Inflabluntahz - Segen und Fluch (Review)

Mit freundlich warmer Stimme, die nicht intendiert, der fiktiven Konkurrenz oder dem genrefremden Zuhörer den Angstschweiß auf die Stirn zu treiben, begrüßt Sie Franksta auf "Segen und Fluch" - dem neuen Tonträger der Inflabluntahz. Dieser ist mit 22 offiziellen Anspielstationen und 18 Zugaben in edlem Digipak reichlich bestückt, so dass es an dieser Stelle den Rahmen der Möglichkeiten sprengt, detailliert auf alle Anspielstationen einzugehen.

Vielmehr soll sich der Fokus der nachfolgenden Ausführungen auf die Glanzlichter der 22 offiziellen Anspielstationen richten. Darin stehen die Inflabluntahz vor allem für einen zurückgelehnten musikalischen Entwurf, der sowohl in seinen stärksten, als auch in seinen schwächsten Momenten an die Schwingungen der Endneunziger erinnert, ohne dabei jedoch antiquiert zu wirken. Nummern wie "Lang genug gewartet", "Writing some letters", "Empathie" (mit Soundbwoy Boogie) und "Hinter der Fassade" (mit Donato) richten sich dabei eher an den Zuhörer als an den Tänzer und bestechen mit inhaltlichem Gehalt. Mit "Lass uns reden" erschuf man weiterhin - vor allem durch die Beteiligung Zaehres - ganz ohne Azad-Beteiligung eine der stärksten Azad-"Kopf hoch"-Nummern vergangener Jahre, in "Frontlinien" wird an der Seite von Revilo die gerne verwendete "Rap ist Krieg"-Metaphorik gekonnt auf die Spitze getrieben. Auch "Berg und Talfahrt" (mit Wuppertals Feinstem Sinuhe), "Immer das Gleiche" und "4 Minuten (Teil 2)" könnten beim interessieren HipHop-Kopf Anklang finden.

Trotz offensichtlicher inhaltlicher Stärken wird auf Albumlänge für meinen persönlichen Geschmack musikalisch zu wenig Varianz geboten, um das Album über die Kategorie "oberes Mittelfeld" zu heben. Zwar bestechen die seeligen Produktionen von Beatkünstlern wie Ill-Luzion, Nicoist, Nowak, Profound, Zaehre, Mikosbeatz, The Roughstylez, Jusoul und Oduza mit sauberem Handwerk, verschmelzen jedoch in knapp 77 Minuten Spielzeit zu einem wenig distinkten Einheitsklang. Dies erschwert einerseits den holistischen Hörgenuss, dürfte aber andererseits im Zeitalter von MP3 und iTunes kein größeres Kaufhindernis darstellen.

Verbleiben wir mit folgendem Fazit: In kleinen Häppchen ist "Segen und Fluch" durchaus großartig, weist jedoch für meinen Geschmack als Gesamtwerk zu wenig musikalische Varianz auf, um trotz inhaltlicher Stärken über die gesamte Mammut-Spielzeit zu fesseln. Vielleicht vermisse ich auch einfach den Angstschweiß!

Wertung: 4/6

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