Olli Banjo - Kopfdisco (Review)


Seitdem sich Olli Banjo Anfang dieses Jahrtausends mit der 12" "Du und mein Penis / Rotlicht" auf meinen Radar rappte, ging keine Veröffentlichung des Herrn Otubanjo ins Lande, der ich nicht leidenschaftlich entgegen gefiebert hätte. Ob EP, Mixtape, Solo- oder Kollabo-Album - niemals sollte ich enttäuscht werden. Mit "Kopfdisco" liegt nun das mittlerweile vierte Studioalbum vor, welches an dieser Stelle näher beleuchtet werden soll.

Vorweg sei geschickt, dass der Protagonist auf insgesamt 27 Anspielstationen (Referenz: Premium Edition) seinem unverkennbaren Stil treu bleibt und die wohlwollende Rezipientin / den wohlwollenden Rezipienten mit Repräsentanten, gefährlichen Live-Geschossen, fantasievollen Geschichten und Tiefschürfendem versorgt. Hierfür wird in alter Tradition zumeist auf Dissens induzierende Produktionen zurückgegriffen, für die die Bounce Brothas, Roe Beardie, DJ Flow, Ben Bazzazian, Tschabo und Mazay verantwortlich zeichnen. Gepaart mit variablem Sprachfluss in (Nah-)Perfektion sowie Gastbeiträgen von Kool Savas und Xavier Naidoo wurde für "Kopfdisco" ein rundes Gesamtpaket geschnürt, welches dem alteingesessenen Banjo-Fan durchaus munden sollte.

Bereits beim ersten Hördurchgang wird deutlich, dass "Kopfdisco" sehr stark auf die anlaufende Festivalsaison ausgerichtet ist. So verfügt das Album mit "Charlie" über eine sagenhafte Ruf- und Antwort-Nummer, die vor Publikum grandios funktionieren sollte und selbst die klassischen Werke Captain Jacks mühelos auf die Plätze verweist. Weiterhin beschreibt der Protagonist ganz im Geiste von "Zwei Mäkk Ripp, bitte", "Scheisse und pervers", "Hong Kong" und "Black boys" auf dem vertraut klingenden "Quando" auf humoröse Art und Weise ein misslungenes Liebesabenteuer, welches ohne Umwege in einem Splash-Auftritt mündet - klassischer Scheiß! Das meiner Meinung nach grandioseste Live-Geschoss bleibt in Form einer gerappten Umsetzung des beliebten "Simon sagt"-Spiels jedoch den Käufern der Premium Edition vorbehalten.

Besorgt um die Außenwirkung der HipHop-Szene (siehe "Ich bin ein Rapper") wettert ein glänzend aufgelegter Banjo nicht ohne Augenzwinkern gegen eine allgemeine Verdummungstendenz (siehe "Randale in der Sonderschule"), die nicht unhäufig mit gefährlich peinlichem Dorfgangstertum (siehe "Neidfut") einher geht. Gleichzeitig wird mit Glanzleistungen wie "Mein Weltbild" (mit Xavier Naidoo), "Schritte vor der Tür" (mit Kool Savas), "Keine Sonne", "Vom anderen Planet" und "Straight outta Compton" beeindruckend aufgezeigt wie es besser, sinnvoller und gesellschaftlich relevanter geht. Verbleiben wir mit der verwegenen Hoffnung, dass in bestimmten Teilen der HipHop-Szene genügend Restintelligenz verblieben ist, damit dieser Ansatz auf Einsicht anstatt auf Reaktanz stößt! Gemäß meiner fachmännischen Einschätzung ist "Kopfdisco" nämlich in der Tat genau das Meisterwerk, als das es im Vorfeld angekündigt wurde.

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Kommentare:

  1. Quasi als Bruder im Geiste in Sachen Banjo finde ich Ihre Rückschau absolut treffend forumuliert. :)

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  2. Hundertprozentige Zustimmung. Unfassbar gutes Album! :)

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  3. hat mich endgültig überzeugt. wird gekauft. danke.

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  4. technisch absolut gelungen. Kein schlechter Track drauf, nur solche, die mir nicht vollkommen gefallen. Gelungene Review!

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