Poesiealbum: Kimoe

Bevor Kimoes audiovisuelle Umsetzung des Titels "Die Welt gehört dir" am 11.07.2011 auf laut.de Weltpremiere feiert, nahm sich der sympathische Künstler die Zeit, sich in mein Poesiealbum einzutragen.

Seit wann sind Sie am Mikrophon aktiv?
Meinen ersten Auftritt hatte ich 1997 in einem Jugendclub in Berlin-Pankow. Also seit gut 14 Jahren auf der Bühne.

Wann hat Ihnen der erste Hörer, der nicht aus Ihrem Freundeskreis stammt, Talent attestiert?
Puh … schwer zu sagen. Meine Anfänge sind ja verdammt lange her. Aber ich erinnere mich daran, dass ich mit Kumpels, das muss so 98-99 gewesen sein, am Hackeschen Markt gecyphert habe und einer der Jungs aus Quatsch plötzlich mit seiner Wollmütze durch die Menschentraube ging, die sich um uns gebildet hat und wir danach plötzlich genug Kohle hatten, dass wir danach alle was essen gegangen sind und für’s Bier hat’s auch gereicht. Damit waren ein Teil der wichtigsten Bedürfnisse damals vorerst gedeckt. Essen, Bier und Applaus für unsere Musik. Die Leute waren bereit, uns mit breit grinsenden Gesichtern ihr Geld in die Mütze zu schmeißen. Das würde ich jetzt mal als „unabhängiges Talent-Attest“ gelten lassen oder?

Welche Punchline eines Kollegen hätten Sie gerne selbst geschrieben?
„… streichelst mich mechanisch nur aus Pflichtgefühl“ von Herbert Grönemeyer. Mega Punshline! (lacht)
Hätte ich damals als Bengel nicht so gesehen. Aber später, als erwachsener Mann in einer langen Beziehung, hat es mir auf einmal den Magen umgedreht als ich die Textstelle zum 1.000 Mal gehört habe, aber diesmal bewusst wahrgenommen habe bzw. so weit war, sie überhaupt zu verstehen. Hätte ich einen Song zu dem Thema schreiben wollen, hätte ich es nicht treffender ausdrücken können.

Mit welchem Ihrer Tracks/Gastbeiträgen sind Sie aus heutiger Sicht am wenigsten zufrieden?
Fällt mir keiner ein. Ich überlege immer recht lange bevor ich was veröffentliche. Es gibt eigentlich keine Schnellschüsse von mir. Ab dem Moment, wo ich einen Song veröffentliche, wird das für mich zu einer „klaren Entscheidung“ somit gibt’s auch nichts zu bereuen. Das ist wie mit einem Tattoo. Wenn dir ganz klar ist warum du es stechen lässt, wirst du es nicht bereuen. Wenn du dir irgendeinen trendy Quatsch stechen lässt, ist vorprogrammiert, dass du es bereuen wirst.

Horrorszenario: Sie sterben einen plötzlichen unerwarteten Tod! Als welcher Rapper/Musiker werden Sie wiedergeboren?
Gar nicht als Musiker. Das Leben habe ich gelebt. Bin auch sehr zufrieden damit. Würde dann ein neues Leben ausprobieren wollen.

Was war die unangenehmste Frage, die Ihnen jemals in einem Interview gestellt wurde? Was war die Antwort?
Hatte ich noch nicht. Man müsste fast sagen „leider“. Weil ich es durchaus gut finde, wenn jemand auch mal kritische Fragen stellt. Ich habe selbst ein schlechtes Gefühl, wenn ich nach einem Interview nur zum hundertsten mal erklärt habe, wie ich zu meinem Namen komme und ob er eine tiefere Bedeutung hat. Das langweilt mich. Deswegen hab ich auch mit der Weile gelernt, Themen so umzulenken, dass ich am Ende sage, was mir auf der Seele brennt. Aber ich würde auch durchaus gerne mal überrascht werden.

Würden Sie zu Promo-Zwecken andere Rapper/Musiker öffentlich disrespektieren? Wenn ja, welche?
Eigentlich nicht. Wäre nicht meine Art.

Was ist die peinlichste Platte, die Sie sich jemals gekauft haben?
Man müsste wohl Vanilla Ice und Kriss Kross sagen. Aber da war ich 12 (und Kriss Kross waren da so alt wie ich, also in meinen Augen cool), also ist das eigentlich auch nicht peinlich, sondern eher ein Zeichen, dass mir die Art von Musik schon ziemlich früh zugesagt hat, egal ob sie im Kern nun besonders „real“ war oder nicht. Und ich sag’s mal mit Cora E‘s Worten „Es wäre heut nicht wie’s ist, wär’s damals nicht gewesen, wie’s war“. Hab halt am Anfang einen „kleinen Fluss“ gefunden, der mich letztendlich ans Meer gebracht hat.

Kaufen Sie Deutschrap-Platten? Falls nein: Warum erwarten Sie, dass ausgerechnet Ihr Album verkauft wird?
Ich kaufe tatsächlich selten Alben. Das liegt aber daran, dass es oft tatsächlich sehr „leichte Kost“ ist, die ich zuhause nicht brauche. Wenn mich was flashed kaufe ich es mir dann aber auch und lad es mir nicht irgendwo runter. Wenn ich überzeugt bin, dann richtig. Hatte auch Momente, dass ich von einem Konzert kam und mir danach alle 4 Alben des Künstlers gekauft habe.

Was motiviert Sie angesichts der momentanen Marktsituation, Ihre Rapkarriere fortzusetzen?
Musik hat im Kern nichts mit „einem Markt“ zu tun. Musik macht man, weil man es will, weil es seine Sprache ist, ein Mittel seinen Gedanken und Gefühlen Ausdruck zu geben. Da sind Musiker heutzutage etwas verwöhnt. Es gab auch früher z. B. massenhaft Rockbands, die Ewigkeiten „normale Jobs“ hatten wie Tischler, Schlosser, Zimmermann oder sonstwas. Die haben in der Woche hart gearbeitet und haben am Wochenende den Bus voll mit Equipment zugestopft um irgendwo zu spielen. Einfach weil sie spielen wollten. Und die mussten ihre Kohle erstmal in ihren Bandbus und das ganze Equipment investieren, in Gitarren, Schlagzeug etc. Und haben das auch gemacht. Weil sie es auch geil fanden, weil sie es einfach machen wollten. Heutzutage sind einige „Musiker“ erstmal solange arbeitslos, bis endlich der ersehnte Erfolg kommt. Die halten sich schon für einen Star, bevor sie einer sind. Wer investiert denn noch in die eigene Musik ohne zu denken, dass das alles ein Label machen müsste? Das ist übrigens auch ein Grund, warum Labels gar nicht mehr so oft Künstler signen. Weil sie wissen, dass sie die komplette Aufbauarbeit machen müssen und auch die ganze Kohle verbrennt, wenn „das Projekt“ scheitert. Mega Risiko. Künstler die sich über Jahre ihre Fanbase erarbeiten, sind da eine viel sichere Anlage. Außerdem haben sich diese Künstler bereits selbst gefunden und wissen was sie wollen. Sie wollen was sagen, etwas bewegen. Fazit: solange ich für mich das Gefühl habe, das Musik meine Sprache ist, der Weg etwas auszudrücken was sonst für mich ungesagt bleiben müsste, werde ich in dieser Sprache weiter sprechen.

Vielen Dank für die Aufmerksamkeit! ;)

Kommentare:

  1. Wird es Cypher oder Cipher geschrieben, Herr Merkt?

    Ich bin seit '98 unschlüssig.

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  2. Achja, ansonsten kann ich nur sagen: TLTR.

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  3. Ich kann nur sagen, du bist angekommen, toller Typ.

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