Herr Merkt spricht mit HipHop: Gossenboss mit Zett

Verehrte Leserinnen und Leser,
aufgrund seines außerordentlichen Erfolgs in Ihrem Deutschrap-Countdown war es nur eine Frage der Zeit, bis mir Dresdens Gossenboss mit Zett Rede und Antwort stehen würde. Passenderweise erschien dieser Tage zusätzlich die gemeinsam mit Monkay eingespielte EP "Scheiße braucht Zeit", die natürlich umgehend in den Themenkanon des nachfolgenden Interviews aufgenommen wurde. Lesen Sie selbst!

Guten Tag, der Herr. Warum haben Sie eigentlich eine Maske auf?
Das mit der Maske hat sich so ergeben. Zuerst gab's nur diese Mütze mit den aufgemalten Augen. Sie trat das erste Mal in Erscheinung, als wir auf einem großen deutschen HipHop-Festival waren und sorgte dort auch prompt für Stimmung und gute Laune. Später, als wir wieder zu Hause waren, brachte mir ein Kumpel diese sehr gut dazu passende rote Hassmaske mit und die habe ich dann mit der Mütze kombiniert. Am Anfang war das alles auch nur ein kleiner Spass, um nicht direkt erkannt zu werden. Mittlerweile bin ich aber sehr froh darüber, dass ich die Maske weiter auf allen Fotos und in allen Videos getragen habe und mein Gesicht nicht dauernd irgendwo zu sehen bekomme. Allerdings kann ich sie live leider nicht tragen, da das sonst Probleme beim Rappen mit sich bringen würde. Natürlich wirft das Ganze auch oft Fragen auf und wird oft mit der Maske von sido oder MF Doom verglichen, aber das ist mir egal. Ich feier meine Mask.

Besäßen Sie die Güte, an dieser Stelle eins, zwo Worte über Ihre musikalische Sozialisation verlieren? Was sind Ihre Einflüsse, seit wann sind Sie selbst am Tonabnehmer aktiv?
Meine sogenannte musikalische Laufbahn begann mit der Rapcrew Stupidozid, welche zu diesem Zeitpunkt aus den vier Rappern MDZ Hölle, Pfandthomas, KoolEric und mir bestand. Wir haben uns damals zum Ziel gesetzt, die schlechtesten Rapper Deutschlands zu werden und haben einfach angefangen, Musik zu machen und Texte zu schreiben. Das war so ungefähr vor 3-4 Jahren, wobei die Idee schon viel länger existiert.
Zeitgleich habe ich auch angefangen, aufzunehmen und Beats zu bauen. Als ich dann Cana kennen gelernt hab und immer öfter mit ihm Mucke gemacht hab, war er auf einmal auch Teil der Crew und wir haben alle zusammen "Müschband 3" bei mir zu Hause aufgenommen. In dieser Zeit hat sich Stupidozid zu einer sehr großen Gruppe an Musikern, Produzenten, Rappern und kreativen Köpfen gemausert und man kann somit in nächster Zeit auf viele verrückte Sachen aus unserer Richtung gespannt sein.
Ansonsten sind meine Einflüsse sehr stark durch meine Freunde und Kumpls geprägt, den Leuten mit denen ich Musik mache und abhänge. Ein sehr großer Einfluss sind natürlich auch die Reaktionen, die ich auf meine Lieder bekomme und alles was sonst noch so zu mir zurück kommt in Form von Kritik, Lob, Featureanfragen, Miß- oder Unverständnis.

Wie aus dem Nichts erschienen Sie im vergangenen Jahr mit Ihrem zweiten Tonträger "Mehrwegmusik" auf der Bildfläche. Hätten Sie mit einer derart umfangreichen Breitenwirkung des besagten Tonträgers im Vorfeld gerechnet?
Nein, nicht in der Form. Das Vorgängeralbum "Gossentherapie" wurde zwar in Dresden von einigen Leuten sehr gefeiert und somit war damit zu rechnen, dass es schon ein paar Fans gibt und eventuell auch andere, die an der Musik Interesse haben könnten. Aber ehrlich gesagt habe ich mir darüber nie Gedanken gemacht. Dass es viele Menschen gibt, die meine Musik hören und denen schlechter Rap zu gefallen scheint, ist für mich natürlich eine große Freude und bietet mir auch viel mehr Möglichkeiten als wenn ich meine Mucke nur für mich im stillen Kämmerchen machen würde.
Außerdem ist es auch sehr lustig, wenn einem aus ganz Deutschland Menschen schreiben, dass ihnen die Texte und die Beats seit langem mal wieder gefallen und sie sich sogar vorstellen könnten, das Ganze durch den Kauf einer CD zu unterstützen, auch wenn es sich dabei um schlechten Rap handelt. Bleibt abzuwarten, wie viele Leute dann wirklich beim nächsten Album eins kaufen?!

Seit wenigen Tagen ist nun auch Ihre gemeinsam mit Monkay eingespielte EP "Scheiße braucht Zeit" verfügbar. Was erwartet die potentielle Hörerin / den potentiellen Hörer auf diesem Tonträger? Was hat es mit dem Titel auf sich?
Es erwartet den/die Hörer/In eine kleine Auswahl der Lieder, die ich mit Monkay zusammen im vergangenen Jahr aufgenommen habe. Es ging dabei nie um irgendein Konzept oder 'nen roten Faden, sondern einfach um den Spass an der Sache. Wir haben irgedwann gedacht, man könnte ja eine kleine EP daraus machen und fingen an, die Lieder auszuwählen und fertig zu machen. Dabei ist uns aufgefallen, dass wir alles in verschiedenen Programmen, mit verschiedene Mikros, bei verschiedenen Leuten aufgenommen haben und somit hat das Ganze auch entsprechend lange gedauert und war ebenso nervig :).
Der Name hat irgendwie gepasst und mit der Zeit auch immer mehr Bedeutung bekommen. Ich hab' dann noch ein "Intro" und "Outro" gebastelt und mit Cana die Coverfotos gemacht und einen Tag später als geplant war dann alles fertig.

"Mehrwegmusik" und auch die neue EP "Scheiße braucht Zeit" standen den Konsumentinnen und Konsumenten als kostenfreie Kopiervorlagen zur Verfügung - folglich haben Sie mit diesen Tonträgern keinen Cent verdient. Wie hält sich ein Gossenboss in der darbenden Musikindustrie über Wasser?
Ich verdiene mit der Musik tatsächlich keinen Cent. Ich halte mich somit in der Musikindustrie eigentlich garnicht auf. Es hat sich bis jetzt aber auch einfach noch nicht ergeben beispielsweise ein Album wie "Mehrwegmusik" zu verkaufen. Sicherlich werde ich auch meine nächste Veröffentlichung für Geld anbieten, aber das ist alles noch nicht spruchreif bzw. muss ich dafür auch erstmal wieder neue Mucke machen. Auf Geld verdienen lag bei mir einfach auch noch nie der Fokus. Ich wollte schon immer nur machen, was ich will. Wer mir wirklich Geld geben möchte für meine Musik, der kann dies tun, indem er ein Shirt in unserem hoffentlich bald kommenden Shop bestellt.

Ihr Gesamtwerk ist durchzogen von Abfall- bzw. Abfallentsorgungsreferenzen. Inwiefern spielt Müll in Ihrem Leben eine zentrale Rolle?
Das Schöne und gleichzeitig Schreckliche an Müll ist, dass er die verschiedensten Formen annehmen kann. Beispielsweise Müll, der dir vorgaukelt glücklich zu sein in Form von alltäglichen Drogen, die jeder Mensch zu sich nimmt. Oder Müll, der dich dumm macht in Form von deinem Fernseher, der die ganze Zeit Müll auf dich ausstrahlt. Oder Müll, der in dir festsitzt und raus muss, aufgrund von schlechten Erfahrungen oder Ereignissen. Oder der Müll ,der dich einfach nur mal kurz zum Lachen bringt wie der Müll, den du mit deinen Freunden redest, wenn ihr euch freitags vor'm Feiern geh'n trefft. Der Müll, den ich also in meinen Texten anspreche, steht meistens im Kontext zu irgendetwas, was ich erlebt bzw. getan oder erfahren habe. Insofern spielt nicht wirklich der Müll als Müllhaufen oder im gelben Sack eine Rolle, sondern eher Müll als Stilmittel, um gewisse Sachen zu umschreiben.

Können Sie meinen Leserinnen und Lesern eventuell verraten, was für ein Mensch hinter dem Gossenboss steckt? Was sind Ihre Träume und Ängste?
Ich denke, ich verrate in meinen Texten genug über meine Träume und Ängste und man kann bei genauerem Hinhören schon einiges über mich erfahren, aber eben nicht alles und das ist auch gut so. Deswegen kann ich nur Jedem, der mehr über mich erfahren möchte, raten, hört euch die Texte genau an und benutzt euren gesunden Menschenverstand, um sie zu verstehen.
 
Eng mit Ihrem kometenhaften Aufstieg ist auch der Name Stupidozid verknüpft. Was hat es damit auf sich - Label oder Bewegung?
Wie oben schon angedeutet hat sich aus der gleichnamigen Rapcrew über die Zeit eine Art Bewegung gebildet und mittlerweile auch eine Art Label. Wobei man sagen muss, dass es sich dabei um eine völlig freundschaftliche Angelegenheit handelt. Es geht überhaupt nicht um Geld oder Verträge. Das Wort Label ist nur das, was alle damit verbinden. Unter dem Namen Stupidozid wirken Künstler wie Morast, Cana, Tee-K, Monkay und natürlich nicht zu vergessen die Blöhden onkelSZ. Es gibt noch einige Mitglieder und Verrückte in unserem Umfeld, aber diese alle aufzuzählen würde den Rahmen sprengen. Demnächst gibt es erstmal ein bisschen neue Musik und den Internetshop mit T-Shirts und einigen anderen SZ- und Gossenboss-Artikeln.

Abschließend darf ich Sie noch zu einem kurzen Assoziationsspiel einladen. Ich nenne Ihnen ein Wort und Sie geben ungefiltert wieder, was Ihnen spontan dazu einfällt.
Canabeatz? Ist der krasseste Musiker, den ich kenne und obendrein ein guter Freund!
MZEE? Keine Ahnung?! Ich kenn' die nicht und hab' nix mit den Jungs zu tun.
Abfallwirtschaft Dresden? Dazu fällt mir nix ein ;)
Pornodialoge? In 'nem Porno sollten keine Dialoge vorhanden sein!!! ( Jetzt finden mich wieder alle sexistisch :) )
Twitter? Folgt alle dem Gossenboss!!!

Vielen Dank für das Interview. Es steht Ihnen natürlich frei, ein paar letzte Worte an meine Leserinnen und Leser zu richten!
Ich grüße alle Leserinnen und Leser, die bei den Hörercharts für mich abgestimmt haben sowie alle Fans, Gossen und Kumpels aus Dresden und anderswo! Geht auf die Internetseite www.stupidozid.com, ladet euch unsere Alben runter und überprüft meinen YouTube-Kanal.
Danke ebenfalls für das interview, yör.

Kommentare:

  1. Liest sich gar nicht mal so antipathisch, was der Mensch da zu sagen hat. Vielen Dank auch für die Stromkastenpornoreferenz!

    AntwortenLöschen
  2. Die Frage nach seiner Maske (und "Pornodialoge" im Assoziationsspiel), die ich in dieser Form für eine Anspielung auf diesen legendären Schnipsel hielt: http://www.youtube.com/watch?v=ArCviutaipU

    Hmm... dachte, das wär' beabsichtigt gewesen.

    AntwortenLöschen
  3. jetzt weiß ich von dem Typen ganz viel was mich nicht interessiert. Warum müssen Nachwuchskünstler in ihren Interviews immer so viel reden/sagen... (denken die echt das interessiert uns)

    AntwortenLöschen
  4. Wenns dir Latte is, dann lies es doch gar nicht erst, ist gutes Wetter ;-)

    AntwortenLöschen

Bitte kommentieren Sie die Beiträge mit dem Maße an Respekt gegenüber den Künstlern, das auch Ihnen entgegengebracht werden soll.
Kritik ist durchaus erwünscht, aber nur in einem angemessenen Ton und von konstruktiver Natur.
Sollten Sie sich nicht daran halten, wird die freie Kommentarfunktion demnächst eingestellt und Kommentare sind nur noch nach Registrierung möglich!