Mein Album: Danger Dan - Dinkelbrot & Ölsardinen

"Dinkelbrot & Ölsardinen" archivieren
Anlässlich der Veröffentlichung seiner EP "Dinkelbrot & Ölsardinen" möchte Ihnen Antilope Danger Dan vermittelt durch die Rubrik "Mein Album" alle wesentlichen Informationen zum Tonträger überbringen. Als Archivierungsimpuls mögen Sie zudem eine audiovisuelle Umsetzung des Titels "Ölsardinenindustrie" rezipieren.



Welche Gäste haben Sie geladen?
Auf der EP ist nur ein Featuregast. Aber eingeladen habe ich ihn nicht.

Wer hat produziert?
Ich habe die Beats für die EP fast alle in der selben Nacht im Jahre 2009 gebaut. Da hab ich die Reverse-Funktion meines Samplers entdeckt und konnte endlich alle Samples benutzen, die vorher nie groovten. Wie auch schon bei meinen letzten Projekten hat dann Panik Panzer alle Beats überarbeitet, was trotz Reverse-Funktion auch wirklich nötig war. Er hat das Ganze allerdings drei Jahre auf dem Schreibtisch versauern lassen und es dann eher lustlos binnen drei Tagen neu gemacht. Gutes Teamwork!

Wenn Sie Ihrem aktuellen Tonträger ohne Rücksicht auf die Verfügbarkeit finanzieller Resourcen einen weiteren Gast / Produzenten hinzufügen dürften, welcher wäre das? Warum?
Ich hätte gerne eine B-Seite aufgenommen und mit einem Jazz-Quartett alle Lieder neu interpretiert. Mal sehen, wenn die Resonanzen nun weiterhin so gut bleiben, dann mache ich das auch noch. Der Grund dafür liegt irgendwo zwischen dem Drang nach Selbstinszenierung und meiner Liebe zum Experiment und der Livemusik. Auch wenn mir Rap am Herzen liegt, habe ich einfach keine Lust mehr auf diese 08/15-Rap-Nummer und kann mich so künstlerisch und musikalisch kaum noch verwirklichen. Hoffentlich finden wir als Antilopen Gang bald einen neuen Weg und schreiben lieber Theaterstücke oder Kurzgeschichten anstatt Rap-Lieder. Schade, dass die anderen drei Antilopen das gar nicht so sehen wie ich und es vermutlich besser gefunden hätten, wenn ich diese Antwort zensiert hätte – fickt euch!

Warum sollte der HipHop-Kopf im (virtuellen) Plattenladen nach Ihrem aktuellen Werk greifen?
Wenn man alles scheiße findet, nichts mehr ernst nehmen kann, sich über alles auf der Welt lustig macht und in nichts einen Sinn sieht, sich selbst deswegen um so cooler findet, aber hier und unter der Schattenseite des an sich bipolaren Narzissmus leidet, dann fühlt man sich bestimmt hier und da verstanden, wenn man die Texte hört. Klingt pathetisch, wäre aber ein Grund, sich das mal anzuhören. Ansonsten sind auch ganz gute Sprüche dabei und ich beschimpfe Privatpersonen und verschiedene Gruppen. Das ist auch unterhaltsam.

Wenn Sie mir nur drei Titel aus Ihrem aktuellen Album vorspielen dürften, welche wären das? Bitte begründen Sie Ihre Angaben!
„Ölsardinenindustrie“, „Ich werde mich isolieren“ und „Cool“, würde ich sagen. Ansonsten wiederholen sich die Kernaussagen auch eh immer wieder.

Nehmen wir an, ich wolle mir einen Eindruck von Ihrem Gesamtwerk verschaffen. Gibt es Titel, die mir dabei auf keinen Fall in die Hand fallen sollten?
Die beiden Lieder, die sich rund um Beziehungen und Liebe drehen, sind mir irgendwie auch etwas unangenehm und zu privat. Das geht eigentlich niemand was an, ich hoffe aber, ich kann damit wenigstens wildfremde Studentinnen bezirzen. Tanzen und so ist leider nicht meine Stärke, aber so emotionales Gesülze – da bin ich sehr gut drin. Anders komm ich in der Welt des Balz einfach nicht weiter.

Wie hoch beurteilen Sie insgesamt Ihre Zufriedenheit mit Ihrem aktuellen Tonträger auf einer Skala von 1 (überhaupt nicht zufrieden) bis 10 (vollkommen zufrieden)? Wo sehen Sie noch Verbesserungspotential?
Besser geht’s nicht, dafür fehlen uns die Mittel und die Motivation. 2009 fand ich die Texte alle 10, da war ich aber auch 25 Jahre alt. Mittlerweile sind die Texte für mich eher so 4 und die Beats sind so 7.

Was würden Sie in einer Plattenkritik zum Album gerne lesen? Was auf keinen Fall?
Was ich gar nicht lesen will ist: „Eigentlich hassen wir Rap, aber diese EP ist echt mal was Gutes.“ Denn eigentlich ist Rap sehr geil! Grundsätzlich freue ich mich immer, wenn bestimmten Leuten die Musik nicht gefällt, ich polarisiere gerne. Was ich also ganz geil fände: „Wir von der kritischen Künstlergruppe XXX, dem Ausschuss für Piemel und Pups des Asta der Stadt YYY und dem Förderverein für geistige Verwirrtheit im EKH Wien finden das nicht gut, dass Danger Dan immer auf uns rumhacken muss.“

Können Sie meine Leserinnen und Leser mit einer Anekdote zur Entstehung des Albums oder spezifischer Tracks beglücken?
Ich arbeite meistens nachts und versetze mich mit Hilfe von sozialer Isolation, Unterernährung, Kaffee und Zigaretten in Trancezustände. An die besagte Nacht habe ich keine Erinnerungen mehr, ich weiß nur, dass ich am nächsten Morgen die Lieder hörte und ziemlich gut fand. Grundsätzlich schrieb ich alles in einer Phase von Orientierungslosigkeit und dem zweiseitigen Gefühl der Belanglosigkeit und Sinnlosigkeit. Diese Phase hält bis dato an und überträgt sich auf eine ganze Generation.

Wie lange haben Sie an Ihrer aktuellen Veröffentlichung effektiv gearbeitet?
Ich 2 -3 Tage, Panik Panzer aber in Wirklichkeit ziemlich viel. Er hat auch das Video zu „Ölsardinenindustrie“ gemacht, das Artwork, den ganzen Mix und mich überredet, die Vocals neu aufzunehmen und Textstellen zu ändern. Eigentlich ist mir das peinlich, dass nicht sein Name vorne drauf steht. Er war der Direktor dahinter und ihm gebühren die Lorbeeren. Und die Pitlabs haben noch alles gemastert.

Was hat es mit dem Titel des Albums auf sich?
"Dinkelbrot und Ölsardinen". Das soll mal einer verstehen. Dinkelbrot wird wohl irgendwas mit dem Öko-Mittelstand zu tun haben und Ölsardinen irgendwas mit ganz vielen kleinen Fischen, die nun alle in einer Dose drin sind.

Dürfen sich Ihre Anhängerinnen und Anhänger auf eine Konzertreise zum Album freuen? Warum kommen Sie nicht nach Wanne-Eickel?
Eine Konzertreise wird es nicht geben. Der Grund ist recht einfach: Ich bin hauptberuflich Musiker, ich habe das Glück, dass meine Auftragslage so gut ist, dass ich nicht mehr Problemkids musikpädagogisch unterrichten muss und verdiene mein Geld mit Konzerten als Pianist und Sänger - unabhängig von den Antilopen. Die Antilopen Gang verdient sehr wenig Geld und ich muss meine Prioritäten halt verlagern. Das hat aber den Vorteil, dass ich recht ungebunden bin, mir mein Publikum egal bleiben kann und sich die Kunstfigur Danger Dan nicht wirklich anbiedern muss.

Welche Erwartungen / Hoffnungen verbinden Sie mit Ihrem aktuellen Album?
Ich will eigentlich nur gerne irgendwo dazugehören.

Amazon versendet ab 20 Euro versandkostenfrei. Was würden Sie zu Ihrem Album dazu bestellen, um Versandkosten zu sparen?
Wer oft genug bei Amazon bestellt, der bekommt eigentlich von Amazon recht präzise Vorschläge, was man sonst noch dazu bestellen könnte. Mir schlagen die aber meistens Bücher von Irvin Yalom vor, und diese übertrieben langweiligen Wälzer von Simone de Beauvoir. Amazon verkauft meine EP aber gar nicht. Wegen diesen schmächtigen Indie-Angeboten würden wir als Antilopen Gang nicht irgendwo signen. Wir warten auf das Major-Angebot oder den Untergang der Musikindustrie. Ihr könnt es alles umsonst auf www.antilopengang.de runterladen oder dort als CD-Version mit Bonustracks käuflich erwerben. Nehmt auch ein schönes T-Shirt von Caught In The Crack oder ein weiteres Antilopen-Release dazu.

Kommentare:

  1. Guter Mann, Geile Scheibe

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  2. gute ep, ich warte weiterhin auf mein exemplar mit den bonustracks! macht mal hin ihr faulen antilopen!

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  3. klarer fall von antilopenverharmlosung!

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  4. Richtig gut. Kunst, ohne Kunst zu sein. Inhaltlich und vom Feeling kann ich mich voll dahinter stellen. Bitte mehr.

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