der Rest kommt dann von ganz alleine. Jemand der sich natürlich auf seinen Lorbeeren ausruht und den ganzen Tag Eier schaukelt, bei dem kommt natürlich auch nichts rum. Ganz einfaches Prinzip, das der Plusmacher so hat ;). Ich habe in anderen Bereichen mal sehr gutes Geld verdient. Diese Zeit ist aber vorbei. In der Zeit, in der das noch aktuell war, war das Rappen für mich ein Hobby nebenbei – Spaß an der Sache. Jetzt versuche ich mich fest zu etablieren und regelmäßige Releases auf den Markt zu bringen. Große Erwartungen gibt es erstmal nicht - ohne Fleiß kein Preis. Aber ich liebe es, na klar. Und deswegen ist es nicht mehr wegzudenken für mich.

Wenn Sie in anderen Geschäftsbereichen so viel Geld verdienen, müssen Sie HipHop wirklich lieben, wenn Sie die Zeit in ein weiteres Album mit ungewissen Erfolgsaussichten investieren. Woher kommt Ihre Liebe zum HipHop? Welche Künstler haben Sie ursprünglich mit dem HipHop-Virus infiziert?
Das erste Deutschrap-Album, das ich gefeiert habe, war "CCN1" mit Fler. Dann kam „Vom Bordstein bis zur Skyline“ und dann war ich infiziert. Ab der Zeit wusste ich, dass mach ich auch und dann gab es natürlich Leute wie Mobb Deep, Jungstars wie 50 Cent usw. usw. usw. Da gibt´s einen Haufen, die mich inspiriert haben das zu machen, was ich heute mache.

Erstmals sind Sie mir aufgefallen, als Sie mit dem Mad Management ein verhältnismäßig übersehenes Album einspielten. Ist das Mad Management an einer geringen Wertschätzung durch die HipHop-Medien zerbrochen oder war von vorne herein geplant, dass Sie es auch alleine probieren möchten?
Mad Management war ein Projekt zwischen zwei Freunden, die heute auch noch Freunde sind, aber musikalisch einfach ihren eigenen Weg gehen. Mir gefällt es auch besser alleine mein Ding zu machen.

Sie bewegen sich im erweiterten Umfeld der Funkverteidiger und haben dadurch Zugriff auf allerfeinste Boombap-Produktionen, die auch schon Ihr Album "BWL: Bordsteinwirtschaftslehre" bereicherten. Spüren Sie aktuell auch die positiven Auswirkungen des szeneinternen Aufruhrs, den Künstlerinnen und Künstler wie SSIO mit humorvollem Straßenrap auf geschichtsbewussten Boombap-Produktionen auslösten?
Das ist nicht so ganz richtig. Im Kreis oder Umfeld der Funkverteiger befinde ich mich nicht. Ich hatte damals nur einen Kontakt zu Marcus B und kannte den ein oder anderen von den Jungs. Klar ist es positiv, dass es Leute wie SSIO gibt. Dadurch ist der Markt für diesen Sound natürlich gewachsen. Alles gut, mich freut, dass sich Rap im Jahre 2014 so anhört.

Wie ordnen Sie die bisherige Resonanz zu den ersten Auskopplungen aus Ihrem Tonträger "FSW: Freie Schwarzmarktwirtschaft" ein? Lassen Sie diese auf die Erfüllung Ihrer Erwartungen an das Album hoffen?
Ich halte meine Erwartungen eher immer klein. Die bisherige Resonanz ist positiv und dafür, dass ich das Ding hauptsächlich alleine stemme, bin ich zufrieden.

Teilweise wird Ihnen eine übermäßige inhaltliche Fokussierung auf Geschäfte mit illegalen Substanzen und eine daraus resultierende Eindimensionalität Ihrer Kunst vorgeworfen. Wie sehr stört Sie diese öffentliche Wahrnehmung vor dem Hintergrund von Titeln wie "Durchblick" oder "Rinoplus", in denen Sie in überzeugender Art und Weise tiefe Einblicke in Ihre eigene Biographie geben?
Die Leute ziehen sich meist natürlich immer das Negative heraus und persönliche Tracks wie „Durchblick“ oder „Rinoplus“ fallen da schnell durchs Raster. Ist ja aber normal. Ich lege es ja auch drauf an und wenn das nunmal meine Geschichten sind, die ich zu erzählen habe, sind sie es ;).

Ihre Gastredner auf "FSW: Freie Schwarzmarktwirtschaft" rekrutieren Sie unter Anderem aus dem Umfeld der Azzlackz (Olexesh), von Rap am Mittwoch (Karate Andi) und Spoken View (Damion Davis). Als Beatbauer konnten Sie Figub Brazlevic, Mortis (One), Jay Spizzo und Marcus B gewinnen. Dies deutet auf eine relativ breite Vernetzung in der HipHop-Szene hin? Wie kamen die Kontakte zu den einzelnen Kooperationspartnern zustande?
Ich bin da ganz gut vernetzt und pflege auch die Kontake zu allen Leuten, mit denen ich auf diesem Album zusammen arbeite. Diese wiederum pflegen auch ein persönliches Verhältnis zu mir bzw. sieht und hört man sich regelmäßig. Mit Spuren und Parts hin und her schicken hat das nichts zu tun. Das feiere ich nicht so. Den ein oder anderen lernt man einfach hier in der Hauptstadt kennen und wenn es passt, dann passt es und so kam die ein oder andere Freudschaft oder Zusammenarbeit zustande.

Damit bedanke ich mich für das Gespräch und möchte Ihnen viel Erfolg für das hörenswerte Album wünschen. Sie haben die Möglichkeit, noch ein paar letzte Worte an meine Anhängerinnen und Anhänger zu richten!
Ja, das letzte, was ich noch zu sagen habe, ist, dass ich den ganzen Leuten in meinem Umfeld dafür danke, dass sie mich unterstützen, vor allem Jay Spizzo, durch den es dieses Album überhaupt gibt und es diesen Flavor und Sound hat. Er hat sehr viel Arbeit und Nerven in dieses Projekt gesteckt. Auch Marvin Game und die Überfilm Jungs, die für die ganzen Videoproduktionen verantwortlich sind. Leute, die mir teilweise beim Management unter die Arme greifen. Mein Grafiker für das fette Cover und das ganze Drumherum was an Grafik anfällt. Die DJs für die Cutz. An alle Featuregäste auf diesem Album und Produzenten, der Mix- und Mastermann und alle, die dabei waren. Danke! Freieschwarzmarktwirtschaft - 14.03.2014 - KAUFEN KAUFEN KAUFEN !!!

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