Herr Merkt spricht mit HipHop: FiST & MAXAT

Verehrte Leserinnen und Leser,
anlässlich der Veröffentlichung ihres Albums "Ohne Worte" hatte ich die Möglichkeit, FiST & MAXAT die ein oder andere (kritische) Frage zu stellen. Lesen und beurteilen Sie selbst, wie sich die beiden Nachwuchskräfte dabei schlugen.

Guten Tag, die Herren. Ich freue mich, dass Sie sich die Zeit nehmen, sich und Ihre Kunst vorzustellen. Wären Sie so freundlich, Ihre bisherigen musikalischen Werdegänge für die Unwissenden unter meinen Leserinnen und Lesern kurz zu skizzieren?
FiST: Guten Tag, Herr Merkt! Vielen Dank für Ihre Bereitschaft uns zu interviewen. Mein Name ist FiST, ich bin 24, wohne nun in Bielefeld. Ich gehöre der Crew Earshot Muzik an, welche aus kaynbock, SherlokOne und mir besteht. 2009 erschien ein Kollabo-Album mit kaynBock namens „Warum so ernst?!“, sowie ein Solo Mixtape mit dem wohlklingenden Namen „Das Game wird geFiSTet ihr Ottos“. [lacht]
MAXAT: Maxim, 29 und Single. Spaß! Ich bin Maxat wohne in Paderborn, gebürtig bin ich aus Kirgistan. Ich hab keine Crew. Mein erstes Release war ein Mixtape mit dem Namen "Kinderkakke", welches 2008 als Free Download raus kam. Danach, 2009, kam mein Soloalbum „ZVFD - Zu viel für Deutschland". Zwischendurch machte ich einige Features mit einigen Künstlern. Manchmal rappe und singe ich auch auf Russisch.

Nach diversen getrennten Projekten mit gegenseitigen Gastversen erschien Ende 2010 Ihr gemeinsames Album "Ohne Worte". Wann und warum wurde der Entschluss zu diesem Gemeinschaftsprojekt gefasst?
MAXAT: Wann genau kann ich nicht sagen, es muss aber vor 2010 gewesen sein. In der ersten Januarwoche 2010 hatten wir beide frei und FiST war die ganze Woche bei mir. In dieser ersten Woche haben wir dann direkt die ersten Songs geschrieben und aufgenommen. Sprich: so richtig hingesetzt und Gedanken gemacht oder ein Konzept haben wir vorher nicht ausgearbeitet. Das war wirklich so: „Komm, lass Album machen!“ Und wir haben eins gemacht. Ich wusste schon von vorn herein, dass das was wird, weil's einfach von erster Sekunde an zwischenmenschlich und musikalisch gepasst hat.
FiST: Das war wirklich alles spontan aus dem Bauch heraus. Erst wollten wir in unserer freien Zeit einfach ein paar Songs machen, dann eine EP, aber als alles so gut und schnell gelaufen ist, haben wir uns dann zum Glück entschieden, ein richtiges Album zusammen zu machen.

"Ohne Worte" erschien unter der Schirmherrschaft von Earshot Muzik und Optik Russia. Maxat, was hat es mit Optik Russia auf sich und inwiefern steht / stand das Label im Zusammenhang mit Kool Savas' eingestelltem Optik Records?
MAXAT: Optik Russia ist ein Kind von Kool Savas und I.G.O.R. Es gibt immer noch Leute, die glauben, es sei ein Label. Dem ist nicht so. Bisher war es nur ein Movement, doch es sind aktuell Pläne in der Schmiede, es als Label aufzuziehen. Der erste Sampler "NEW RUSSIAN STANDARD" ist unglaublich eingeschlagen und hat gezeigt, dass dieses Movement nun mittlerweile weltweit Thema ist unter den russischsprachigen Raphörern. Dazwischen ist jetzt schon einige Zeit vergangen und es gab unendlich viele Diskussionen, Beefs und Auseinandersetzungen unter den Künstlern, die damals auf dem Sampler vertreten waren. Langsam hat sich der Sturm gelegt und nun ist eine Fortsetzung geplant. Wie Igor zu mir selbst sagte, hat sich das ganze Gemetzel als eine Spreu vom Weizen – Trennphase entpuppt. Ich will jetzt nicht zu weit ausschweifen. Wer auf dem zweiten Sampler vertreten sein wird können wir schon grob sagen: I.G.O.R, Maxat und Schokk. Dieses Dreigestirn sind für mich momentan die drei Hauptsäulen von Optik Russia, alles weitere wird sich nach und nach um diese Säulen drum rum aufbauen. Im Laufe das Jahres 2011 wird sich der Nebel nach und nach legen, also Ohren und Augen aufhalten, Leute!

Auf meinem persönlichen Favoriten "Interessiert mich [ ], interessiert mich nicht [x]" zelebrieren Sie die Ignoranz. Was hebt Sie Ihrer Meinung nach von der Masse ab, so dass meine Leserinnen und Leser bezüglich der Namen FiST und Maxat ein Kreuz bei "interessiert mich" setzen sollten? Wie würden Sie "Ohne Worte" für meine Leserinnen und Leser charakterisieren? Für welche Stimmungslagen erachten Sie das Album als geeignet?
FiST: Sich selbst oder besser gesagt die eigene Wirkung auf Außenstehende richtig einzuschätzen, ist natürlich immer ein wenig schwierig, aber ich werd's mal versuchen. Also nach dem bisherigen Feedback zu „Ohne Worte“ würde ich behaupten, meinen Hörern gefällt an meiner Musik besonders, dass ich auf meinen Songs nicht 100 Mütter und Freundinnen verschiedener Rapper „ficke“. Außerdem wurden auch häufiger meine Art von Humor und meine nicht sofort durchschaubaren „Punchlines“ positiv erwähnt. Diese Meinungen unterstreiche ich einfach mal und bin vollkommen zufrieden damit. Jeder der auf selbstironisches Entertainment mit dem gewissen Wortwitz, sowie auf wirkliche Songs anstatt hingerotzte Tracks steht, kann „interessiert mich“ ankreuzen wenn Maxat und FiST irgendwo draufsteht. [lacht] Außerdem werden Flow-Fanatiker und Leute, die auf Gesangseinlagen mit rauchiger dreckiger Stimme stehen, auf dem Album auch gut bedient.
MAXAT: Ich erachte das Album für viele Stimmungen als geeignet. „Parkplatz“ ist zum Beispiel ein Parkplatz-Hit! Ich kann mir gut vorstellen, dass „Knutschen“ kommenden Sommer auf der einen oder anderen Abiparty laufen wird. „Ohne Worte“ ist vom Soundbild einfach so krass, dass ich ihn immer noch im Auto auf meiner dicken Anlage pumpe, weil dann alle Leute, die mit an der Ampel stehen, was von haben und mit nicken. Einfach geil! Ich finde schon, dass wir ein sehr rundes Album für den Deutschrap-Konsumenten gemacht haben. Man! Was stinkt hier so!? Ah, Eigenlob! [lacht]
FiST: Uhaa..wie eine Brise frischer Gülle! Aber wo du Recht hast… [lacht]

FiST, bereits bei Ihrem ersten größeren Auftritt mit "Warum so ernst?!" wussten Sie Gastbeiträge von Casper und KAAS auf Ihrer Haben-Seite. Gleichwenn beide Künstler zu jenem Zeitpunkt sicherlich noch nicht den Status hatten, den Sie heute haben, waren diese beiden Gastauftritte für einen Einstand auf Albumlänge durchaus respektabel. Wie konnten Sie seinerzeit die beiden Künstler für Ihre Zwecke gewinnen?
FiST: Da kaynBock den Casper schon länger persönlich kannte, hat er einfach mal nachgefragt und Casper hat freundlicher Weise sofort zugesagt und uns diesen hammer Part auf's Album geklatscht. Das war wirklich ne super Sache und dafür bin ich ihm auch sehr dankbar, weil kay und ich bis dahin ja wirklich noch fast völlig unbekannt waren. Der Song mit Kaas war einfach ein Remix von einer Zusammenarbeit zwischen Kaas und Agent A, welchen wir persönlich kennen. War alles sehr cool für kay und mich und die Songs mit beiden bekannten Interpreten sind bei den Leuten auch super angekommen.

Für "Ohne Worte" nahmen Sie als prominentestes Feature auf "Arroganz Hoch Zehn" die Dienste Rockstahs in Anspruch. Denken Sie, dass Rockstah in zwei Jahren dort steht, wo Casper und KAAS heute stehen?
FiST: Ich bin kein Hellseher, aber denke, dass der Rockstah schon auf einem sehr guten Weg ist eine große Nummer zu werden. Ob er jetzt in zwei Jahren so bekannt oder beliebt wie Casper und Kaas sein wird, bleibt abzuwarten. Ich würde es ihm natürlich gönnen! Sein Album „Nerdrevolution“ ist auch wirklich ein innovatives und frisches Release und wenn sein nächstes Projekt auf einem ähnlich qualitativen Level ist oder es sogar überschreitet, wird der junge Herr sicherlich eine Menge weiterer Nerd-Rekruten für sich gewinnen können. [lacht]
MAXAT: Als Rockstah das Feature für uns aufnahm, war "Nerdrevolution" nicht mal offiziell angekündigt. Den Level, den er jetzt erreicht hat und wohin er sich entwickelt, habe ich mir für ihn gewünscht. Geht nicht um den Style, um die Idee, oder darum dass er anders ist, sondern der Junge hat was, was mir von Anfang an gesagt hat, er wird’s weit bringen. Es ist einfach die Art wie er Musik macht. Und außerdem heißt er Max![lacht]
FiST: Mein Bruder heißt auch Max, das sind alles gute Jungs die Maxes! [lacht]

Sowohl "Warum so ernst?“, als auch "Ohne Worte" erschienen als kommerzielle Veröffentlichung und nicht als kostenfreier Download. Eine mutige Entscheidung, wenn man bedenkt, dass viele Menschen nicht einmal mehr CDs von jenen Künstlern kaufen, die sie aus den Massenmedien kennen. Warum gehen Sie wiederholt das finanzielle Risiko einer kommerziellen Veröffentlichung ein? Behindert der kommerzielle Charakter Ihrer Veröffentlichung nicht vielmehr die Verbreitung des Wortes? Verstehen Sie mich an dieser Stelle bitte nicht falsch: ich bin sehr wohl der Meinung, dass man für Musik bezahlen sollte. Allerdings kann ich mir nicht vorstellen, dass sich kommerzielle Veröffentlichungen unterhalb eines gewissen Statuses finanziell und / oder karrieretechnisch rechnen!
FiST: Also da wir kein hohes finanzielles Risiko eingehen, sehe ich das Ganze ziemlich locker. Mit einer limitierten Auflage von 500 CDs sind wir denke ich recht realistisch an die Sache herangetreten und überschätzen da keineswegs unsere Kompetenzen. [lacht] Außerdem veröffentlichen Maxat und ich unsere Musik ja nicht nur auf kommerziellem Weg. Wir haben 2010 und nun zu Beginn 2011 ja auch viele Sampler-Beiträge oder Exklusives zum Download bereit gestellt. Außerdem wird es von uns in naher Zukunft auch eine Maxi-EP zum "Ohne Worte"-Album als kostenlosen Download geben. Also halten sich kommerzielle und kostenlose Veröffentlichungen bei uns schon die Waage und wir kommen den Leuten, die unsere Musik mögen, ein Stück weit entgegen. Ob dieses Vorgehen nun aus Promotion-Sicht, die klügste ist, kann ich nicht sagen, da ich kein Fachmann in diesem Bereich bin, aber meiner Meinung nach kann man zum Beispiel an einer kommerziellen Veröffentlichung auch immer wieder seinen Status und seine Relevanz überprüfen. Wenn Leute in der heutigen Zeit für meine/unsere Musik noch Geld bezahlen, weiß man sozusagen ganz nüchtern betrachtet, wo man steht. Da dies bei uns mit aufsteigender Tendenz der Fall ist, sind wir ganz zufrieden und machen weiter wie bisher. Ein gewisser Lohn für die Arbeit und Zeit welche man in die Projekte steckt, ist natürlich auch einfach eine gute und faire Sache. Also an dieser Stelle vielen Dank an alle Menschen die für Musik noch Geld ausgeben!

Ihr Album "Ohne Worte" ist auch eine Woche nach der Veröffentlichung noch nicht als illegaler Download verfügbar. Freuen Sie sich über die Ehrlichkeit Ihrer Anhängerinnen und Anhänger oder machen Sie sich so langsam Gedanken über Ihre Relevanz? Schließlich philosophierte der weise Großmeister Snoop Dogg einst, man müsse sich vor allem dann Gedanken machen, wenn die eigenen Werke nicht mehr schwarzkopiert werden!
FiST: Lieber Herr Merkt, zum Thema Relevanz: Ich denke nicht, dass Sie irrelevanten Künstlern auf Ihrem Blog eine Plattform bieten würden oder? [lacht] Das hoffe ich einfach mal. [lacht] Jetzt fühle ich mich gerade beinahe wie ein Gast in der Polittalkshow „Hart aber fair“. Nein Spaß beiseite, bis jetzt sind unsere bisherigen Releases ja auch auf den illegalen Downloadportalen gelandet und somit ist es sicherlich nur eine Frage der Zeit bis es „Ohne Worte“ genauso ergeht. Den Käufern bin ich natürlich sehr dankbar für ihre Anständigkeit und selbige wird ja bald mit einer wahnsinnig tollen kostenlosen Maxi-EP belohnt. ;)
MAXAT: Das Album stand noch am Releasetag bereits illegal zum Download! So viel zum Thema! Und zwar habe ich es auf einer russischen Trackerseite und bereits auf paar anderen Piratenseiten in Russland entdeckt. Das sind Seiten, die in keiner Suchmaschine aufgeführt werden, die aber alle Russen, die bisschen Plan haben, kennen. Und ich habe viele russische Hörer. Es hat absolut keinen Sinn, dagegen vor zu gehen, wäre auch schwachsinnig. Ich habe nichts dagegen, dass mein Album so 500 - 1000 mal am Tag runter geladen wird. Und das Publikum in Russland ist um ein zehnfaches, wenn nicht zwanzigfaches größer als in Deutschland.

"Ohne Worte" ist noch jung, dennoch haben Sie sich sicherlich bereits Gedanken über Ihre künstlerische Zukunft gemacht. Was dürfen Ihre Anhängerinnen und Anhänger in den kommenden Wochen und Monaten von Ihnen erwarten?
FiST: Bei mir stehen noch einige Sampler-Beiträge, ein weiteres Projekt mit kaynBock, einige Features, vielleicht eine kleine Free-Solo-EP und mein Solo-Debütalbum an. Ich freue mich auf 2011 und die bisherigen positiven Resonanzen auf „Ohne Worte“ motivieren mich wirklich genau hier anzuschließen und weiter zu versuchen gute Musik zu machen.
MAXAT: Bei mir steht noch nix konkretes fest. Also ich werde 2011 auf jeden Fall was releasen, das kann ich 100% sagen. Was genau und wie groß der Stil wird, kann ich noch nicht sagen. Das wird sich alles jetzt in den ersten Monaten klären.

Abschließend hätte ich noch ein wunderbares Assoziationsspiel für Sie vorgesehen. Ich nenne ein Wort und Sie äußern sich spontan dazu, was Sie mit diesem Wort verbinden!
Seryoga 
FiST: ?
MAXAT: Was der wohl grad macht?

Optik Schweiz
FiST: Wer hatz erfunden?
MAXAT: Lang nix mehr gehört.

Otto 
FiST: Ist ein wunderbarer Name [lacht]
MAXAT: Bester Typ!

Nerdrevolution
FiST: Der Rest is’ Ed Hardy!
MAXAT: Herr Merkt feiert Rockstah!

Pantomime 
FiST: Ohne Worte
MAXAT: -

Ich bedanke mich für das Gespräch und wünsche Ihnen viel Erfolg für Ihre weiteren Vorhaben. Möchten Sie meine Anhängerinnen und Anhänger noch mit ein paar abschließenden Worten adressieren?
FiST: Ich bedanke mich für Ihr Interesse an unseren Personen und dieses für Ihre Anhängerinnen und Anhänger hoffentlich informative und interessante Gespräch. Wer Lust hat, checkt meine brandneue Internetadresse www.fist-music.de, auf welcher es auch das "Ohne Worte"-Album zu bestellen gibt. Ansonsten wünschen wir allen ein erfolgreiches und glückliches Jahr 2011.
MAXAT: Prost ihr Säcke!

1 Kommentar:

  1. geiles Interview! Maxat und fist müssten mal wieder was zusammen machen, war ein geiles ding.. Oooohne worte. Album liegt bei mir iwo im Schrank müsst ich mal wieder auskramen

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