Hiob - Drama konkret (Review)

Nach zwei Veröffentlichungen an der Seite seines Partners im Reim Morlockk Dilemma, Untergrund-Aktivitäten beim Funkviertel und der den Albumstatus offensichtlich aberkannt bekommen habenden Einzelleistung "Fragmente" erschien dieser Tage Hiobs selbst ernanntes Debüt-Album "Drama konkret" über Spoken View Records. Darauf versammelt der Berliner Protagonist insgesamt zwanzig für wahr düsterst instrumentierte Anspielstationen, die allesamt dem eigenen Beatanbaugerät entstammen und lediglich in zwei Ausnahmefällen in Kooperation mit Morlockk Dilemma und Maxtreme produziert wurden. Auch hinsichtlich der Gäste bleibt man unter sich und räumt ausschließlich Künstlern, denen man eine ähnliche musikalische Sozialisation unterstellen würde, Redezeit ein. So werden auf "Drama konkret" respektable Zeremonienmeister wie Morlockk Dilemma, Pierre Sonality, Sylabil Spill, Lunte und Yassin vorstellig.

Erwartungsgemäß homogen von den Neunzigern inspiriert gerieten die einzelnen Anspielstationen des Tonträgers, ohne dabei jedoch den Bezug zur Gegenwart zu verlieren. So fließt "Drama konkret" trotz seiner historischen Inspirationsquellen äußerst frisch im Hier und Jetzt verankert aus dem Abspielgerät Ihres Vertrauens! Gleichwenn auf der Metaebene teils deutliche Parallelen zum Frühwerk Aggro Berlins zu konstatieren sind (ich spezifiziere: das Leben in Berlin ist hart), hebt sich Hiobs Kunst inhaltlich im Großen und Ganzen doch deutlich vom dominanten Ansatz HipHops Berliner Machart ab und sieht sich vielmehr in einer Tradition mit Genrevertretern wie Morlockk Dilemma und Audio88. Hier wird der graue Plattenbau nicht als Mittel zur kruden Provokation instrumentalisiert, sondern dient als Handlungsraum für liebevoll dargebotene Geschichten, die die Zuhörerinnen und Zuhörer in ihren finsteren Bann ziehen. Als rekurrierende Themen sind dabei Dekadenz, Armut und der (unerreichbare?) Wunsch nach Freiheit auszumachen. Punktuell ergänzt werden diese durch bissige Verbalinjurien gegen die kaum mit Talent gesegneten, nicht namentlich gekennzeichneten Kolleginnen und Kollegen.

Auch auf "Drama konkret" werden selbstverständlich keine neuen Räder mehr erfunden. Jedoch sollten wir uns langsam aber sicher davon lösen, von jeder Veröffentlichung inhaltliche Revolutionen zu erwarten. Man darf in der Spielzeit 2011 getrost davon ausgehen, dass in der 20-jährigen Geschichte des HipHops deutscher Machart bereits beinahe alles einmal gesagt und / oder getan wurde. Verschieben wir den Fokus hingegen auf die künstlerische Umsetzung der Inhalte, so sind "Drama konkret" keinerlei Mängel nachzuweisen. Ein großartiges Album, dessen Brillianz für die Zuhörerin / den Zuhörer mit der Akzeptanz der distinkten Stimme Hiobs stehen und fallen wird. Lassen Sie sich darauf ein, meine Damen und Herren!

Kommentare:

  1. "Es ist egal, was du tust, weil wir alles schon mal hatten zählt nur wie und wieso"
    -Prezident

    Da der Herr Hiob, ähnlich wie einst Franz Kafka, die Musik nicht als seinen Brotjob wählt, sondern als eine Lebensbereichung, ja, sich die Kunst zum Lebenssinn erhoben hat scheint mir das Wieso nicht so schlecht.

    Zum Wie braucht man wohl nicht viele Worte verlieren. Ganz klar ein Klassiker für den deutschsprachigen Hiphop und wird hoffentlich auch irgendwann seinen Respekt erhalten!

    Hiermit möchte ich auch Herrn Merkt danken, daß er auf seinem Blog auch vielen untergrundigeren Künstler eine Plattform gibt und mir auch somit die ein oder andere Perle gezeigt hat!

    Und nun bitte wieder die Stimme von Herrn Hiob auf den schönen kratzigen Samples hören.

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  2. Gute Review, auch wenn eventuell ein klein wenig mehr auf die inhaltlichen Stärken bzw Schwächen der einzelnen Tracks hätte eingegangen werden können. Aber insgesamt sehr schön, dass ein so gelungenes Werk an dieser Stelle die verdiente Aufmerksamkeit erhält.

    Gruß,
    moof

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  3. schade!!! finde die review recht halbherzig. ist vielleicht aber auch gar nicht anders machbar, wenn fast jede line ihre eigene abhandlung verdiente :D

    "oh berlin, du meine fehlerlose orchidee unter deinen neon-gelben pfauenfedern wuchern melanome"

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  4. Einen Aufsatz über wieviele Seiten hätten Sie sich denn von einer angemessenen Review erwartet?

    Ihre Antwort richten Sie bitte an kommerzielle Print-Medien wie Juice, Backspin und Bravo HipHop Special oder an die ganzen Online-Angebote, die mit ihren Inhalten Geld verdienen!

    Meine Alternative zu kurzen Reviews ist gar keine Reviews.

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  5. Gutes Review .
    Gues Album.

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  6. ach, herr merkt, sie olles tränengesicht! hab mich halt einfach schon auf die hiob-review gefreut.

    nach der (unverhältnismäßig ausgefeilten) "23"-review dachte ich einfach, bei hiob werden sie abgehn wien zäpfchen/sack suppe/schmidts katze/o.ä.

    was nix daran ändert, dass ich ihr ehrenamtliches engagement sehr schätze und übelst gern hierher surfe. sollte ich ihnen einmal in natura begegnen, werde ich mich selbtsverständlich umgehend in den staub schmeißen, versprochen!

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  7. Monster-Album direkt in die Seele

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  8. Sehr anregend, endlich mal wieder eine für mich erträgliche "weisse Sprechgesangs-Stimme".

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