Gutachten: Eko Fresh - Eksodus

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Artikelbeschreibung
Nachdem Alben von Eko Fresh in der Vergangenheit eher Landschaften mit vielen tiefen Tälern glichen, war bereits in der vergangenen Spielzeit mit dem Werk "Ek to the roots" eine deutliche Steigerung des Interpreten auf Albumlänge erkennbar. Aufgrund einiger hörenswerter Vorboten wie "101 Bars", "Quotentürke", "3 in 1", "Guten Morgen" und "Kein Plan" sind die Erwartungen an den neuen Tonträger "Eksodus" entsprechend hoch. Nachfolgend soll erörtert werden, inwiefern diese hohen Erwartungen erfüllt wurden und wo ein wohlwollender Rezensent weiteres Steigerungspotential sieht.

Positive Aspekte
Eko Fresh war schon immer ein Sprechsänger, der in den Augen Ihres Lieblingsbloggers sein unbestritten verfügbares Potential im Albumformat nicht auszuschöpfen vermochte und vor allem mit seinen beiden EPs "Jetzt kommen wir auf die Sachen" und "Jetzt kommen wir wieder auf die Sachen" seine bisherigen Leuchttürme ablieferte. So waren die Alben des Protagonisten stets von dem beinahe zwanghaften Versuch geprägt, den einen Schlager für die Spitze der Hitparaden zu produzieren. Mit der Abkehr von diesem Vorhaben ging in den vergangenen beiden Spielzeiten eine deutlich erkennbare Steigerung der Qualität des Gesamtproduktes einher. So fokussiert Eko Fresh für "Eksodus" vollkommen auf seine Stärken, die in launig umgesetzten Konzepten (siehe "Kein Plan", "Läuft/Reicht", "Raptutorial 2" und "Abgabe Skit") gewürzt mit der richtigen Portion ironischer Selbstreflektion (siehe "Quotentürke" und "3 in 1") liegen. Ganz nebenbei fällt dabei mit dem wundervoll durch Julian Williams ergänzten "Guten Morgen" ein wahrhafter Ohrwurm ab, der zweifelsfrei auch beim Radiosender Ihres Mißtrauens den ein oder anderen Zuhörenden begeistern könnte.
Abseits dieser inhaltlichen Fokussierung auf die eigenen Stärken fällt dem aufmerksamen Rezipienten umgehend die unglaubliche Präzision auf, mit der der parlierende Protagonist seine Verse auf klassisch angehauchte Produktionen von Beatbauern wie Phat Crispy, Joshimixu, Isy B, StreetCinemaBeats, Ear2thabeat, Serious Sam, Baloko und Reaf legt. Der Vorwurf, Eko Fresh könne nicht rappen, war von vorne herein stets unangebracht und dürfte in einer gerechten Welt mit "Eksodus" endgültig der Vergangenheit angehören.
Zuletzt möchte ich auf das äußerst gelungene Begleitheft zum Album hinweisen. Neben dem mit reichlich Referenzen angereicherten Titelbild beinhaltet dieses eine Reihe von sehenswerten Neuinterpretationen klassischer Titelbilder von Snoop Doggy Dogg, The Notorious BIG, Eminem, NAS, Jay-z, Big Punisher und Dr. Dre.

Negative Aspekte
Bei all der Lobhudelei im vorhergehenden Abschnitt sei es mir abschließend gestattet, ein paar wenige Punkte kritisch anzumerken. Gleichwenn es positiv auffällt, dass sich der Protagonist im Hauptteil auf zwei Gastsänger beschränkt, ist der von Ado Kojo eingesungene Kehrvers zu "Schöner Tag" in den Ohren des Rezensenten nicht genießbar. Er mag zwar ein netter Kerl sein, aber singen kann er leider nicht.
Weiterhin sind die Leistungen der Gastredner auf der beiliegenden Feature-CD der Natur des Vorhabens entsprechend reichlich durchwachsen, so dass die CD zwar nett gemeint ist, in Gänze aber mit Sicherheit nicht auf schwere Drehung in meinen Abspielvorkehrungen gesetzt wird. Hierfür eignet sich vielmehr der 21 Anspielstationen umfassende Hauptteil, der jedoch auch von der Reduktion um 4-5 in der Gesamtschau leicht abfallenden Anspielstationen (z.B. "Yoah") profitiert hätte.
Dennoch liegt mit "Eksodus" endlich ein das Talent Eko Freshs angemessen umsetzender Tonträger im Albumformat vor, auf den sich aufbauen lässt. "Ek to the future"!

Gesamtnote: 2-

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