Herr Merkt spricht mit HipHop: Mach One

"Meisterstück 2: Rock'n'Roll" bei Beatillz
Es war mit eine Freude und Ehre zugleich, dem großartigen Mach One anlässlich der Veröffentlichung des Tonträgers "Meisterstück 2: Rock'n'Roll" einige Fragen stellen zu dürfen und diese auch noch beantwortet zurückgeschickt zu bekommen. Lesen Sie selbst, was Ihnen der gute Herr mitzuteilen hat!

Guten Tag Herr One. Es ist mir eine große Freude, Sie als einen Vertreter der alten Berliner Schule an dieser Stelle zu einem Interview begrüßen zu dürfen. Möchten Sie für meine Leserschaft Ihre ersten Schritte im HipHop-Spiel skizzieren?
Hallo Herr Merkt, die Freude ist ganz auf meiner Seite. Sagen Sie Ihrer Leserschaft doch bitte, dass es mit dem Graffiti angefangen hat. Da Graffiti ja nun einer der Grundpfeiler des HipHop ist, hatte man auch mit Breakdance und Rapmusik zu tun. Anfangs hörte man diese nur, doch eines Tages fand man sich wüst freestylend an einem 18. Geburtstag mit den Graffitikumpanen in Berlins Straßen wieder. Hat Spaß gemacht. So war das.

Trotz der unverkennbaren Qualität Ihrer künstlerischen Ausstöße konnten Sie in der Hochphase des HipHops Berliner Machart kommerziell kaum profitieren. Haben Sie diesbezüglich bereits Ursachenforschung betrieben? Wie sehr wurmt Sie dieser Umstand?
Zu Ursachen und Würmern kann ich Folgendes sagen: Es gab eine Zeit, da nahm ich mich und meine Musik zu ernst, da lief es nicht und es wurmte mich durchaus. Inzwischen nehme ich weder mich noch meine künstlerischen Ergüsse im musikalischen Bereich allzu ernst und es läuft - und es wurmt mich nicht mehr.

Vermutlich sind Sie einer der Wegbereiter des Anarcho-Rap, dem Sie mit "Schweinegrippe" einen weiteren qualitativen Leuchtturm hinzufügen konnten. Wie reagieren Sie in Anbetracht dessen auf Vorwürfe, Sie würden sich wie Favorite anhören?
Es bauchpinselt mich sehr, von Ihnen als Wegbereiter "erkannt" worden zu sein! Da die Zeit meiner Abwesenheit ja nun länger andauerte als so manche Karriere an sich, wundert es mich nicht, solche Stimmen vernehmen zu müssen. Man kann davon ausgehen, dass der eine oder andere Hörer erst in der Zeit nach "Meisterstück 1" überhaupt das Alter erreicht hat, Anarchorap zu hören und naturgemäß von mir nichts weiß. Ich reagiere auf Vergleiche mit Künstlern wie Favorite, JAW oder K.I.Z mit einem Dankeschön.

Ihren beiden Soloalben "Jung und kaputt" und "Das Meisterstück Vol. 1: Guter Rap gedeiht im Dreck" stehen insgesamt sechs Kollaborationsprojekte im Albumformat gegenüber? Zufall oder scheuen Sie sich vor der Verantwortung, die eine Individualbemühung mit sich bringt?
Mitnichten! Ich ziehe es nur stets vor, dem Bauchgefühl zu folgen und das zu machen, was mir auf den Nägeln brennt. Außerdem ist es ungemein interessant, spannend und auch inspirierend, gemeinsam an Texten und Titeln zu knobeln. Ich finde auch nicht, dass ein Kollaboalbum einem Soloalbum in irgendetwas nachsteht. (Mal abgesehen davon, dass es total anstrengend ist, wenn man doppelt so viel Text schreiben muss.)

Angesichts der Vielzahl an in der Vergangenheit liegenden Kollaborationen ist der geringe Umfang Ihrer Gästeliste für das Album ein wenig erstaunlich. Haben Sie sich in den vergangenen Jahren zum Einzelgänger entwickelt?
Ganz im Gegenteil. Die Band "Mach One" wurde sogar um ein festes Mitglied erweitert. Der Mo (D-Mo / HBL) ist mehr oder minder auf jedem Track des aktuellen Albums zu vernehmen. Auch die Produktion betreffend, habe ich Tür und Tor geöffnet. So haben mich Kev Beats bei den Arrangements, Dekhano am Bass, Nils Faller beim Mix und diverse Weitere tatkräftig unterstützt. Ich möchte an dieser Stelle auf den Umfang der Liste beteiligter Personen (der CD beigefügt) verweisen. Die Featureliste auf Taktlo$$ zu begrenzen sehe ich als Statement und hätte ich jeden gefeatured, den ich gern gefeatured hätte, wäre es ja doch wieder ein Kollaboalbum geworden, nicht wahr?

Auf Ihr zweites Meisterstück ließen Sie Ihre Gefolgschaft eine ganze Weile warten. Können Sie Ursachen für die doch erheblichen Verzögerungen benennen?
Abgesehen von Verletzungen mit fast tödlichen, körperlichen Folgen und der dazu gehörigen Regenerationsphase, gab es verschiedene Gemütstiefs. Ein ganz entscheidender Störfaktor war aber auch der in Deutschland sehr weit verbreitete Zwang, das Dach über dem Kopf Geld bezahlen zu müssen. Fast hätte ich die musikalische Aktivität endgültig an den sprichwörtlichen Nagel gehängt. Ein erstaunlich gut besuchtes Konzert, veranstaltet von meinem geschätzten Kollegen Gris, konnte mich dann aber doch noch von der Notwendigkeit eines weiteren MachOne-Albums überzeugen.

HipHop deutschsprachiger Machart erlebt in diesen Tagen eine selten zuvor erlebte Hausse. Wie sehen Sie die Entwicklungen innerhalb der HipHop-Szene? Spielen Ihnen diese Veränderungen für die Veröffentlichung von "Das Meisterstück Vol. 2: Rock'n'Roll" in die Karten?
Nachdem ich den Begriff "Hausse" (von dem ich noch immer nicht genau weiß, wie man ihn ausspricht) nun nachgeschlagen habe, sage ich mal... ähm JA!

Was erwartet den interessierten HipHop-Kopf auf dem zweiten Meisterstück?
"Meisterstück 2" ist trotz des Untertitels "Rock'n'Roll" ein Vollblut-HipHop Album im Stile MachOne's. Alle Stilrichtungen die ich mir über die Jahre aneignen konnte, haben ihren Platz bekommen. Es gibt die typischen, ehrlich, deepen Tracks, die Storytellingtracks, die freakigen Tracks und sogar etwas partytaugliches. Während die unterhaltsameren Titel leicht überwiegen, habe ich mich bemüht den Hörer nie mit mehr als zwei Tracks einer Art zu nerven. Das Album ist abwechslungsreich, durchdacht und ausproduziert. Wer das anders sieht, dem zeig ich die lange Nase!

Ihr Vater Uwe Kolbe ist ein mehrfach ausgezeichneter Schriftsteller. Inwiefern sehen Sie sich beruflich in dessen Fußstapfen? Erkennt Ihr Vater das lyrische Potential von HipHop an?
Mein Vater ist einer von den Guten. Aber in seinen Fußstapfen sehe ich mich weder bewusst, noch unterbewusst. Wenn, dann eher genetisch bedingt. Er feiert meine Texte seit dem "(R)evolution Tape 2000". "Freakshow" fand er allerdings "geschmacklos"!

Abschließend darf ich Sie zu einem kurzen Entscheidungsspiel einladen. Benennen Sie bitte Ihre Favoriten aus den nachfolgenden Wortpaaren!
Gillette oder Wilkinson? Wachsen lassen oder wachsen lassen.
Graffiti oder Rap? Breakdance!
Sommer oder Winter? Definitiv Winter!
Independent oder Major? Im Musikgeschäft sind alle Hunde.
Chuck Berry oder Elvis Presley? Jim Morrisson

Damit bedanke ich mich recht herzlich für Ihre Mühe und überlasse Ihnen gerne das letzte Wort!
Sex, Drugs and Rock'n'Roll... Drogen sind Scheiße!

Kommentare:

  1. Bester Mann, wünsche ihm vor allem finanziellen Erfolg fürs Meisterstück2.

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  2. sehr schönes interview! herr merkt - was hast du noch?

    FREIHEIT FÜRS BASKENLAND

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  3. Der in meinen Augen großartigste Rapper Berlins und des Undergrounds. Feier ihn schon ewig. Long live da shit... till the day that we die.

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  4. Cooler Typ. Werde mir das Album legal(!!) holen. Solche Leute müssen unterstützt werden.

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  5. 1. Schultag.

    Die neue Lehrerin möchte sich natürlich gleich bei Ihren Schülern beliebt machen und erzählt, dass sie total auf Hip Hop steht. Sie fragt wer noch gerne Hip Hop hört. Fast alle Arme gehen nach oben, nur ein Mädchen in der letzten Reihe meldet sich nicht.

    Die Lehrerin fragt: "Warum meldest du dich denn nicht?"

    "Weil ich keinen Hip Hop mag." sagt sie.

    "Und welche Musik magst du?"

    "Techno."

    "Ja um Himmels Willen, warum denn ausgerechnet Techno?"

    "Nun ja, mein Papa ist DJ, meine Mama ist DJane und beide haben sich im U60311 kennengelernt. Ich bin auf der Nature One gezeugt worden und somit hör ich eben auchTechno."

    Da sagt die Lehrerin: "Aber Kind, man muss doch nicht alles nachmachen was die Eltern machen. Stell dir mal vor deine Mama wäre Prostituierte und dein Papa ein alkoholabhängiger Assi. Was wäre denn dann?"

    "Naja gut, DANN würde ich wahrscheinlich auch Hip Hop hören..."

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  6. der objektive fakt das hiphop nicht hörbar ist sonder höchstens rap macht deinen kleingeistig präpupertären witz natürlich noch schlechter als er eh schon ist -.-

    ontopic: bester typ und bestes album

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