Herr Merkt spricht mit HipHop: Maeckes


Verehrte Leserinnen und Leser,
anlässlich der Veröffentlichung von "KIDS" am 26.03.2010 hatte ich die höchst erfreuliche Gelegenheit, ein kurzes Interview mit Maeckes zu führen. Erfahren Sie hier vieles über "KIDS", Zukunftspläne und schlechte Wortspiele!

Guten Tag, der Herr. Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit zu einem Interview mit "Herr Merkt spricht über HipHop" nehmen. Es ist mir eine Ehre!
Danke. Ebenso.

Gestatten Sie mir zum Einstieg eine Frage von höchstem persönlichen Interesse: Was wurde eigentlich aus der freudig erwarteten "Maeckes & Plan B"-DVD?
Plan B und ich waren am Ende nicht zufrieden. Bühnenstücke oder Liveauftritte verlieren sehr oft auf dem Bildschirm ihre Magie, so auch hier.

Mit "KIDS" erscheint am 26.03.2010 Ihr offizielles Solo-Debüt. Wie unterscheidet sich die Veröffentlichung dieses Werkes auf der Gefühlsebene von der Veröffentlichung bisheriger Produktionen mit Ihrer Beteiligung? Sind Sie aufgeregter als sonst?
Schon ein bisschen. Ich zweifele zunächst immer alles an, habe Angst, dass ich nicht mein bestes gegeben habe. Und damit meine ich nicht, was die Erwartungen anderer angeht, sondern meine eigenen. Und so schlimm wie bei KIDS war das echt noch nie: Manchmal denke ich "KIDS ist ein Meilenstein" und manchmal verzweifel ich komplett und schreibe auch mal - vorsicht, True Story! - die SMS "Ist das Album gut?" aus voller Verzweiflung an Künstler, deren Meinung mir wichtig ist. (Die SMS ging übrigens an Tua. Die Antwort-SMS bleibt aber vorbehalten. Fragt Tua selbst, wie er es findet.)

Auf "KIDS" dominiert die Melancholie. Wenden Sie sich damit bewusst von all dem ab, für was Sie in der öffentlichen Wahrnehmung im Duett mit Plan B oder auch als Mitglied der Orsons stehen? Oder sehen Sie die Melancholie auf "KIDS" als nachvollziehbare logische Konsequenz Ihres bisherigen Schaffens?
Für mich ist das absolut logisch. Hören Sie sich meine Tracks auf meinem ersten offiziellen Release "Dayz of the Championz" an. Da kann man sehr schön sehen, was mein musikalischer Ursprung ist. Und auch davor gab es z.B. das nie releaste "Oase" Album, das noch viel menschenverachtender und melancholischer als KIDS war. Oder auch "Kunst über Vernunft". Oder oder... Maeckes & Plan B oder auch die Orsons, waren immer schon das Gegengewicht zu meiner eigenen Musik. Der Fokus nach außen war nur verträglicher. Jetzt ist es pur. Manch ein M&P-Fan wird das nicht glücklich machen, aber dafür macht es einen Maeckes glücklich.

Es fällt auf, dass Sie auf "KIDS" keine Gäste aus dem Chimperator-Umfeld beherbergen. War dies von Anfang an eine bewusste Entscheidung oder ergab sich dies während des Produktionsprozesses?
Die Beats sind hauptsächlich vom Chimperator-Produzenteam BeatEmUp, KAAS macht die Hook auf "Seifenblasen platzen nie", die Orsons helfen mir auf "4 Uhr nachts" aus, relativ früh hab ich Tua ins Studio eingeladen um weitere Ideen für einen stimmigen Sound zu bekommen, Celina hat Chöre reingehackt, etc etc. Was ich damit sagen will, alle sind mit von der Partie, es steht nur nicht außen drauf.

Dafür haben Sie mit Saul Williams in Übersee einen überaus passenden Mitstreiter gefunden. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit?
Saul war für eine Lesung seines Buches ",said the Shotgun to the Head" in Stuttgart und wollte einen Rapchor vor Ort haben. Plan B und ich waren mit von der Partie. Wir hingen alle ein paar Tage während der Proben in Stuttgart rum, und da wir alle Musiker sind, sind wir natürlich auch ins Studio gegangen. Und dann hat Saul über einen meiner Beats aufgenommen, ich bin VERRÜCKT GEWORDEN, komplett ausgeflippt und ich fühle mich auch nach wie vor sehr geehrt.

Chimperator ist mittlerweile berüchtigt für unübliche Wege bei der Vermarktung seiner Produkte. So erschien nun eine Woche vor der Veröffentlichung von "KIDS" mit "Ich muss gehen" eine vierte Videoauskopplung aus dem kostenfreien Vorgänger "null". Wäre eine zeitigere Veröffentlichung eines Videos zur ersten Album-Auskopplung "Graustufenregenbogen" nicht sinnvoller gewesen? Warum dieses doch etwas unübliche Vorgehen?
Neue Wege sind der Weg: „null“ gehört mit zu KIDS, die „null“ Songs kennen die Leute schon und hassen oder lieben sie. Wie man bei „ich muss gehen“, einer absoluten Anti-Single, und MTV Urban gesehen hat – dort sind wir direkt auf Platz 1 eingestiegen - funktioniert das Konzept gut. Das Video zu „Graustufenregenbogen“ wird heute, am Montag, also eine Woche vor Release bei allen Sendern eingereicht. Das ist übrigens sehr schön geworden. Das beste Chimperator Video bis jetzt. Ich denk mal direkt zum Release-Tag wird das dann zu sehen sein.

"null" wurde mit insgesamt vier Videos bedacht. Mit wie vielen "KIDS"-Videos darf der geneigte Fan rechnen? Bitte nennen Sie möglichst geplante Titel und nicht nur eine Zahl!
Erstmal mit einem. Vielleicht auch ein zweites oder Drittes. Titel gibts noch keine.

In meinem Gespräch mit Sebastian Andrej Schweizer kam auch die wachsende Erwartungshaltung an den kommerziellen Erfolg von Produkten aus dem Hause Chimperator zur Sprache. Nun liegt es also an Ihnen, den Erfolg des letzten Orsons-Albums zu übertreffen. Wirkt diese Erwartungshaltung eher lähmend oder motivierend?
Es motiviert. Aber ich muss ehrlich gestehen, dass mir persönlich Chartplatzierungen gar nicht so wichtig sind. Meine Erwartungshaltung richtet sich nicht an den wirtschaftlichen Erfolg nach außen, sondern eher nach innen. Ich will, dass KIDS erfolgreich wird, um somit das Vertrauen, das die Chimperator Jungs in mich und dieses Album haben, in Form von Erfolg zurück zu schenken. Vielen ist das gar nicht bewusst, aber selbst im Deutschrap läuft alles zunehmend nach dem Blockbusterprizip. Das was schon mal funktioniert hat, einfach noch Mal machen. Experimente sind da ab einer bestimmten Größe nicht mehr drin, da man ja sein Überleben sichern muss. Und wenn ein Label sich in solchen Zeiten hinter so ein Album stellt, bei dem man nicht abschätzen kann, wie gut es funktioniert, das zeichnet Chimperator aus und das will ich auch belohnt wissen.

In den letzten Jahren sind Sie unglaublich viel auf Tua. Wie schaffen Sie es, dennoch einen quantitativ und qualitativ derart beträchtlichen Output zu produzieren?
Sie werden dieses schlechten Wortspiels wohl niemals müde...aber die Antwort könnte sein: Ich ertrag die Menschen nicht auf Dauer. Und Musik ist die Zuflucht. Vielleicht deswegen, ich weiß nicht..

Anlässlich des elfjährigen Labeljubiläums waren Sie Anfang des Jahres mit Plan B, Tua, Kaas, Kodimey und Vasee auf Konzertreise. Auch ich durfte in Reutlingen einem der ausgezeichneten Auftritte beiwohnen. Wie zufrieden waren Sie im Großen und Ganzen mit der Tour, den Zuschauerzahlen und den Publikumsreaktionen?
Die Tour war unfassbar schön, wie ein Familienausflug, die Zuschauerzahlen haben mir persönlich ein bisschen zu sehr geschwankt, aber das Publikum bestand durchwegs aus den besten Menschen der Welt.

Noch eine abschließende Frage: Gibt es einen Plan B, falls es mit der Solokarriere nicht klappt?
So weit plane ich niemals voraus...
(Dieses Wortspiel war übrigens um einiges besser als das vorhin.)

Ich bedanke mich recht herzlich für das Gespräch und wünsche Ihnen viel Erfolg mit "KIDS"!
Vielen Dank.

Kommentare:

  1. das album stellt alle andern alben der letzten jahre total in den schatten! meisterwerk.

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  2. hmm natürlich hab ich auch einige tracks von mckes in meiner dauerschleife,manches von morlokk, Banjo, Pimpulsiv, Mädness und wie sie alle heissen...
    Aber aus einem anfall schwerer Melancholie (ka warum mir derzeit 90% der Musik die ich immer gehört habe, auf die nerven geht) fordere ich wieder mal neigkeiten von Patrick mit Absicht lesen zu können^^Und bitte nicht nur die Aussicht auf features...:( (;))

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