Herr Merkt spricht mit HipHop: Tua


Verehrte Leserinnen und Leser,
anlässlich der anstehenden Veröffentlichung von "Stille" hatte ich die Möglichkeit mit Reutlingens Tua ein Interview zu führen. Erfahren Sie hier alles über die Veröffentlichung, neue Geschäftsmodelle, Wortassoziationsspiele und Tuas Status bei Chimperator!

Guten Tag. Zunächst einmal möchte ich mich im Namen meiner Anhängerinnen und Anhänger dafür bedanken, dass Sie sich die Zeit nehmen, die nachfolgenden Fragen zu beantworten!
Tach. Immer gern.


Am 11.02.2010 erscheint "Stille" in limitierter Auflage. Ich möchte nicht, dass hier der Eindruck entsteht, ich hätte mich nicht auf dieses Interview vorbereitet, jedoch möchte ich Sie im Sinne der traditionellen Rollenverteilung bei Interviews höflichst darum bitten, meinen Fans zu erzählen, was es mit Ihrer neuesten Veröffentlichung auf sich hat?
Also dieses Release ist eine Zusammenführung von dem 2008er Release „Inzwischen“ und der Free EP „Fast“ sowie diversen Exclusives und ein paar bisher unveröffentlichten Tracks. Ich war immer unzufrieden mit dem Rahmen in dem diese Musik damals stattfand. Ich bin froh, dass die Jungs von Chimperator mir jetzt die Möglichkeit geben, das zu korrigieren. Dadurch, dass das jetzt im Rahmen eines Albums erscheint, wird deutlich, wie stringent meine Musik damals war. Das ging verloren, weil die Songs so durcheinander erschienen, der eine bei der Juice, der andere als Free-Track, wieder ein anderer auf einer dubiosen DLX-Splash CD und so weiter. Jetzt stehen sie in einem korrekten Zusammenhang zueinander und komplettieren im Nachhinein mein Schaffen zwischen 2006 und 2009.

Die beiden EPs "Inzwischen" und "Fast", die nun zu "Stille" zusammengefasst wurden, entstanden noch vor "Grau" und führten ihrerzeit gekonnt die melancholische Atmosphäre Ihres Debutalbums ein. Inwieweit repräsentieren diese beiden EPs noch immer Ihren musikalischen Horizont? Inwieweit hat sich Ihr Sound in den vergangenen Wochen und Monaten weiterentwickelt?
Naja, eigentlich war das anders. Die EPs haben die Schaffensphase zwischen dem 2005er Debutalbum „Nacht“, damals noch auf Royal Bunker und „Grau“ gezeigt. Und das tut jetzt auch Stille, aber eben in besserer Form. Mein Sound hat sich aber natürlich weiterentwickelt. Sicherlich würde ich viele Sachen heute anders machen als auf „Stille“, grade so Songs wie „Es ist OK“ würde ich heute sicherlich inhaltlich nicht mehr schreiben. Ich hab auch überlegt, das runterzunehmen, aber dann dachte ich: Scheiß drauf, das war eben die Zeit. Da war mein Kopf noch viel Streetmäßiger und es wäre falsch, da jetzt Kapitel auszusparen. Egal, ob ich das jetzt noch feier oder nicht. Die letzten Monate habe ich, abgesehen von dem Orsonskram, das ja eh nur zu einem gewissen Grad „ich“ bin, viel an meinem Elektroalbum gearbeitet und mich dadurch auch Soundmäßig sicherlich weiterentwickelt. Wie genau, das werdet ihr auf kommenden Veröffentlichungen hören.

"Stille" ist auf 500 Stück limitiert. Haben Sie sich bereits einmal überlegt, 10-20 Exemplare der Veröffentlichung zurückzuhalten, um diese im hohen Alter für teures Geld auf eBay zu verhökern?
Haha, nee bis jetzt nicht, aber gute Geschäftsidee. Danke. Ich geh dann mal kurz 20 Dinger verstecken.

Für "Grau" erhielten Sie im vergangenen Jahr nicht nur von meiner Seite umwerfende Rückmeldungen. Unglücklicherweise konnte der enorme Zuspruch von Teilen der Szene nicht in entsprechende Verkaufszahlen übersetzt werden. Noch vor zehn Jahren wären Sie mit solch einer Resonanz ein wohlhabender Mann gewesen. Ärgern Sie sich manchmal über Ihr Timing?
Ach die Verkaufszahlen waren für den Status schon OK. Ich wäre gern damit in die Charts gegangen, aber es hat eben nicht sollen sein. Mit Kaas und den Orsons hat’s ja dann geklappt. Was das Timing betrifft, ich rege mich da nicht unnötig auf. Wir haben letztens mal darüber geredet, ich weiß nicht mehr genau mit wem, war‘s mit Maeckes? Ist auch egal, jedenfalls ist es bei meiner Generation Künstler ja so, dass wir mit dieser „Flaute“ groß geworden sind. Als das Musikgeschäft noch in den fetten Jahren war, waren wir noch nicht so weit am Start, dass wir da am großen Geld geschnuppert hätten. Insofern ist es auch nicht so schlimm, wir sind es ja irgendwie gewöhnt. Ätzender muss es sein, wenn man das gewöhnt war und nun komplett umdenken muss. Ich freu mich eher über alles was kommt. 2009 war auch finanziell nicht mehr so scheiße wie die Jahre davor. Es geht immer besser und darüber freu ich mich. Ich denke, wir sollten diese „Dürreperiode“ als Chance sehen, schließlich wird die Konkurrenz dadurch kleiner und man kommt gewissermaßen auch schneller voran. Was den Zuspruch aus der Szene betrifft, da hab ich mich stellenweise echt gefreut. Eine coole Aktion fand ich die von PA Sports. Anfang des Jahres dachte ich noch, dass er eine große Missgeburt sein muss, da ging es kurz hin und her zwischen uns. Dann hat sich das im Nichts verlaufen. Später habe ich dann ein Interview von ihm gelesen, wo er das zurückgenommen hat und mich für Grau gelobt hat. Das fand ich Hammer, da hat sich für mich gezeigt, dass er cool sein muss. Er meinte, ey ich hab noch nie was von dem gehört und den einfach so gedisst. So ne Aktionen find ich ziemlich behindert. Dann hat er sich das Album aber angehört, fand es gut und war dann auch einfach cool genug, das auch zuzugeben. Respekt. Ich hab mir daraufhin mal Sachen von ihm angehört und auch vieles gefunden, was ich gut fand.

Nach den bezaubernden Reaktionen auf "Grau" wurde voller Tatendrang die unmittelbar anstehende Veröffentlichung von "Graue Musik" angekündigt. Was ist daraus geworden? Wird "Graue Musik" zum deutschen "Detox"?
Ach ja. Diese Geschichte. Ich wollte Graue Musik als Schnellschuss noch raus hauen, um noch mal bisschen Aufmerksamkeit auf Grau zu lenken. Dann hab ich angefangen, mich da reinzuarbeiten, in diese ganze Instrumentalgeschichte. Das hat dann meinen Ehrgeiz geweckt und aus dem Konzept, da nur mehr oder weniger die Beats von Grau noch mal rauszuhauen, ist viel mehr geworden. Anfangs war das noch mehr Effektballerei und bisschen Produzenten-Eier-Raushängen, dann habe ich mich aber tiefer reingearbeitet und eben gemerkt, wie anders der Prozess ist, wenn ein Instrumental ganz alleine funktionieren muss. Man muss den Songs irgendwie einen „Grund“ geben, sie dürfen nicht belanglos sein. Es geht mehrere Stufen weiter, als ein Beat, auf den noch gerappt oder gesungen wird. Man hört eben nicht irgendwann auf und sagt: Also, jetzt kommen hier noch die Stimmen drauf und dann ist das komplett, sondern ich habe da jedes mal den Kampf bis zum bitteren Ende ( acht). Ich bereue das jetzt auch stark, das so früh angekündigt zu haben, anstatt in aller Ruhe da drehen zu können, aber jetzt ist es nun mal so. Ich werde versuchen, dafür ein Label zu finden, das im Bereich dieser Musik am Start ist. Ihr wisst ja, wie das läuft. Dauert hundert Jahre. Sorry.

Nach dem Ende von Deluxe Records schien aufgrund Ihrer intensiven gemeinsamen Tuaaktivitäten mit Künstlern aus dem Chimperator-Aufgebot ein Wechsel zu den Stuttgartern vorgezeichnet. Nun erscheint nach den beiden Orsons-Alben auch "Stille" offiziell über das Label. Auf chimperator.de werden Sie jedoch noch nicht offiziell als Solokünstler geführt. Daher frage ich im Namen aller interessierten Labels: sind Sie noch zu haben?
Naja, also die nächsten Projekte werde ich mit Chimperator machen, abgesehen mal von dem Elektrozeug. Ich sehe derzeit auch keinen Grund, dieses Team, was sich jetzt über die letzten Jahre durch die ganzen Touren, gemeinsamen Projekte und teilweise schwierigen Zeiten entwickelt hat zu verlassen. Das ist eben nicht so wie bei den anderen Labels, wo ich bisher war. Alle Leute die da am Start sind kennen sich schon lange. Das ist kein klassisches Label. Klar wollen wir alle Geld verdienen, aber ohne ein gutes Verhältnis zueinander geht bei Chimperator nichts und meiner Erfahrung nach ist das auch gut so. Ich fühl mich da sehr wohl. Außerdem sind dort mehrere großartige Künstler am Start, von denen ich überzeugt bin, dass sie noch viele Jahre erfolgreich gute Musik machen werden.

Auf welche Lebenszeichen dürfen sich meine Anhängerinnen und Anhänger neben "Stille" und "Graue Musik" noch freuen? Bestehen eventuell Ambitionen, mit Ihren unstrittig musikalischen Produktionen den Massenmarkt abseits der HipHop-Szene zu erobern?
Also wenn ich von „Graue Musik“ was gelernt habe, dann dass ich nicht mehr vorschnell halbgare Sachen ankündigen werde.

Zum Abschluss darf ich Ihnen noch ein lustiges Wort-Assoziationsspiel vorschlagen. Ich nenne Ihnen ein Wort und Sie artikulieren Ihre Gedanken dazu.
Bass? Kaas‘
Sultan? bester
Hengzt? Freund
Thermoskanne? Was zum Fick willst du von mir?
Wort-Assoziationsspiele? Noch nie sowas behindertes… ach ach ach.

Ich bedanke mich für das Interview und wünsche Ihnen für Ihren weiteren musikalischen Werdegang viel Erfolg. Nun haben Sie die Möglichkeit, meinen Leserinnen und Lesern noch etwas mit auf den Weg zu gehen.
Danke auch. Leute, kommt zur 11 Jahre Chimperator Tour, die Dates findet ihr auf chimperator.de, dort gibt es auch ein neues Shirt von mir. Kauft außerdem alles was von Maeckes kommt, der ist ein geiler Künstler. Danke außerdem an alle, die zu Konzerten gehen, Musik auch kaufen und in irgendeiner Form dafür aktiv sind. Ohne euch können wir einpacken.

Kommentare:

  1. NichtDerRedeWert28. Januar 2010 um 13:54

    Sehr nettes Interview

    freu mich extremst auf graue musik

    stille wird bestellt! t-shirt sieht auch gut aus

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  2. "stille" ist bestellt, wie Leichenwaagen! !

    grüße aus Duisburg

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  3. Für mehr Infos checkt :
    www.FORUM.CHIMPERATOR.de

    LET THE MONKEY OUT!

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