Herr Merkt spricht mit HipHop: Inflabluntahz




Anlässlich der kürzlichen Veröffentlichung des Albums "Segen und Fluch" über Rubin Music konnte ich ein offenes Interview mit Inflabluntahz' Franksta' führen.




Guten Tag, ich begrüße Sie recht herzlich bei "Herr Merkt spricht über HipHop".

Wofür steht der Name Inflabluntahz? Als ich den Namen erstmals las, nahm ich eine Zuordnung zur Kategorie Kifferrap vor, was zumindest auf "Segen und Fluch" in keinster Weise zutrifft.
Schönen guten Tag! Also wir waren uns wohl durchaus bewusst, dass unser Bandname Inflabluntahz schnell in der Schublade Kifferrap landen würde, aber die Bedeutung ist eigentlich eine ganz andere. Und zwar, wenn man "in flagranti" aus dem Lateinischen ins Deutsche übersetzt, bedeutet es so viel wie "Glut bzw. in glühendem Zustand". Auf unsere Musik bezogen soll es deshalb das Feuer und die Kraft in den Lyrics widerspiegeln. Zu den "Blunts" muss man ja sicher nicht mehr viel erklären, aber in diesem Fall steht es eher für den berauschenden Zustand der Musik und sollte deshalb nicht fehlinterpretiert werden, dass wir beide kiffen würden. Wir sind beide überzeugte nicht-Konsumenten, obwohl wir auch Filtertips in unserem Shop anbieten (lacht).

Ihre aktuelle Veröffentlichung hört auf den Titel "Segen und Fluch". Inwiefern ist das Album für die Inflabluntahz Segen und Fluch?
Das aktuelle Album ist eindeutig eher ein Segen als ein Fluch für uns. Thematisch spiele ich mit diesem Titel darauf an, dass man als nachdenklicher Mensch sehr viele innere Konflikte mit sich auszutragen hat, aber auch die positiven Dinge im Leben viel stärker wahrnimmt und zu schätzen weiß. Das ist quasi der eigentliche, innere Segen und Fluch eines jeden Menschen, der sich in den Songs wieder findet.

Wie sieht die Rollenverteilung bei den Inflabluntahz aus. Nach meinem Kenntnisstand zeichnet Franksta für die Raps und Nicoist für die Produktionen verantwortlich. Da auf "Segen und Fluch" jede Menge Fremdproduktionen vertreten sind, würde mich interessieren, was "Segen und Fluch" zu einem Inflabluntahz- und nicht zu einem Franksta-Album macht?
Da mit den Produktionen ja nicht nur das Produzieren der Beats gemeint ist, ist der Nicoist auf jeden Fall in die gesamte Inflabluntahz-Arbeitsaufteilung stark involviert, d.h. sein ganzer Aufgabenbereich ist viel weiter gestrickt als man annimmt. Sei es nun beim Arrangement, beim hinzufügen von den Effekten, das gesamte Mischen/Mastern oder das Artwork. Zusammen ergänzen wir uns einfach optimal beim Ausarbeiten der Tracks und der Nicoist bringt nochmal ein ganz anderes Know-how mit, um die Tracks auf ein wirklich amtliches Level zu heben. Unsere Alben würden auch ganz anders klingen, wenn es jetzt ein straightes Franksta'-Album wäre.

Mit 40 Tracks handelt es sich bei "Segen und Fluch" inklusive all der Boni um ein wahrhaftes Mammutwerk, worüber sich der ehrliche Käufer mit großer Wahrscheinlichkeit freuen wird. Mir stellt sich jedoch die Frage, ob man mit einer kostenfreien Vorab-Veröffentlichung der EP "Influzion" nicht mehr Hörer erreicht und damit mehr potentielle Käufer angesprochen hätte?
Das wäre vermarktungstechnisch vielleicht auch ein schöner Zug gewesen, aber am Ende sind wir alle zum Entschluss gekommen, dass ein solches Online-Release auch in der Masse hätte untergehen können. Dafür ist einfach das Album inklusive Bonus Disc etwas sehr schönes, einfach um dem Hörer auch etwas für's Geld zu bieten. Die Leute bekommen natürlich auch etwas "4 free" geboten, gerade durch die große Anzahl der "Exclusive Tracks" vor und nach dem Release.

Verschiedene unabhängige Plattenfirmen tendieren dazu, selbst bei MTV-Rotation oder einem Szene-Hype die ersten Auskopplungen aus Alben zu verschenken. Aus psychologischer Perspektive sollte dies ein Gefühl der verpflichtenden Reziprozität beim Beschenkten auslösen, wodurch Fanbindung entsteht. Warum entschließt man sich als Label ohne MTV-Rotation und größeren Szene-Hype dazu, die erste Auskopplung ("Legenden") eines Albums digital zu verkaufen? Ich kann mir nicht vorstellen, dass Sie dadurch eine nennenswerte Anzahl neuer Zuhörer bzw. Käufer erreicht haben.
Also wir haben die Online-Single "Legenden" nicht wirklich aus einem psychologischen Hintergrund released, sondern wir wollten den Fans einfach einen kleinen Vorgeschmack auf's Album bieten. Und doch sind durch die Online-Single und das dazugehörige Video eine ganze Menge Hörer auf uns aufmerksam geworden.

Im Titel "Kopf gegen Herz" thematisieren Sie den fortwährenden Kampf zwischen Verstand und Gefühl. Inwiefern ist der Entschluss, in heutigen Zeiten als Newcomer-Band mit limitierten Verkaufserwartungen eine Doppel-CD in edlem Digipak zu veröffentlichen, eine Kopf- bzw. Herzentscheidung? Wie viele Platten müssten Sie verkaufen, damit Sie am Ende des Tages ohne Verlust dastehen?
Ich bin ein eindeutiger Herz-Mensch und ich höre meistens auch auf mein Bauchgefühl. So eine Doppel-CD im Digipack ist auf jeden Fall auf beiden Seiten etwas positives, erstens weil wir uns dadurch auch als Künstler wieder selbst verwirklichen konnten und zweitens, weil sich sicher nicht viele Underground-Künstler trauen, das Verkaufs-Risiko bei diesen hohen Ausgaben einzugehen. Natürlich war es auch für uns gewagt und der Nicoist war anfangs noch absolut gegen diese Entscheidung. Die positive Überraschung war dann natürlich, dass wir bereits vor dem Releasedate die gesamten Ausgaben durch den Vorverkauf schon wieder eingespielt hatten. Deswegen gebührt eindeutig den Hörern das allergrößte Feedback für diesen krassen Support! Ich denke sie merken vielleicht, wieviel Herzblut und Kosten wir in unsere Projekte stecken und wollen uns etwas zurückgeben statt sich das Album irgendwo illegal zu laden. BIGUP dafür!!

"Segen und Fluch" erscheint über Rubin Music. Wie kam der Kontakt zum Label zustande? Identifizieren Sie sich mit Rubin Music? Es fällt auf, dass auf den 22 offiziellen Anspielstationen keine Wortbeiträge Ihrer Labelkollegen vertreten sind!
Der Kontakt mit dem Label kam eher spontan von jetzt auf gleich zustande. Der Produzent und guter Freund Ill-luzion war über's Wochenende zu Besuch und zu dem Zeitpunkt war er auch schon ein Teil des Labels Rubin Music. Da ich mit Nazz-n-Tide schon zu "Director's Cut"-Zeiten sehr sympathischen Kontakt hatte, konnte es eigentlich nur eine Antwort auf die spontane Frage von Ill-luzion, ob ich nicht direkt mit ins Boot steigen will, geben... "no doubt"! Ich identifiziere mich sehr mit dem Label und ich feier alle Künstler, die Atmosphäre zwischen allen ist entspannt und all das bietet natürlich die optimale Grundlage für eine gute Zusammenarbeit. Der Grund, warum auf dem eigentlichen Album kein Labelkollege vertreten ist lag daran, dass das Album zu der Zeit schon so gut wie im Kasten war. Wer allerdings einen Song mit B.E. und mir hören will, sollte mal auf rap.de vorbeischauen, da gibt es "Immer noch" als Exklusive-Track zu hören.

"Segen und Fluch" besticht vor allem durch seine ehrlichen Inhalte und ist meiner Meinung nach in der Mehrzahl zum intensiven Zuhören konzipiert. Entwickelt sich dadurch die Vielzahl an Anspielstationen nicht zum Handicap, vor allem in einer Szene, in der Farid Bang für seine außergewöhnliche Intelligenz gefeiert wird? Haben Sie keine Angst, dass der Rezipient nach einer Stunde bei hervorragenden Titeln wie "4 Minuten (Teil 2)" nicht mehr richtig zuhört?
Es mag für uns sicher ein Handicap sein, dass der rezensierende sich durch so eine große Anzahl nachdenklicher Tracks schlagen muss und sicher ist es dann auch anstrengend. Es ist aber auch kein kurzlebiges Album, welches man nach 2 Durchgängen komplett verstanden hat, wie ich finde. Man sollte sich länger Zeit lassen um dieses Album wirklich zu verinnerlichen und zu verstehen. Wieviele Alben schmeißt man zuhause in den Player, skippt es ein- bis zweimal durch und schon verschwindet es wieder, weil durch diesen Überfluss von Releases schon die nächsten zehn Alben darauf warten, durchgeskippt zu werden? So kenne ich das nur. Entscheidend bei unserem Album ist "Zeit"... Zeit zum Nachdenken und die Texte auf sich wirken zu lassen, gerne auch noch morgen und in drei, vier Monaten.

"Frontlinien" mit Revilo überspitzt bewusst die gerne auf Konkurrenzprodukten verwendete Kriegsmetaphorik. Gab es einen Schlüsselmoment, an dem Sie wussten, dass Sie solch einen Titel aufnehmen müssen?
Diese Kriegsmetaphorik ist in dieser Szene ja nichts neues und ich war es wohl einfach nur leid, diese Art von Tracks zu hören, die mit diesem Konzept spielen. Natürlich, Rap besteht nunmal aus dem Dramatisieren, aber wäre dieses Business wirklich ein Krieg, dann wäre es sicher nichts Positives. Ich denke, in dem Track haben Revilo und ich auch die richtigen Worte zu diesem Thema gefunden.

Wie sieht die Zukunft der Inflabluntahz aus? Werden den zukünftigen Zuhörer weiterhin persönliche Nummern erwarten oder ist man nach der Veröffentlichung eines Albums wie "Segen und Fluch" erst einmal "leer"? Wie sieht Ihr Veröffentlichungsplan der kommenden Monate aus?
Also "leer" fühle ich mich eine kurze Zeit nach der Veröffentlichung schon, aber eher nur, weil ich wahrscheinlich dieses Gefühl brauche, im Stillen wieder heimlich an etwas zu feilen was den Hörer wieder überraschen und noch mehr begeistern soll. Dieser Leere wirke ich also mit Schreiben entgegen, noch etwas selbstkritischer und perfektionistischer nach jedem Release. Als Nächstes steht wahrscheinlich erstmal ein Kollabo-Projekt an und da darf der Hörer wirklich sehr gespannt sein, was ihn erwartet. Natürlich dürfen auch persönliche Tracks nicht fehlen, aber die Mischung wird wirklich sehr bunt sein und es wird thematisch teilweise auch sehr stark nach vorne gehen.

Abschließend möchte ich Sie noch zu einem meiner beliebten Assoziationsspiele einladen. Ich nenne ein Wort und Sie artikulieren Ihre ersten Gedanken dazu!

"Lang genug gewartet"?
Ganz spontan nur "Segen und Fluch".

Donato?
Hammer Rapper, mehr von ihm!

Anglizismen?
Denglisch, muss nicht überreizt werden beim Rappen... dann ist es zuviel.

rap.de?
Seeehr kritisch was Rap angeht, meiner Meinung nach (lacht!)

Rubin Music?
Lieblingslabel, sympathische und genauso wahnsinnige Menschen wie wir!

Wunschkollaborationen?
Tone, Curse und noch viel mehr Künstler als mir spontan einfallen würden.

Ich bedanke mich für das Gespräch und wünsche Ihnen weiterhin viel Erfolg. Möchten Sie meinen Anhängerinnen und Anhängern noch etwas mit auf den Weg geben?
Ich bedanke mich natürlich ebenso für dieses sympathische Interview und möchte natürlich noch jedem Leser empfehlen, sich selbst ein Bild vom aktuellen Album "Segen und Fluch" zu machen. Wir freuen uns über Feedback, Anregungen, Kritik und wünschen noch eine entspannte Zeit bis der Sommer kommt. ONE lav und danke für eure Zeit!

Peace,
Franksta'

Rubin Music!!

1 Kommentar:

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