Ahzumjot - Monty (Review)

Viele Vorschusslorbeeren wurden vergeben, bevor Ahzumjots "Monty" am 30.09.2011 schließlich der Öffentlichkeit verfügbar gemacht wurde. Nun liegt es an den insgesamt dreizehn Anspielstationen des Albums, den im Vorfeld geschürten Erwartungen gerecht zu werden. Eine Aufgabe, an der schon weit renommiertere Künstler als Ahzumjot nachhaltig scheiterten. So ist es nur wenig verwunderlich, dass der Hamburger Protagonist in Interviews stets bemüht war, die beinahe übermenschlichen Erwartungen an "Monty" zu adjustieren - sprich: nach unten zu korrigieren. Dabei muss sich Ahzumjot mit der vorliegenden Produktion im direkten Vergleich keinesfalls vor der Konkurrenz verstecken. "Monty" ist zwar anders als all das, was den bisherigen Hörgewohnheiten des Deutschrap-Kopfes entspricht, aber genau darin liegt seine Stärke. Anstatt aktuelle Erfolgsrezepte von Kollegen wie Casper, Marteria oder Prinz Pi blind zu kopieren, verfolgt Ahzumjot konsequent seinen eigenen Ansatz und tut damit nicht nur sich, sondern HipHop generell einen großen Gefallen, indem er genau jene Fehler grandios vermeidet, die Straßenrap deutscher Machart im gesellschaftlichen Diskurs auf die stille Treppe katapultierten. Abziehbildrap 3.0 findet auf "Monty" definitiv nicht statt!

Der Umsetzung einer eigenen, sphärisch elektroiden Klangästhetik ist sicherlich auch zuträglich, dass der reimende Protagonist auch an der Produktionsfront das Zepter nicht aus der Hand gibt und an allen Titeln als ausführender Beatbauer beteiligt ist. Auf sieben Anspielstationen erhält er zusätzlich Unterstützung von geschätzten Kollegen wie Sam Exzellent, Levon Supreme und P.R.Z.. Auch verbal bleibt man lieber unter sich und verpflichtet mit Nerdrapper Rockstah, eous Crusoe und Schlechte Menschen-Kollege P.R.Z. ausschließlich Gastredner aus dem eigenen Umfeld. Diesbezüglich wäre dringend anzumerken, dass sich die Gastbeiträge qualitativ nahtlos in das Gesamtwerk einfügen und für keine negativen Hörerlebnisse verantwortlich zeigen. Dies ist nicht immer selbstverständlich, wenn man bei der Akquise der Gäste im eigenen Umfeld bleibt.

Unter raptechnischen Gesichtspunkten bewegt sich Ahzumjot - mit Verlaub gesprochen - im Mittelfeld. So liegt die Stärke des Protagonisten hauptsächlich in seinem charismatischen Vortrag, mit dem er sich im bundesweiten Vergleich mit den Besten messen und meiner bescheidenen Einschätzung zufolge lediglich Nesolas Megaloh geschlagen geben muss. Beim Hören von "Monty" kann man einfach nicht anders, als sich von Ahzumjot in seinen Bann ziehen zu lassen und nach Ablauf der Spielzeit reflexartig den Wiedergabe-Knopf zu betätigen. "Monty" ist somit auch abseits der Inhalte fesselnd und somit empfehlenswert.

Inhaltlich sind gewisse Parallelen zu Caspers Erfolgsalbum "XOXO" natürlich nicht von der Hand zu weisen, wobei dieser Umstand sicherlich der Zugehörigkeit zur selben Generation geschuldet ist. So wandelt Ahzumjot auf "Monty" zwischen Perspektivlosigkeit, Selbstzweifel und einem vorsichtig optimistischen Blick in eine bessere Zukunft. Dabei erscheint Ahzumjot unbedingt authentisch und bietet damit der Zuhörerin / dem Zuhörer eine umfangreiche Projektionsfläche für ihre / seine eigenen Ängste und Hoffnungen. Besonders eindrucksvoll gelingt dies mit den beiden Titeln "Einmal gegen die Wand" und "Nicht viel", wobei auch die restlichen Anspielstationen keinesfalls bis kaum abfallen. Somit kann ich an dieser Stelle guten Gewissens einen Kaufbefehl aussprechen. Die Vorschusslorbeeren waren berechtigt - vertrauen Sie mir!

1 Kommentar:

  1. Den Hodensack in kaltes Wasser!! Und die Scheiß Herzen <3 <3 <3

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