Gutachten: SSIO - BB.U.M.SS.N.

"BB.U.M.SS.N."
Artikelbeschreibung
Bereits mit seinem über Xatars Alles oder Nix Records gefallenen Mixtape "Spezial Material" tat sich Bonns SSIO angenehm aus der Masse ironieallergischer Straßenrapper hervor und verzauberte das Publikum auf US-amerikanischen HipHop-Klassikern mit übermäßig unterhaltsamen Abhandlungen über allerlei (klein)kriminelle Vorgänge. Entsprechend wohlwollend rezipiert wurde das Werk in weiten Teilen der HipHop-Szene, so dass die Erwartungen an das am 13.09.2013 erschienene Album "BB.U.M.SS.N." (kurz für: "BoomBapisch Ultraamnesisch Melodischanaboler StraßenScheiß Nuttööö") in beinahe unerreichbare Höhen schnellten. Lassen Sie mich nachfolgend für Sie beleuchten, inwiefern der humorvolle Zeremonienmeister diese Erwartungen auf seinem aktuellen Werk einlösen konnte.

Positive Aspekte
Im Geiste tief verankert in den Neunzigern sind die qualitativ äußerst hochwertigen Produktionen, die SSIO von Beatbauern wie Figub Brazlevic, Reaf, Gee Futuristic und Maestro für "BB.U.M.SS.N." anfertigen ließ. In überzeugender Manier wurde dies bereits auf dem vorab alles beschlafenden "Nuttööö" sowie dem das Album standesgemäß einleitenden "Vorspiel" ersichtlich und setzt sich auf dem Album unter Anderem mit den sagenhaft produzierten Titeln "Einbürgerungstest für schwererziehbare Migrantenkinder", "53119" und "Big King XXL" kohärent fort.
Inhaltlich inszeniert sich SSIO dabei als Hoppelvieh vertickender Kleinkrimineller, der in seiner Freizeit ehrenamtlich Geburtskanäle und Benachbartes reinigt. Dies geschieht jeweils mit der nötigen Dosis an Augenzwinkern, die den Tonträger davor bewahrt, verrohend zu wirken. Von SSIOs humorvoller Herangehensweise zeugen unter Anderem Titel wie "Einbürgerungstest für schwererziehbare Migrantenkinder" (mit Kalim), "Ein tiefsinniges, sozialkritisches und moralvermittelndes Lied" (mit Xatar), "Das Wasser ist nass" (mit 257ers) und "Du hast noch nicht mal Kekse zuhause" (mit Schwesta Ewa).
Als qualitative Leuchttürme tun sich auf "BB.U.M.SS.N." neben den bereits erwähnten Titeln "Nuttööö", "53119" und "Du hast noch nicht mal Kekse zuhause" vor allem das an der Seite von Nate57 und Telly Tellz eingespielte, leicht angedubsteppte "Illegal, legal, egal", das eine negative Sozialprognose herausfordernde "Das letzte Mal? Niemals!" und das verführerische "Der Kanalreiniger" hervor. Hierbei besticht SSIO durch einen technisch versierten Vortrag und kredenzt Reimschemata (siehe "Nuttööö"), für die Vit-Armin B seinen Rucksack verkaufen würde. Hinzu kommt, dass es SSIO schafft, die Zuhörenden auf Albumdistanz in seinen Bann zu ziehen und dabei selbst schwächere Momente des Tonträgers gekonnt zu überbrücken.

Negative Aspekte
Zu den schwächeren Momenten auf "BB.U.M.SS.N." gehören das inhaltlich redundante "Rocco Siffredi" (siehe "Der Kanalreiniger" für eine überzeugendere Einlassung zur Materie), "Harz 4" sowie der ein oder andere Gastbeitrag von seltsam fehlplatziert anmutenden 257ers oder nicht ganz so begabten Zeremonienmeistern wie Obacha. Nichtsdestotrotz konnte SSIO mit "BB.U.M.SS.N." einen Trommelfell angenehm umschmeichelnden Tonträger vorlegen, der unbeschadet der ein oder anderen inhaltlichen Redundanz glänzend zu unterhalten weiß und SSIO somit in der ersten Garde deutschbezungter Straßenrapper etablieren dürfte, Nuttööö!

Gesamtnote: 2+

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