Favorite vs. KAAS: Das Duell (Review)

Am 06.05.2011 war es soweit: der Zweikampf von Selfmade Records' Favorite und Chimperators KAAS ging mit der Veröffentlichung der Alben "Christoph Alex" und "Liebe, Sex & Twilight Zone" in die heiße Phase. Auf der einen Seite präsentiert sich der Anarcho-Rapper, der sich durch unzählige politische Unkorrektheiten verbalinjuriert, auf der anderen Seite verbreitet Deutschraps Botschafter der Liebe Positivität. Dabei stehen die beiden antagonistischen Videoauskopplungen "Alle scheiße" (Favorite) und "Von mir geliebt" (KAAS) programmatisch für die inhaltliche Ausrichtung der jeweiligen Tonträger.

Auf Favorites "Christoph Alex" finden sich in der limitierten amazon-Ausgabe verteilt auf zwei CDs insgesamt 24 Anspielstationen mit Produktionen von Rizbo, Jimmy Ledrac, Rooq, Vizir Beats, Jerrycanists, Johnny Instruments, Zwieback, Spintec und Krizz Dallas. Darunter verstecken sich neben prototypischen Favorite-Knallern à la "Pyramide" mit einem glänzend aufgelegten Kollegah, dem Backstreet Boys-Tribut "All around", dem aufmüpfigen "Obama", dem mit eingängigem Kehrvers versehenen "Drunken Freestyle" und "Run Johnny run" mit Bass Sultan Hengzt & Orgi die persönlicheren Nummern "Nirvana", "Kalt" und "Gottlos", die ihrerseits drei Glanzlichter des Tonträgers markieren und den Rezensenten mit dem Wunsch nach tieferen Einblicken in die Persönlichkeit Favorites zurücklassen. Dieser Wunsch wird auch dadurch befeuert, dass die zwanghafte Anarcho-Haltung auf Albumlänge sporadisch vielmehr langweilt als schockiert. Als prominentes Beispiel hierfür sei die Videoauskopplung "F.A.V. 2011" genannt, die der erwachsenen Rezipientin / dem erwachsenen Rezipienten nicht mehr als ein beschämtes Lächeln entlocken dürfte. Dennoch bleibt zu vermerken, dass sich Favorite mit "Christoph Alex" qualitativ auf einer durchaus ansehnlichen Ebene bewegt.

Dem gegenüber steht KAAS' "Liebe, Sex & Twilight Zone" mit 21 Anspielstationen, die sich in zehn mehr oder minder klassisch orientierte Sprechgesangs- und elf Neunziger-Jahre-Eurodance-Titel unterteilen. Hierfür durften neben dem ausführenden Produzenten Dirty Dasmo auch Beatbauern wie 7Inch, Whizz Vienna, Flash Gordon, Vasee, Mikko Tamminen und Jopez ihre Produktionskünste auffahren. Gleichwenn sich der horizontal beschränkte HipHop-Kopf durch die erste Videoauskopplung "Von mir geliebt" und in besonderem Maße durch das Eurodance-Projekt Twilight Zone vor den Kopf gestoßen sieht, ist den verschiedenen Anspielstationen durchweg hohe handwerkliche Qualität zu attestieren. Während sich die elf Anspielstationen von Twilight Zone - allen voran das atmosphärisch ambivalente "Sweet Mango Summer", "Amelies Rhapsody", "Join the Love Movement" und "Der Chef der Bank" - kurzfristig in den Gehörgängen festsetzen und somit die ein oder andere Neunziger-Party aufwerten werden, ist den zehn Anspielstationen der klassischen Rap-Seite eine weitaus längere Halbwertszeit zu prognostizieren. Hier tun sich vor allem das im Kehrvers aggressive "Frau in Tansania", die Kamp/Casper-Kollaboration "Love vs. Hate", das mit wohl dosiertem Pathos ausgestattete "Vergeben und verzeihen" (mit Doreen) und der Geschichtenerzähler "Crips, Bloods & Hollywood" (mit Moe Mitchell) als qualitative Zugpferde hervor. Gleichwenn dem Tonträger auch eine Nummer wie "Alle Finger auf mich" oder "KAAS ist wie" gut zu Gesichte gestanden wäre, bleibt hier kaum ein Wunsch offen.

Gegenüberstellend bleibt dem wohlwollenden Rezensenten festzustellen, dass im subjektiven Vergleich Chimperators KAAS' "Liebe, Sex & Twilight Zone" im Vergleich zu Selfmade Records' Favorites "Christoph Alex" aufgrund der höheren thematischen Bandbreite die Nase vorne hat. Dennoch bleibt zu konstatieren, dass auch Favorite einen der besseren Tonträger der laufenden Spielzeit abliefert, so dass auch hier von einem Kauf in keinster Weise abzuraten ist. Doppelter Zugriff, meine Damen und Herren!

Kommentare:

  1. Alle Finger, nicht alle Augen, verehrter Herr Merkt...

    AntwortenLöschen
  2. Das ist natürlich korrekt. Ich habe es verbessert.

    AntwortenLöschen
  3. Wenn man schwul ist, macht das natürlich Sinn, das Kaas-Album als besser anzusehen.

    AntwortenLöschen
  4. Zu erwartende Bevorzugung von Kaas war zu erwarten...

    AntwortenLöschen
  5. Wenn es zu erwarten war, dann war es zu erwarten. Aber war es wirklich zu erwarten?

    AntwortenLöschen
  6. @ Anonym 1: Warum?

    AntwortenLöschen
  7. äh ich meinte @Anonym 2: Warum?

    AntwortenLöschen
  8. Wahrscheinlich ein Tippfehler, sollte wohl eher heißen: Wenn man open minded ist, macht das natürlich Sinn, das Kaas-Album als besser anzusehen.

    Gruß
    ein anderer Anonymus

    AntwortenLöschen
  9. Ja, wenn man open minded is MUSS man kaas mögen, wer kaas nicht magt, ist eigentlich schon nazi...

    hampelmänner

    AntwortenLöschen
  10. Kaas eher nicht so cool, klar 1-2 gute Songs sind drauf aber sonnst :/
    Für mich Fave eindeutiger Sieger =)

    AntwortenLöschen
  11. freue mich für kaas, dass er 39 gechartet ist...

    fast so sehr wie für faves #4 :)

    AntwortenLöschen
  12. Krass, wie Homophobie immer noch so dermaßen in HipHop-heads verankert ist, aber wieso auch nicht tut alles um das Klischee des ungebildeten HipHop-Proleten zu unterstreichen.

    @ Anonymus 2

    Kaas' Album hat für mich mehr inhaltliche Tiefe.

    AntwortenLöschen
  13. deine Mama hat mehr Tiefe.

    AntwortenLöschen
  14. Haha perfekt Antwort!

    AntwortenLöschen
  15. Seit wann treiben sich denn humorlose Vollidioten wie die letzen beiden Kommentatoren auf meinem Blog herum? Das war weder witzig noch kreativ und ist ein Armutszeugnis. Hiermit erteile ich Ihnen Blogverbot!

    AntwortenLöschen
  16. Ich habe mich der Ironie bedient, falls das nicht aufgefallen ist.

    AntwortenLöschen
  17. Achso. Dann dürfen Sie den Blog natürlich weiter besuchen. Der andere Kommentator bleibt aber bitte weg.

    AntwortenLöschen
  18. texta hat gewonnen!!!!!!!!!!!!!!!!!!

    AntwortenLöschen
  19. Jeder, der Faves Album durchgehört hat, und es nicht feiert, sollte sich mal ernsthaft Gedanken über sein Leben machen.

    AntwortenLöschen
  20. Hallo, ich heisse Anonym

    AntwortenLöschen
  21. Fav als Prototyp-Prolet auf voller Albumlänge gegen Kaas das Liebeskücken. Kaas is thematisch und abwechslungsreich aber weit unter seinen Möglichkeiten. FAV raptechnisch hervoragend aber 12 Tracks wären mehr als genug gewesen. Trotzdem sind beide Alben besser als das meiste was dieses Jahr die Ladebtheke überquert hat. Und da ehbald Caspers XOXO kommt sind diese Platten ganz pasabeles Methadon

    Gruß S

    AntwortenLöschen
  22. ich finde kommentare über anderer leute mütter grundsätzlich lustig und niveauvoll. ach so ja kaas-album doof, favorite nicht doof...

    AntwortenLöschen

Bitte kommentieren Sie die Beiträge mit dem Maße an Respekt gegenüber den Künstlern, das auch Ihnen entgegengebracht werden soll.
Kritik ist durchaus erwünscht, aber nur in einem angemessenen Ton und von konstruktiver Natur.
Sollten Sie sich nicht daran halten, wird die freie Kommentarfunktion demnächst eingestellt und Kommentare sind nur noch nach Registrierung möglich!