Herr Merkt spricht mit HipHop: Gerard

"Blausicht" bei amazon
In Anbetracht der Tatsache, dass Gerard mit "Blausicht" einen vorzüglichen Tonträger vorlegte (siehe Gutachten), war es mir eine große Freude, mich anlässlich der Veröffentlichung des Werkes am 20.09.2013 mit dem sympathischen Zeremonienmeister per Schriftverkehr unterhalten zu dürfen. Lesen Sie selbst!

Guten Tag der Herr. Es ist mir eine Freude, Sie an dieser Stelle zu einem Interview begrüßen zu dürfen.
Ebenso mein Lieber, ebenso!

Sie sind nun schon eine Weile in dieser HipHop-Szene unterwegs und seit "Most loved, most hated" an der Seite von Bonz hat viel Wasser den Rhein passiert. Wenn Sie auch nur eines Ihrer musikalischen Lebenszeichen aus Ihrer Karriere ungeschehen machen dürften, welches wäre das?
Mhm eine gute Frage. Rein musikalisch kann ich noch immer hinter allem stehen. Natürlich gibt's ab und an eine Zeile von damals, wo man beim Hören zusammenzuckt. Aber mein Gott, man war jung und meine Songs sind ja immer auch Momentaufnahmen. Es sind eher Pressefotos oder Videos aus der Zeit, die ich aber bereits aus dem www verbannt habe. (hehe)

Ihre frühen Werke waren verhältnismäßig klassisch dem traditionellen HipHop verpflichtet. Was würde ein Gerard MC aus dem Jahre 2006 über "Blausicht" sagen?
„Gut gemacht, Future-Gerard!“
Ich war ja nie ein reiner Boombap HipHop-Head, hab' schon immer viel links und rechts gehört. Von daher denke ich, der alte Gerard MC fände das auf jeden Fall sehr sehr gut.

Nach dem Album "Blur" haben Sie das MC aus Ihrem Namen gestrichen. Eine rein stilistische Entscheidung, weil Ihnen der Name Gerard für sich alleine stehend besser gefällt oder fanden Sie das MC musikalisch zu limitierend?
"Blausicht" ist ja mein gefühltes Debüt-Album, also das erste, was es auch tatsächlich im Laden gibt und nicht nur in 1-2 Online Shops. Das erste mit ordentlichen Videos, Fotos und das ganze Drumherum stimmt. Die beiden Vorgänger entstanden ja neben einem sehr zeitintensiven Studium. Dieses Mal hatte ich aber Zeit und Ruhe, mich da echt 100 Prozent reinzufuchsen. Daher auch der Neubeginn. Außerdem passt „MC“ nicht mehr wirklich zu meiner Soundästehtik.

Insgesamt meine ich, auf "Blausicht" eine positive Aufbruchsstimmung zu vernehmen, während "Blur" vielmehr von einer gewissen Melancholie getragen wurde. Spiegelt dieser Umstand die Tatsache wider, dass Sie nun an der Seite von Nvie Motho musikalisch angekommen sind?
Meine Alben sind immer sehr persönlich, von daher spiegeln sie auch immer etwas die Zeit, die ich persönlich durchmachte. Bei „Blur“ war ich halt noch etwas verwirrter und musste erstmal klar kommen mit der Doppel- bzw. 3-fach Belastung Studium, Musik und normales Leben. Und alles lief halt so halbwegs, aber nichts wirklich gut. Bei "Blausicht" war's dann so, dass ich einfach eine echt gute Zeit erlebt habe. Das spiegelt sich auch in den Texten und Themen.

Ausgewiesene HipHop-Experten waren stark davon ausgegangen, dass Sie mit "Blausicht" den Weg zu einem arrivierten Plattenlabel finden würden. Warum haben Sie sich letztlich dazu entschieden, das Album vermittelt durch Heart Working Class in Eigenregie zu veröffentlichen?
Ich will halt zu 100 Prozent meine Vision durchsetzen. Versuch' mal einem Major-Label zu erklären, dass du mit „Lissabon“ quasi ein Jahr vor Album-VÖ eine Video-Single rausbringen willst. Ich hab' ein tolles Team aus Freunden, so dass wir ein Album inklusive Allem drumherum machen können, ohne auf irgendjemand von außerhalb zurückgreifen zu müssen. Von daher dachten wir uns, jetzt rocken wir das Rausbringen auch noch selbst. Was fehlt ist nur Geld und paar Kontakte. Aber dann gibt es halt keine fette Marketing-Kampagne und Anzeigen, aber dafür ein richtig stylisches Gesamtkunstwerk. Ich hab' die Hoffnung und glaube auch daran, dass wenn das richtig gut ist, sich der Rest von alleine erledigt und sich das durch Mundpropaganda auch rumsprechen wird.

Momentan läuft es sehr gut für Deutschrap. Haben Sie das Gefühl, von der aktuellen Erfolgswelle profitieren zu können? Haben Sie konkrete Erwartungen an das Abschneiden von "Blausicht"?
Ich glaube nicht, dass das wirklich Auswirkungen auf mich und „Blausicht“ hat. Ich schwimm' da ja eh so bisschen abseits von Allen. Die konkreten Erwartungen an „Blausicht“ waren einfach ein richtig richtig gutes Album abzuliefern, was einfach soundmäßig und vom Drumherum für sich steht. Und das ist gelungen, also bin ich gerade voll glücklich. Auf das was jetzt kommt bin ich natürlich sehr gespannt, aber wie gesagt, das Wichtigste ist bereits eingetreten. Daher bin ich relativ relaxt.

Informieren Sie sich noch regelmäflig über aktuelle Entwicklungen im Deutschrap? Welche Musik dreht sich auf Ihrem Plattenspieler?
Na klar. Ich checke jedes halbwegs relevante Deutschrap-Video aus. Auf Heavy Rotation zur Zeit ist aber eher internationales Zeug... Kanye „yeezus“, Instrumental EPs und sowas.

Sie haben nach Herr Merkt-Informationen Jura studiert. Es gibt sicherlich einfachere "Alibi"-Studiengänge, um die Erziehungsberechtigten zufrieden zu stellen. Daher unterstelle ich Ihnen ernsthafte Ambitionen in diese Richtung. Verlieren wir Sie wie auch Xatar früher oder später an die Justiz?
Auf gar keinen Fall. Da war eher die Intention dahinter, einfach bisschen was vom Aufbau und Funktionieren von so einem Staat und seinen Regeln zu verstehen. Und mich vorallem nicht mehr von irgendwelchen Handy/Internet- oder sonstigen groß Konzernen abzocken zu lassen :). Aber jetzt steht erstmal Musik an.

Damit bedanke ich mich für das Gespräch und wünsche Ihnen viel Erfolg mit "Blausicht". Sie haben die Gelegenheit, ein paar abschließende Worte an meine Anhängerinnen und Anhänger zu richten.
Ich hoffe euch gefällt's. Ich hab' mir auf jeden Fall richtig viel Mühe gegeben. Im November geht’s auch auf Tour, wo wir "Blausicht" auf die Bühnen bringen! Prüfen sie das! (Herr Merkt voice)

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