Haftbefehl - Azzlack Stereotyp (Review)


Die aufmerksame Stammleserin / der aufmerksame Stammleser von "Herr Merkt spricht über HipHop" weiß zu berichten, dass Offenbachs Haftbefehl bis dato nicht gerade das Wohlwollen des Rezensenten hervorzurufen vermochte. Einen offensichtlichen Qualitätssprung später warf nun eben dieser Haftbefehl dieser Tage in Form von "Azzlack Stereotyp" sein Albumdebüt auf den darbenden Straßenrap-Markt und animierte den anfänglich skeptischen Rezensenten zum Umdenken. Auf formidablen Produktionen von Sti, Benny Blanco, 7Inch, Brisk Fingaz, M3 & Noyd, Lex Barkey, Joshimixu, N-Jay, G-sys Crizzo, Psaiko.Dino, Juh-Dee, KD-Beatz und Abaz oeuvriert der fesselnde Freiheitsentzugsvollstreckungsbescheid gemeinsam mit seinen geladenen Gästen unterhaltsame Geschichten aus dem Straßen- und / oder Verdauungsalltag (Stichwort: "Kackdrama"). Die illustre Gästeliste vervollständigen einschlägig suspekte Straßenschubser wie Azad, Kollegah, Farid Bang, Massiv, Manuellsen, Jonesmann, Jeyz und Chaker.

Inhaltlich weiß der heitere Hesse dem HipHop-Spiel in der Spielzeit 2010 mit den permanent rekurrierenden Straßenmärchen selbstverständlich keine neuen Impulse zu verleihen, jedoch reiht sich "Azzlack Stereotyp" aufgrund der gekonnt (ironisch) überzeichneten Darstellung des delinquenten Daseins in der Tradition jüngerer Straßenrap-Alben wie "Stress auf'm Kiez" oder "Foetus" ein und haucht dem Subgenre somit durch eine erfrischend augenzwinkernde Herangehensweise neues Leben ein. Hinzu kommt ein unvergleichlicher Vortrag, mit dem sich der umjubelte Unterhaltungskünstler mittlerweile millimetergenau dem Beat anschmiegt und somit quasi mit den Produktionen verschmilzt. So etabliert sich Haftbefehl als wertvolles Unikat im erschreckend gleichförmigen Straßenrap-Einheitsbrei.

Abzüglich eines übermäßig überflüssigen Skits bietet "Azzlack Stereotyp" der Zuhörerin / dem Zuhörer über zwanzig Anspielstationen hinweg beste Unterhaltung. Ob nachdenklich über gescheiterte Liebschaften reflektierend ("Lass los" mit Jonesmann), den Beischlaf mit weiblichen Erziehungsberechtigten vollziehend ("Cho!" mit Chaker) oder den eigenen Bezirk repräsentierend ("Von Bezirk zu Bezirk" mit Azad & Jeyz) - stets weiß der parlierende Protagonist wahlweise oder zeitgleich zum Zuhören, Kopfnicken oder Schmunzeln zu bewegen. Auf "Von Bezirk zu Bezirk" geschieht gar ein Wunder: Azad rappt, anstatt monoton seine Verse vorzulesen! Während sich allgemein alle Anspielstationen sinnvoll in das Gesamtkonzept des vorliegenden Werkes einfügen, bleiben beim Rezensenten insbesondere die Titel "Gestern Gallus, heute Charts", "Dann mit der Pumpgun" (mit Massiv & Manuellsen), "Azzlacks sterben jung", "Dunkle Träume" (mit Jonesmann & Chaker), "Ich muss wach sein" und "Narben bleiben" (mit Jonesmann) nachhaltig im Gehörgang haften, die er hiermit als Anspielbefehl an die geneigte Leserschaft weiterreichen möchte.

Aus einem reinen Unterhaltungsaspekt heraus betrachtet bleiben dem Rezensenten abseits einer sporadisch beeinträchtigenden Chaker-Überpräsenz kaum Kritikpunkte zu nennen, so dass unter Vorbehalt der Volljährigkeit eine uneingeschränkte Kaufempfehlung ausgesprochen werden kann! Es sei denn, Sie beherbergen direkt einen ganzen Holzfachhandel in Ihrem Anus! Klassisches Material!

Kommentare:

  1. Gute Review! Eloquent ausgedrückt, wehrter Herr! :D

    AntwortenLöschen
  2. Ok... Aber warum findet der gute Herr merkt Haft jetzt plötzlich gut, und Kollegah nicht? Immerhin sind genau die positiven Aspekte dieser Review auch Kollagahs stärken... Nur noch besser und mitnmehr Wortwitz und besseren reimen... Warum^^ ich meine, ich respektieren die Meinung, aber ich verstehe es nicht ganz...

    AntwortenLöschen
  3. Ich habe seinerzeit lediglich das Album "Alphagene" kritisiert. Ich verstehe nicht, wie daraus das Gerücht entstehen konnte, dass ich Kollegah generell nicht mag.

    AntwortenLöschen
  4. Haftbefehl mit Kollegah zu vergleichen ist sowas von hirnrissig. Sagen wirs mal so, Haftbefehl hat swag, Kollegah rappt einfach nur gut.

    AntwortenLöschen
  5. ich versteh den haftbefehl hype nicht.
    er ist einfach nur schlecht. es tut mir leid.

    AntwortenLöschen
  6. Hätte nie gedacht, dass Sie einmal Haftbefehl feiern würden - mir geht's allerdings ähnlich. Ein Track wie Hungrig & stur mit seinem nervigen Beat hatte - vor allem in Verbindung mit dem dazugehörigen aggro.TV-Video - allenfalls einen gehörigen Trashfaktor, das hier kann man sich hingegen gut anhören.

    AntwortenLöschen
  7. hungrig und stur war schon damals "Klassisches Material". wieso du jetzt erst auf den geschmack gekommen bist ist nur schwer zu erklären

    AntwortenLöschen
  8. Ich finde dass Kolle einen ganz anderen Sound macht . Allein wie er flowt , kann man das nicht mit Haftbefehl vergleichen . Haftbefehl spricht auch die Wörter ganz anders aus , er tut manchmal betont einen auf kanacke . Und Herr Merkt wie sie Alphagene kritisieren können versteh ich nicht . Das Hoodtape kann man kritisieren aber nicht Alphagene ...

    AntwortenLöschen

Bitte kommentieren Sie die Beiträge mit dem Maße an Respekt gegenüber den Künstlern, das auch Ihnen entgegengebracht werden soll.
Kritik ist durchaus erwünscht, aber nur in einem angemessenen Ton und von konstruktiver Natur.
Sollten Sie sich nicht daran halten, wird die freie Kommentarfunktion demnächst eingestellt und Kommentare sind nur noch nach Registrierung möglich!