Hammer & Zirkel - Wir sind Freunde und darum machen wir Musik (Review)


Im Schatten der bundesweiten Deutschrap-Verstrahlung veröffentlichten Hammer & Zirkel dieser Tage nach "Musik ist unser Leben, darum werden wir Erzieher" in Form von "Wir sind Freunde und darum machen wir Musik" ihren zweiten kommerziellen Tonträger im Langspielformat. Neben einer offensichtlichen Vorliebe für unhandliche Albumtitel bleibt darauf auch der erfrischend humoristische Ansatz der beiden Protagonisten erhalten, die Ihnen frisch verstärkt um DJ Tracksau einschließlich dreier Sketche dreizehn erfrischende Anspielstationen präsentieren. Dabei wirken die einzelnen Titel im Vergleich zum bereits großartigen Vorgänger pointierter, so dass sich auch in diesem Falle ein positiver Effekt einer Abkehr von dem inflationären Gebrauch sogenannter Fülltitel hin zu einer überschaubaren Anzahl qualitativ herausragender Titel konstatieren lässt.

Aufmerksamkeit beim durchschnittlich informierten HipHop-Kopf dürfte "Wir sind Freunde und darum machen wir Musik" vor allem durch den Schlüsselreiz sido erregen, der im ebenfalls von Laas Unltd. bereicherten "Musik ist unser Leben, darum wurden wir Erzieher" trotz zweier vielversprechender Einsätze auf verhaltene Resonanz seiner Kollegen trifft. Hören Sie selbst! Nachdem sich der eingängige Kinderchor-Kehrvers wieder aus den Gehörgängen verflüchtigt hat, sollte man definitiv auch den restlichen Anspielstationen Gehör schenken. Hier bleiben insbesondere das hintersinnige "Zurückgeblieben", das Vorurteile aufarbeitende "Hr. Günther ausm Ersten", "Ich hab leider keine Hand frei" und "Wenn wir Tod sind" nachhaltig in Erinnerung. Das Glanzlicht der Veröffentlichung findet die interessierte Hörerin / der interessierte Hörer jedoch in der schonungslos ehrlichen "Einleitung", die sofortige Gänsehaut sowie Wiederholungsreflexe garantiert und zweifelsfrei einen der herausragendsten Deutschrap-Titel der Spielzeit 2010 darstellt!

Musikalisch betreut wurde das gute Stück von Zirkel Sneezy, Dirty Dasmo und 7Inch. Angesichts der vertretenen Beatbauernprominenz ist es nur wenig verwunderlich, dass zusätzlich zu durchgängig durchdachten Texten auch instrumental nur wenig anbrennt. Stilsicher untermauern die Produktionen die verbal transportierten Emotionen, so dass "Wir sind Freunde und darum machen wir Musik" ein kohärentes Gesamtbild ergibt. Als Kritikpunkt bleibt letztlich lediglich die leider folgerichtige Fortsetzung von "Mike aussa Platte" zu nennen, deren schiere Brillianz durch die vermutlich intentionale Enttäuschung großer Erwartungen überdeckt wird. Trotzdem: "Kaufladen statt Klauladen!"

"Wir sind Freunde und darum machen wir Musik" hier bestellen

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Bitte kommentieren Sie die Beiträge mit dem Maße an Respekt gegenüber den Künstlern, das auch Ihnen entgegengebracht werden soll.
Kritik ist durchaus erwünscht, aber nur in einem angemessenen Ton und von konstruktiver Natur.
Sollten Sie sich nicht daran halten, wird die freie Kommentarfunktion demnächst eingestellt und Kommentare sind nur noch nach Registrierung möglich!