F.R. - Ganz normaler Wahnsinn (Review)

Nach dem sinnsuchenden "Wer bist du?" veröffentlicht F.R. am 02. September 2011 in Form von "Ganz normaler Wahnsinn" bereits sein fünftes Album in 21 Jahren. Vorbildlich authentisch serviert Ihnen der in Braunschweig gebürtige Wahlberliner darauf insgesamt vierzehn Anspielstationen, in denen er sich in bewährter Manier jenen Themen widmet, die ihn während der Albumproduktion offenbar beschäftigten. Insofern reiht sich "Ganz normaler Wahnsinn" konsequent in die bisherige Diskographie Fabian Römers ein, die mittlerweile die Entwicklung eines talentierten Kinderzimmerrappers zum ausgewachsenen Künstler nachzeichnet. Auch musikalisch bestehen durch die neuerliche musikalische Verantwortlichkeit der Beatgees hörbare Anknüpfungspunkte zum direkten Vorgänger.

War "Wer bist du?" inhaltlich noch (im besten Sinne) von post-abiturieller Orientierungslosigkeit geprägt, so wirkt "Ganz normaler Wahnsinn" beim ersten Hinhören bereits deutlich entschlossener. F.R. entscheidet sich gegen eine konventionelle Akademiker-Laufbahn im allgemeinen Konsens; die Wahl zu Gunsten eines Lebens als Musiker ist bei vollem Bewusstsein möglicher negativer Konsequenzen gefallen. Entsprechend strotzt der vorliegende Tonträger nicht - wie noch im einleitenden "machen" suggeriert - vor blindem Optimismus und Tatendrang, sondern wird über weite Strecken von nachdenklicheren Tönen getragen ("Träum weiter", "So soll's sein"). Weiterhin meine ich vor dem Hintergrund meiner psychologischen Ausbildung den Ausdruck einer unterbewussten Unsicherheit über die getroffene Entscheidung im brilliant vollzogenen Spiel mit dem Paradoxen erkennen zu können (siehe hierfür "Sonne schneit", "Ganz normaler Wahnsinn"). Man möge mich bitte umgehend korrigieren, sollte ich mich diesbezüglich täuschen.

Nebst einer Reihe von Einblicken in sein Seelenleben betätigt sich der Interpret auf "Ganz normaler Wahnsinn" natürlich auch als Geschichtenerzähler SLASH Beobachter SLASH Kritiker. Besonders lobend sei in diesem Zusammenhang der Titel "Sie und ich" erwähnt, der zwar auch als Einblick in das Seelenleben F.R.s durchgehen könnte, sich aber aufgrund seiner gen Ende offenbarten Doppelbödigkeit als hervorragender Geschichtenerzähler qualifiziert. Schöner Scheiß! Ebenfalls einen eigenen Titel verdient sich die leicht süffisante Feststellung, dass scheinbar JEDE Abiturientin / JEDER Abiturient nach dem erfolgreichen Schulabschluss "Irgendwas mit Medien" macht. Man kann sich durchaus darin wiederfinden. Ernstere und sehr viel ernstere Töne werden unterdessen auf "Gefällt mir" (Stichwort: Digitalisierung des Lebens) und "Russisch Chatroulette" (Stichwort: Pädophilie) angeschlagen, ohne dass dabei der erzieherische Zeigefinger dominiert.

Wie auch schon auf dem Vorgänger "Wer bist du?" sind die Produktionen der Beatgees ohne jedweden Makel unbedingt massenkompatibel, so dass hier die Gefahr besteht, dass sie am traditioneller veranlagten HipHop-Kopf in Ermangelung von Widerhaken nur allzu leicht vorbeiziehen könnten. Hierbei handelt es sich jedoch in keinster Weise um ein qualitatives Problem, sondern um ein Resultat unterschiedlicher Hörgewohnheiten, die durch die Verpflichtung von Tim Bendzko am Kehrvers von "Zweifellos" nicht unbedingt versöhnt werden dürften. Um jedoch wieder Brücken zum traditionellen HipHop-Publikum zu schlagen, besticht F.R. einmal mehr auf Albumlänge durch höchst variablen Wortfluss gepaart mit großer Präzision am Mikrophon, so dass dem ein oder anderen horizontal nicht eingeschränkten HipHop-Kopf auf diesem Wege das Herz doch noch aufgehen sollte.

Alles in Allem stellt "Ganz normaler Wahnsinn" eine sinnvolle Weiterentwicklung des Künstlers F.R. dar, mit der es dem Protagonisten problemlos gelingen dürfte, seine bisherigen Anhängerinnen und Anhänger zufrieden zu stellen sowie neue Zielgruppen zu erschließen. Dass besagte Zielgruppenerweiterung nach meiner Einschätzung hauptsächlich abseits der HipHop-Szene stattfinden wird, verkommt angesichts der jüngsten Charterfolge von Casper, Samy Deluxe und Nate57 zur irrelevanten Randnotiz. Es geht schließlich um Musik und "Ganz normaler Wahnsinn" ist ein sehr gutes Album!

Kommentare:

  1. der kerl ist absolutes brechmittel sowas von unsympathisch und alles was er macht wirkt erzwungen wie sonst was... versteh nicht wie man sich den dreck geben kann - da hat ja blockmonsta noch mehr ausstrahlung...

    AntwortenLöschen
  2. wer hat dir denn in dein morgenmüsli geschissen?

    AntwortenLöschen
  3. ob in meinem Müsli jetzt n Haufen sitzt oder ich diesen Clown höre, bei beidem kommts mir wie dem Kollegen oben hoch

    AntwortenLöschen
  4. Die einzige Daseinsberechtigung dieses Musikers liegt doch in den vielen humorvollen Seitenhieben, die seine (ich nenne sie mal) Kollegen austeilen, begründet. F.R. war schon immer eine Witzfigur und wird auch immer eine Witzfigur bleiben. Außerdem sollte er sich vielleicht mal in eine psychologische Behandlung begeben. Eine deutliche schizophrene Persönlichkeitsstörung macht sich immer bemerkbar, ob in seinen Texten oder Interviews. Der Dude sollte echt erstmal eine Ausbildung machen, vielleicht ja einfach ein Jodeldiplom. Dann hat er was, um auf eigenen Füßen zu stehen.

    AntwortenLöschen
  5. Wunderschön geschriebene Review. Muß man da ja jetz einfach mal sagen.
    Mir gibt F.R. jetz auch nich viel, aber die Hater ...

    AntwortenLöschen
  6. Is doch Schwachsinn .. F.R. macht Musik auf hohem Niveau und is definitiv symphatisch. Man sollte sich erstmal ein paar Tracks anhören bzw mal richtig zuhören, bevor man hier große Menschenkenntnisse an den Tag legt.
    Ich glaub einige hier sind bereits zu sehr abgestumpft von irgendwelchen primitiven Möchtegern Artisten und haben null Sinn für gute Musik .. Mein Beileid

    F zum R .. ich bin gespannt auf das Album

    AntwortenLöschen
  7. Gähn. F.R. = Schlaf- und Brechmittel gleichzeitig.

    AntwortenLöschen
  8. Dann legen Sie sich am besten umgehend in die stabile Seitenlage. Wäre doch schade, wenn Sie im Schlaf an Ihrem Erbrochenen ersticken!

    AntwortenLöschen
  9. jeder der fr hatet hat ganz einfach keine ahnung von musik und erst recht kein plan von hip hop. hört mal weiter kollega, haftbefehl oder bushido, das ist "echter" rap wa?^^ hat leider auch nichts mehr mit geschmack zutun.

    der typ ist realer als viele andere erfolgreiche vertreter dieses bizz's. ich fand jedes album seit vorsicht stufe gut von ihm und jedes einzelne ist anders vom feeling her. auch wenn seine stimme manchmal etwas hoch kommt und nicht wie die typische dunkle "rapstimme" ala bushido oder baba saad ist.. er rappt, und das gut. anders als der einheitsbrei da draußen, der seit aggro berlin versucht sinnlos kohle zu machen..

    wenn man keine ahnung hat oder haten will, einfach schnautze halten

    AntwortenLöschen
  10. Ich kann mich da nur dem über mir anschließen ;)

    AntwortenLöschen
  11. Oh wie süß, hat er zwei Kommentare hintereinander geschrieben, um sich selbst zuzustimmen, wie lachhaft.
    Und ob wir "Plan von HipHop haben" kannst du ja auch gar nicht beurteilen. Was man aber als Außenstehender beurteilen kann, ist, dass F.R. technisch einfach meilenweit zurück liegt. Seine Texte sind oftmals super kindisch, man bedenke nur diesen Track auf dem letzten Album, wo er die ganze Zeit nur Oxymora verwendet, Fremdschamfaktor 100. Und jeder Rapper, den du aufgezaählt hast, kann das, was dir wichtig zu sein scheint besser: Kollegah ist technisch oberste Niveau, ungleich besser als FR, Hafti erzeugt viel bessere Bilder, als FR es jemals tun könnte und Bushido hat es geschafft, sehr gut von seiner Musik zu leben und deutschen HipHop wie kaum ein anderer geprägt. Zum Schluss bleibt noch zu sagen, dass das FR´sche Storytelling keinesfalls aus der Masse heraussticht. Da sind ihm Leute wie Prezident oder auch Samy einfach Lichtjahre voraus.

    AntwortenLöschen
  12. Ich kann mir F.R. auch nicht viel anfangen, aber wenn Bushido den deutschen Hip Hop geprägt hat wie kein anderer, möchte ich nicht weiter Anhänger der Musikrichtung sein.

    AntwortenLöschen
  13. ich empfehle dir schlager, machs gut.

    (und ich bin weiss gott kein bushi-fan :D)

    AntwortenLöschen
  14. ach, und es gibt übrigens leute, deren horizont nicht zu eingeschränkt ist um nicht gleichzeitig freude an F.R. UND Kollegah-Tracks zu haben ;)

    AntwortenLöschen
  15. naja, ob mans mag oder nicht Bushido hat halt wirklich deutschen hiphop geprägt; hört euch doch mal die ganzen "streetrap" heinis an, die sind ja heutzutage quasi schon mit dem "vom bordstein bis zur skyline"-sound aufgewachsen... ob das jetzt gut oder schlecht ist sei mal dahingestellt... aber er hat nunmal viel aufmerksamkeit bekommen und darum auch viele nachahmer auf den plan gerufen bzw "inspiriert" auch so einen sound zu machen und auch solche "straßenraptexte" zu schreiben - achso deswegen hat bushido diesen stil in deutschland natürlich nicht erfunden ,aber er ist nunmal leider zum bekanntesten vertreter dieser zunft herangewachsen...

    achso hier gings ja um F.R. - 0-Nummer 'nuff said

    AntwortenLöschen
  16. Ich mochte ihn vor dem Stimmbruch lieber.

    AntwortenLöschen
  17. Immer dieses Gehate und das Vergleichen mit den Big five / aktuell besten / wem auch immer. Für die Qualität von F.R.s Platte ist es unwesentlich ob Haftbefehl bessere Bilder erzeugt (Ansichtssache, definitiv!), oder ob Bushido von seiner Musik leben kann. Von Leuten die nicht die selbe Meinung und Geschmack haben zu behaupten sie hätten keinerlei Ahnung von Hiphop ist genauso beliebt wie auch komplett behindert. Pusht lieber eure Favoriten, als hier solchen Scheiss zu fabrizieren. Ich schreibe auch unter keine Haftbefehlreview, dass ich jedesmal wenn ich sein Gesicht sehe oder schlimmer noch seine Musik hören muss am Guten im Menschen zweifle, um mal nicht vom Kotzen zu schreiben...

    AntwortenLöschen
  18. was mich wundert: Herr Merkt ist ja stets gegen diese englischen (Mode)Begriffe, die ins deutsche übernommen werden. Statt "Hook" schreibt er ja z. B. immer "Kehrvers". aber trotzdem schreibt er oben "SLASH" statt "Schrägstrich" oder einfach "/". wieso Herr Merkt?

    AntwortenLöschen
  19. Weil er sich eben manchmal in seiner eigenen Prätentiösität verfängt.

    AntwortenLöschen
  20. haha prezident du hurensohn
    musst dich auch immer selbst erwähnen und pushen wenn du andere rapper ''anonym'' beleidigst....fick deinen ''wichserrap'' ;)

    AntwortenLöschen
  21. @Anonym: Du musst gerade was von Schizophrenie schreiben, du bist doch offensichtlich derjenige mit einer multiple Persönlichkeitsstörung. Diskutierst hier die ganze Zeit mit dir selbst??

    AntwortenLöschen
  22. "... dass F.R. technisch einfach meilenweit zurück liegt. "

    Wer schreibt denn bitte sowas?
    F.R. ist ein technisch versierter Rapper. Inhaltlich hat er auch einiges zu bieten.
    Sowas kann man von einem Kollegah ja nicht unbedingt behaupten. Mag sein, dass er mal punchen kann und Doubletimes rappt, die nicht übel sind, aber dieses neue Video ist einfach nur sch***e. Und diese Autotunegejaule im Refrain ... zudem scheint er ja ständig das gleiche zu rappen (Kokaticker, Zuhälterboss, blablabla, ...).

    Aber es hat sowieso keinen Sinn zu diskutieren. Es endet nur wieder in H****sohn usw.
    ich denke die Zeit is woander besser investiert als bei einem Artikel, bei dem es eindeutig um F.R. geht, den ihr eindeutig nicht leiden könnt. Warum klickt ihr denn auf den Artikel? Das scheint mir doch leicht Paradox zu sein.

    F.R. Wird aufjedenfall ein gutes Album abliefern und fertig.

    AntwortenLöschen

Bitte kommentieren Sie die Beiträge mit dem Maße an Respekt gegenüber den Künstlern, das auch Ihnen entgegengebracht werden soll.
Kritik ist durchaus erwünscht, aber nur in einem angemessenen Ton und von konstruktiver Natur.
Sollten Sie sich nicht daran halten, wird die freie Kommentarfunktion demnächst eingestellt und Kommentare sind nur noch nach Registrierung möglich!