Gutachten: Gerard - Blausicht

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Artikelbeschreibung
Mit "Blausicht" veröffentlicht Zeremonienmeister Gerard nach den beiden Einzelbemühungen "Rising Son" und "Blur" sowie dem sträflich übersehenen Gemeinschaftsprojekt "Toni Tell" an der Seite von Gimma in der Spielzeit 2013 seinen lange erwarteten Tonträger im Albumformat. In der Standardversion enthält dieser dreizehn Anspielstationen, für die sich der sympathische Wiener Produktionen von Stammbeatbauer Nvie Motho sowie Fidmella, Stickle, MainLoop, Clefco, LbS, John Goldtrain und Sy.lc sichern konnte. Es bleibt mit Spannung zu erwarten, inwiefern sich "Blausicht" in den kommenden Wochen in die unprezedierte Erfolgsgeschichte HipHops deutscher Machart einreihen wird.

Positive Aspekte
Vom ersten bis zum letzten Ton verfolgt Gerard an der Seite seines ausführenden Produzenten Nvie Motho eine klare musikalische Vision, die sich abseits klassischer HipHop-Formate in melodisch dezent elektrischen Sphären bewegt und dem Künstler ein Alleinstellungsmerkmal in der reich bestückten deutschsprachigen HipHop-Szene verleiht. Dieser musikalischen Idee ordnen sich in wohlklingender Art und Weise auch die Arbeiten externer Beatbauer unter. Exemplarisch für die musikalische Ästhetik von "Blausicht" seien an dieser Stelle die bereits veröffentlichten Titel "Lissabon", "Manchmal", "Verschwommen", "Welt erobern", "Irgendwas mit rot" und "Alles jetzt" ins Felde geführt, die sich zwar eindeutig einer gemeinsamen Handschrift bedienen, im Detail aber dennoch genügend Varianz aufweisen, um uneingeschränkt spannend zu sein.
Der aufmerksame HipHop-Kopf erkennt in den genannten Beispielen inhaltlich mit Sicherheit einen gewissen Hang zur Melancholie, die sich jedoch regelmäßig in einer positiv Aufbruchsstimmung auflöst und den Zuhörenden optimistisch in die Zukunft blickend zurück lässt, ohne dabei in floskelhafte "Kopf hoch"-Rhetorik zu verfallen. Lyrisch über eine Vielzahl von Zweifeln erhaben legt der parlierende Protagonist seine Weisheit in präziser Art und Weise auf die liebevoll ausproduzierten Klangteppiche. Gleichwenn Gerard dabei sicherlich auch dem Inhalt geschuldet auf wahnwitizge Reimmassaker in drei- und vierfacher Geschwindigkeit verzichtet, erkennt das geschulte Ohr an dieser Stelle mit Sicherheit einen Zeremonienmeister zu tun, der sein Handwerk beherrscht. Ein großes Lob für diese Leistung!

Negative Aspekte
Insgesamt liegt mit "Blausicht" ein in der Tat wunderbarer Tonträger vor, der kaum Anlass zur Beschwerde gibt. Vermutlich werden sich pubertierende Jünglinge darüber echauffieren, dass hier keine weiblichen Erziehungsberechtigten, Geschwister und Lebensabschnittsgefährtinnen beschlafen werden. Der unbedachte Forentroll wird darüber hinaus anmerken, dass bereits die Hälfte der Titel im Vorfeld der Veröffentlichung bekannt war.
Da Ihr Lieblingsblogger jedoch über solche Nichtigkeiten hinweg sieht und die musikalische Sache in den Mittelpunkt stellt, schreckt er nicht davor zurück, hier annähernd die Bestnote zu vergeben. Wenn mich der einleitende Titeltitel schon ab Sekunde 1 und nicht erst ab Sekunde 55 bekommen hätte und der wahrlich mitreißende Kehrvers von "Wie neu" etwas weniger schief geraten wäre, hätten wir uns an dieser Stelle auch über eine glatte 1 unterhalten können. Ein Meisterwerk!

Gesamtnote: 1-

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