Herr Merkt spricht mit HipHop: Flo Mega

Anlässlich der baldigen Vinyl-Veröffentlichung der EP "Filmriss" ließ ich es mir natürlich nicht nehmen, ein ausführliches Interview mit Flo Mega zu führen. Freundlicherweise haben Four Music in diesem Kontext zwei EPs im CD-Format zur Verlosung bereit gestellt. Alles was Sie dafür tun müssen ist, dieses Interview bei Twitter oder Facebook wie folgt zu teilen:

Flo Mega im Interview über "Filmriss". http://bit.ly/h1bBSt @HerrMerkt @MrFloMega @fourmusicberlin

Einen Beleglink schicken Sie mitsamt Ihrer Adresse bis zum 31.12.2010 mit dem Betreff "Flo Mega Gewinnspiel" an: herr.merkt@googlemail.com

Guten Tag, der Herr. Es freut mich sehr, dass Sie sich die Zeit dazu nehmen, meine Fragen zu beantworten. Da zu befürchten steht, dass Sie einer Vielzahl meiner Leser noch kein Begriff sind, würde ich Sie eingangs gerne darum bitten, sich kurz vorzustellen!
Mein Name ist Florian (Flo Mega), 31 Jahre alt und meine Aufgabe ist es, seit den frühen Kindertagen zu improvisieren. Ich entstamme nicht aus einer Zirkusfamilie oder ähnlich, habe jedoch im Alter von fünf Jahren bereits meinen Hang zur Musik entdeckt, die ich allerdings aus Prinzip niemals professionalisiert habe. Viele Jahre lang, genauer gesagt von 1995 bis ungefähr 2006, war ich ein Master of Ceremony und Teil der HipHop-Kultur. Das änderte sich, als ich meiner Passion Freiraum schuf, nämlich dem Shouten und dem Bluesgesang, eine Sache, die ich schon immer parallel zum Rap getan habe. Angeknüpft an meiner oftmals deutschsprachigen Reggae-/Dancehallphase Ende der 90er, mache ich nun einen deutschsprachigen Retrosoul bzw. eine Soulmusik, die sehr viele Elemente davon in sich trägt und eben komplett individualisiert ist. Denn irgendwann, sollte man sich aus den Schubladen zurückziehen und WIRKLICH sein eigenes Ding machen. Um dies durchzuziehen, habe ich schlussendlich Ende September letzten Jahres bei Four Music und Homeground Records unterschrieben.

Ihre bisherige Karriere sah Epochen des deutschsprachigen Sprechgesangs sowie des englischsprachigen R&Bs ("Pay me right"). Auf Ihrer hörenswerten EP "Filmriss" hört die interessierte Hörerin / der interessierte Hörer deutschsprachigen Flüssigsoul. Gehe ich richtig in der Annahme, dass Sie auf "Filmriss" nun den Stil gefunden haben, den Sie auch auf Ihrem für 2011 projektierten Langspieler verfolgen möchten?
Eben darauf wollte ich nun genauer eingehen. Ich befinde mich in einer Phase des Ankommens und dazu gehört auch die Vollendung eines Stils. Nach wie vor werde ich mich natürlich auf Sessions sehen lassen, denn meinen Weg hierhin werde ich nie vergessen können. Nur ist das, was ich jetzt zeige ein Stil, der mich auch zur Ruhe kommen lässt, weil ich wiedererkennungstechnisch nicht bei irgendeinem Idol angekommen bin, sondern bei mir und das ist letztendlich das, was die Menschen berührt. Auf dem Longplayer gibt es diesen Stil in vielen Facetten und ich möchte behaupten, dass jedes Stück ein wenig anders ist und farblich sowie räumlich für sich steht.

Der Weg vom deutschsprachigen Sprechgesang zum deutschsprachigen Soulgesang ist ein häufig gegangener - vor allem bei Ihrer Labelheimat Four Music finden sich einige prominente Beispiele. Wann haben Sie für sich entschieden, dass Sie ab sofort singen möchten? Wie haben Freundeskreis und Familie reagiert?
Ich war in Zeiten der HipHop-Bewegung schon immer ein bunter Hund und habe das gemacht, wonach mir der Hut stand. Verwundert war eigentlich niemand darüber, vielleicht hier und da mal eine verdutzte Frage. Es hat etwas damit zu tun, dass ich in erster Linie etwas zurückgeben wollte. Denn dieses ewige Samples klauen hat bei mir irgendwann eine Art schlechtes Gewissen hervorgerufen, aber es hat mich auch motiviert, genau so edel wie diese Musiker zu werden. Ich habe mich jedoch nie entschieden, sondern es war immer schon klar, dass ich meinem Herzen folge. Irgendwann wurde mir Sprechgesang zu detailreich und die neuen Konventionen in der Kultur, nach 9/11 zu klaustrophobisch. Es war also an der Zeit, Raum zu schaffen, für meine Leute und für mich. Einen Marker zu setzen und mich abzukapseln, damit ich mir meinen Respekt als Musik-Künstler erhalten konnte.

Während Ihrer Zeit als englischsprachiger R&B-Sänger arbeiteten Sie mit avantgardistischen Künstlern wie Suff Daddy, Lefties Soul Connection und Marc Hype & Jim Dunloop zusammen.
Aufgrund dieser Kontakte ist es dann doch leicht verwunderlich, dass Sie auf "Filmriss" ausschließlich mit Kraans de Lutin zusammen, der mir bis dato hauptsächlich durch traditionelle HipHop-Produktionen ein Begriff war. Wie kam der Kontakt zu Herr de Lutin zustande? Warum haben Sie für "Filmriss" auf Produktionen von Suff Daddy, Lefties Soul Connection und Marc Hype & Jim Dunloop verzichtet? Ist für Ihr anstehendes Album eine Zusammenarbeit mit besagten Produzenten geplant?

Ich kenne Kraans seit ungefähr elf oder zwölf Jahren, da er in Bremen lebte und ein Studio dort hatte. Ich habe viele seiner Produktionen mitbekommen, aber nie wirklich mit ihm zusammengearbeitet. Was ich an ihm schätze, ist sein Überblick und seine Sicherheit, die er vermittelt. Ein großer Teil des Umfelds von Kraans ist mir seit Jahren bekannt, nicht nur, weil Vicente Celi, der damals die Nordseite und Breitseite Sampler herausbrachte und meine ersten Studioaufnahmen ermöglichte, sich seit zehn Jahren die Räumlichkeiten in Kreuzberg mit Kraans teilt. Zu der anderen Frage, ob ich noch mit Produzenten wie Suff Daddy oder Dunloop arbeiten werde, kann ich sagen: Natürlich werde ich das tun. Nur habe ich für meinen ersten Powermove eine klare Linie gewählt und dort angefangen, wo ich in Bremen vor Jahren aufhörte. Mit Leuten wie Hype oder Suff zu arbeiten ist sehr angenehm, denn seit 15 Jahren sitze ich in Homestudios und mache meine Dinger. Das gehört nun mal zum guten Ton und es wird sich sicher noch etwas ergeben. Erst einmal muss ich jedoch wieder Raum schaffen, um neue Konzepte zu erstellen. Danach wähle ich dann meine Pappenheimer.

In einer Besprechung von "Filmriss" wurden Sie kürzlich in eine Schublade mit Jan Delay und Peter Fox gesteckt? Konnten Sie bereits einen Teil derer Zielgruppe abwerben? Stören Sie derartige Vergleiche oder fühlt man sich als Künstler ob dieser Kategorisierung geschmeichelt?
Ich fühle mich geschmeichelt, aber dass ich einen Teil ihrer Zielgruppe "abwerben" kann, möchte ich nicht behaupten. Teilen wäre eher angebracht. Es wird sich nach dem Albumrelease und den ersten Touren zeigen. Ich kann nur sagen, dass es mich beruhigt, jemand zu sein, der in diese Ecke hineinpasst. Das Schöne ist, dass es auf natürliche Weise passiert, ohne Zwang, weil ich so bin wie ich bin.

Als unbedarfte Hörerin / unbedarfter Hörer würde ich allen vier Stücken der "Filmriss"-EP Hitpotential attestieren. Zu einem Hit gehört jedoch auch die entsprechende Medienpräsenz. Warum wurde bis dato noch keiner der vier Titel verfilmt?
Wir haben gerade den Videodreh zu "Filmriss" abgeschlossen und freuen uns darauf, es zu präsentieren. Man muss sehen, dass die EP "Filmriss" ganz klar zur Promo-Maschinerie gehört und es bis dato noch nicht spruchreif war, damit in die Medien zu gehen. Für alle sinnvoll wird es, wenn die Single und das Album auf dem Markt sind. Weitere Videodrehs sind, trotz wenig Budget, in Planung.

Die Spielzeit 2010 neigt sich dem Ende entgegen. Wie sieht Ihre persönliche Bilanz des vergangenen Jahres aus? Welche musikalischen Ziele haben Sie sich für die kommende Spielzeit gesetzt?
Wir sind jetzt in der richtigen Umlaufbahn und haben die nötigen Zeiträume geschaffen, die wichtig sind für gut getimte Releases. Es ist wirklich ein Riesen-Stunt, die Zeit zu bezwingen und zu seinem Untertan zu machen!

Zuletzt möchte ich Sie noch um ein kurzes Assoziationsspiel bitten. Ich nenne Ihnen einen Begriff und Sie nennen mir unverfälscht, was Ihnen dazu einfällt:
Tua & Vasee? Kenne ich nicht!
Marteria? Sehr begabter Kerl.
Huss & Hodn? Flavor 2 the fullest.
Bundesvision Song Contest? Wird Bremen gewinnen. Mit mir.

Ihre letzten Worte an meine Anhängerinnen und Anhänger?
Hängt nicht zu viel ab, lasst uns leben!

Ich bedanke mich recht herzlich für das Gespräch. Mögen Sie all Ihre Ziele erreichen!
Vielen Dank, sehr gute Fragen und sehr gentle formuliert. Peace.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Bitte kommentieren Sie die Beiträge mit dem Maße an Respekt gegenüber den Künstlern, das auch Ihnen entgegengebracht werden soll.
Kritik ist durchaus erwünscht, aber nur in einem angemessenen Ton und von konstruktiver Natur.
Sollten Sie sich nicht daran halten, wird die freie Kommentarfunktion demnächst eingestellt und Kommentare sind nur noch nach Registrierung möglich!