Herr Merkt spricht mit HipHop: MontanaMax & Shiml

Angesichts ihrer umjubelten Gemeinschaftsbemühung "Generation Null" war es nur noch eine Frage der Zeit, bevor sich MontanaMax & Shiml den kompetenten Fragen Ihres Lieblingsbloggers stellten. Lesen Sie selbst, was Ihnen die beiden Zeremonienmeister zu erzählen haben!

Es grüße Sie Gott. Wie ist das Befinden, nachdem Sie nun bereits einige Tage auf die Veröffentlichung von "Generation Null" zurückblicken dürfen? Sind Sie mit der bisherigen Resonanz zufrieden?
Max: Es ist irgendwie ein total komisches Gefühl. Wir haben so lange und so intensiv an der Scheibe gearbeitet, dass es auf der einen Seite zwar ein schönes Gefühl ist, es endlich den Fans zeigen zu können, auf der anderen Seite ist es irgendwie traurig, dass die Produktion nun vorbei ist. Es war zwar sehr anstrengend, aber diese langen Tage und Nächte im Studio zusammen sind schon immer eine coole Zeit und schweißen extrem zusammen.
Shiml: Die Resonanzen auf das Album sind richtig krass. Uns war zwar schon klar, dass es ein viel kompletteres und musikalischeres Album ist als unsere letzten, aber man weiß ja nie genau, ob die Fachpresse oder auch die Fans das wirklich merken und akzeptieren. Wir sind extrem glücklich, dass es so positiv aufgenommen wird und es zeigt uns, dass sich die Arbeit echt gelohnt hat.

Die Chemie stimmt. Warum mussten Ihre Anhängerinnen und Anhänger so lange auf ein gemeinsames Lebenszeichen warten?
Max: Geplant haben wir das ganze Ding ja schon eine ganze Weile, aber es ist einfach immer etwas dazwischen gekommen. Beide Labels, bei denen wir Solo unter Vertrag standen, haben irgendwie nicht richtig daran geglaubt, dass die wahre Magie in der Kombination unserer beiden Stile liegt. Wir haben aber auch nicht wirklich versucht, ein Kollaboalbum durchzudrücken, sonst hätte das sicherlich auch geklappt. Wir wollten uns auch einfach ein bisschen Solo probieren und bringen jetzt beide eine Menge an Erfahrungen mit ins Studio, aus denen wir voll schöpfen können.
Shiml: Ja es ist extrem viel passiert in der Zwischenzeit. Umso krasser ist der Unterschied, wenn man das jetzige Album mit unserem letzten Kollaboding vergleicht. Die komplette Perfektion in der Scheibe höre ich jedes Mal raus, wenn ich sie anhöre. Ich schätze, es hat diesen Reifeprozess gebraucht.

Nach Shimls absehbarem Abschied von Selfmade Records erschien Ihr Kollaborationsprojekt "Generation Null" zu meiner Überraschung dann doch wieder über Selfmade. Warum?
Max: Warum denn nicht? Alle haben sich ja damals im Guten getrennt und wir haben das Album ja komplett so gemacht wie wir es wollten und das Label am Ende vor vollendete Tatsachen gestellt. Beide Seiten hatten Bock drauf, also haben wir es gemacht. Wir wollen einfach nur unsere Musik raus bringen. Was dann am Ende hinten auf der CD für ein Logo ist, ist uns gar nicht so wichtig. Außerdem ist Selfmade eine Top-Adresse und es ist für beide Seiten sehr cool gelaufen.
Shiml: Genau. Wir sind ja cool miteinander. Was die Zukunft bringt, wird man sehen. Es ist jetzt nicht so, dass wir jetzt irgendwelche Deals für die Ewigkeit geschlossen haben. Es ist eher so gewesen, dass wir das Ding zu 100 Prozent so fertig gemacht haben, wie wir es wollten und damit hausieren gegangen sind. Umso besser, dass so ein gutes Label die Platte gut fand und raus gebracht hat.

"Generation Null" vermittelt von der ersten bis zur letzten Minute Bodenständigkeit ohne überzeichnete Gimmicks. Ist diese Herangehensweise in der Spielzeit 2010 überhaupt noch zeitgemäß?
Shiml: Es hat etwas gebraucht zu begreifen, dass Musik die man gut findet, nicht automatisch die Musik sein muss, die man macht. Das wird einen auf kurz oder lang auch keiner abnehmen. Ich finde man merkt komplett, wer in seinen Texten echt ist. Und ich finde, dass man das auch der Platte anmerkt. Das sind 100 Prozent Max und Jan. Vor allem, dass unsere Freunde das merken und sagen, bedeutet uns sehr viel.
Max: Ich glaube, so eine Herangehensweise ist sogar zeitgemäßer als jemals zuvor. Der Markt ist einfach überschwemmt von Künstlern mit verschiedensten Images, so dass es sicherlich eine Menge Leute gibt, die das satt haben und einfach wie in den 90ern guten Rap hören wollen, ohne die ganze Zeit daran erinnert zu werden wie man als Hörer die Texte nun einzusortieren hat, weil der Künstler nun mal dieses oder jenes Image vertritt. Außerdem würde es mich als Künstler enorm einschränken. Wir haben uns für die Produktion nur einen Satz als Leitfaden auf den Zettel geschrieben: "Sei einfach du selbst."

Das Album wurde ausschließlich von The Gunna produziert. Zu welchem Zeitpunkt im Produktionsprozess fiel die Entscheidung, mit nur einem Produzenten zusammen zu arbeiten? Wie darf sich die Leserin / der Leser diese Zusammenarbeit vorstellen.
Shiml: Uns war es wichtig, dass es am Ende plausibel und einsträngig klingt, ohne monoton zu werden. Dafür ist so ein Produzent schon sehr wichtig. Als wir Gunna dann einmal im Studio hatten, war klar dass alles passt und wir haben ihn das ganze Album durchknechten lassen (lacht). Nein, also das war schon echt ein Glücksgriff. Gunna versteht es wirklich, Leuten Dinge nach Maß zu schneidern.
Max: Unser erstes Kollaboalbum "Nach uns der Rest" wurde damals ja komplett von MixChris produziert, der uns zu der damaligen Zeit mit seinen Sound enorm geprägt hat und so gesehen für den typischen "MontanaMax & Shiml"-Sound verantwortlich war. Ein solch typisches Soundbild wollten wir gerne wieder schaffen. Gerade auch aus dem Grund, dass wir neue Sachen probieren wollten und es mit verschiedenen Produzenten sicherlich schwer geworden wäre, das alles homogen klingen zu lassen. Wir haben The Gunna aber anfangs nicht damit überfallen und gesagt "Mach mal das ganze Album", sondern haben uns langsam rangetastet. Wir hatten ja vor diesem Album nie zusammen gearbeitet und wir mussten erstmal sehen, ob die Chemie stimmt.

Das HipHop-Album schrumpft sich wieder gesund. So enthält auch "Generation Null" nur zwölf Anspielstationen ohne Übersprungskandidaten. Obwohl Sie es offensichtlich besser gemacht haben, würde mich interessieren, warum Sie glauben, dass manche Kolleginnen und Kollegen eine derartige Inflation der Anspielstationen herbei führten?
Max: Ich mag es einfach nicht, wenn sich Sachen sinnlos wiederholen und man das Gefühl bekommt, dass man den gleichen Song doch eben schon mit einem anderen Instrumental gehört hat. Klar gibt es Künstler, wie zum Beispiel Kollegah, von denen ich eigentlich auch nichts anderes hören möchte als die sich ständig wiederholenden Zuhälter-Tales, aber für das, was wir uns als Ziel gesetzt haben, war es einfach wichtig, das Album kurz und bündig zu halten.
Shiml: Ausserdem kann man so was ja auch nicht immer nur auf die Anzahl der Tracks runter brechen. Es sind ja wirklich 12 komplette Songs. Kein typisches "Intro" oder "Outro" oder so was in der Art. Wir hätten auch einfach noch 4 Skits machen können und alle hätten gesagt: "Geil, 16 Songs auf dem Album." Das wollten wir aber halt einfach nicht. Am Ende sind es 45 Minuten Musik. Nicht mehr und nicht weniger.

Auf "Generation Null" findet sich in Form von Marsimoto, Too Strong und Flipstar eine Reihe erlesener Gäste. Wie konnten Sie diese illustre Schar auf Ihrer Platte versammeln? Wie kamen die Kontakte zu den Künstlern zustande?
Max: Ich kenne Marten schon ein paar Jahre und hätte eigentlich schon immer gerne einen Song mit ihm gemacht, weil ich ihn als Künstler und Menschen sehr schätze. Ich wollte ihn dann aber nach seinem Signing bei FOUR nicht mehr fragen, da ich nicht wollte, dass es so aussieht, als ob ich nur seinen Namen für den Fame einsammeln möchte. Wir haben uns dann im Sommer ein paar Mal gesehen und letztendlich war es dann seine Idee mal einen Song zu machen. Da haben wir natürlich nicht nein gesagt.
Und Flipstar ist für mich einfach einer der krassesten MCs aller Zeiten. Ich bin ein riesen Fan und habe mir somit endlich einen Traum erfüllen können. Wir kannten uns über Elvir (Slick One) ja auch schon ein paar Jahre und nun hat es endlich geklappt. Als ich den Part das erste Mal gehört habe, hatte ich so krasse Gänsehaut. Auf den Song sind Shiml und ich sehr stolz.
Shiml: Eigentlich entstand die Idee zu dem Too Strong/Flip Featuresong schon vor 1-2 Jahren im Urlaub, als wir uns gefragt haben, mit wem man eigentlich mal wirklich gerne einen Song machen würde. Too Strong waren in meiner Jugend immer eine Größe. Umso krasser war es, als der Lange mich dann auf einer Jam auf unsere Musik ansprach. Es sind einfach unfassbar nette und gute Jungs. Auch Flipstar. Es ist wirklich einer der Songs, auf die ich stolz bin, wie auf kaum einen anderen. Man kann sagen ein Jugendtraum.

Ihr Album versprüht eine Menge Energie. Werden Sie das Werk auch im Rahmen einer Konzertreise auf die großen Bühnen dieser Nation bringen? Das Potential für einen Live-Abriss wäre schließlich vorhanden.
Shiml: Stimmt. Das hat man auch auf der Releaseparty gemerkt. Der Sound ist sehr frisch. Wir haben viele neue, aber auch alte Fans gesehen, die wir auf jeden Fall überzeugt haben. Das Set ist super und ich hoffe, dass viele Veranstalter sich überzeugen lassen.
Max: Wir sind gerade dabei ein paar Dates zu planen. Wir spielen am 07.01.2011 zum Beispiel in Köln im Underground. Zusammen mit dem wunderbaren Olson Rough. Wir müssen die Leute (und auch die Veranstalter) erst einmal wieder von uns und unserem neuen Stil überzeugen. Im Sommer hoffen wir, ein paar Festivals mitnehmen zu können. Wir haben auf jeden Fall extrem Bock, die Platte live zu spielen.

Gestatten Sie mir, Sie zuletzt zu einem Assoziationsspiel einzuladen. Ich nenne Ihnen ein Wort und Sie schreiben spontan nieder, was Ihnen dazu einfällt.

Kollegah
Max: ...bringt hoffentlich bald mal wieder ein richtiges Album raus.
Shiml: Ich hoffe auf eine zweite Karrierelaufbahn als Amirapper! Das wird der Wahnsinn!

Casper
Max: ...wird 2011 die deutsche Rapszene grundlegend verändern. Believe the hype.
Shiml: Bester! Hoffe, das Album kommt bald. Ich denke es wird ein großes Stück Musik!

Kraftklub
Max: Fand ich am Anfang nicht so super. Finde ich jetzt aber doch ziemlich super. Dauert manchmal ein bisschen bei mir so was.
Shiml: Ups…Hab’ ich da wieder was verpennt? Sollte dringend mehr über Musik lesen!

Facebook
Max: Genau mein Ding.
Shiml: Nervig, aber anscheinend notwendig.

2011
Max: Werde ich wahrscheinlich mit einen handfesten Kater beginnen.
Shiml: Silvester? Da war doch 2006 mal was.



Guten Rutsch!

Hiermit bedanke ich mich für das Gespräch und wünsche Ihnen viel Erfolg bei all Ihren weiteren Vorhaben!

Kommentare:

  1. Was soll man zu den beiden noch groß sagen, sind einfach dufte Jungs und haben ein richtig tolles Album fabriziert.

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