Die Orsons - Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit, in Ewigkeit, Orsons (Review)

Nachdem man sich auf dem gemeinsamen Erstling "Das Album" noch dem arg kurzlebigen Klamauk verschrieb, zeigen sich die Orsons auf ihrem opulent mit "Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit, in Ewigkeit, Orsons" betitelten Zweitwerk auf den ersten Blick deutlich nachhaltiger. Anstelle von offensichtlich originellen Geschichten wie "Die Orsons baden im Weiher" und "Die Orsons bauen eine Schaukel" tritt ein fein subtiler Hintersinn in den Vordergrund, der Tracks wie "Beatles Piraten" und "Die Kommandospitze des Glücks" auszeichnet. Damit tut sich das Quartett rund um die Reutlinger Tua und Kaas, sowie die Stuttgarter Maeckes und Plan B einen großen Gefallen, da die einzelnen Tracks hierdurch länger interessant bleiben als dies noch beim Erstling der Fall war. Gleichwenn die eingangs erläuterten Veränderungen auf den ersten Blick einschneidend erscheinen, ändert sich auch auf "Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit, in Ewigkeit, Orsons" nichts an der grundlegenden Attitüde, die die Orsons seit Anbeginn ihrer Existenz als Kollektiv auszeichnete. Während man weiterhin konsequent die inhaltlichen Grenzen des Deutschrap-Genres sprengt (z.B. "Zum Mond" unde "Kim Kwang Seok"), zeigt man sich auch auf musikalischer Ebene weit experimentierfreudiger als auf dem Vorgänger. So wird auf dem international beachteten "Souljah Boy" mit erfrischender Selbstverständlichkeit die Akustikgitarre ausgepackt, nur um auf "Die Kommandospitze des Glücks" während der Raps einen wunderbar minimalistischen Stampfer zu kredenzen, der zum Ende in Geigenspiel mündet. Ebenfalls unbedingt ans Herz legen darf ich Ihnen das NDW-geschwängerte "Nie wieder Schule", welches leichtfüßig in den Gehörgang einfährt, um dort langfristig für gute Laune zu sorgen. Weiter sollten Sie auch die beiden Tracks "4PigsAquaCadillacStill" und "Ode an die Fans" beachten, die einerseits retrospektiv das Leben auf Tua beschreiben und anderseits eine Danksagung an treue Ventilatoren darstellen. Groß! Mit "Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit, in Ewigkeit, Orsons" trotz (oder wegen?) etlicher (schräger) Gesangseinlagen ein hervorragendes Album, welches vor allem bezüglich der erwartbaren Nachhaltigkeit eine klare Steigerung im Vergleich zum Vorgänger erkennen lässt, der seinerzeit an dieser Stelle aufgrund einer anfänglichen Euphorie leicht überbewertet wurde. Unterstützen Sie positiven HipHop! Wertung: 5/6

Kommentare:

  1. "Danksagung an treue Ventilatoren"
    Was doch so alles bei rauskommt, wenn man die oft verwendeten Anglizismen einfach mal übersetzt.
    Wort hoch!
    Mx3

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  2. Moin Moin.

    Mal wieder ne richtig schöne Besprechung, der ich ooch nur zustimmen kann. Werde mir meine sparen & auf dich verweisen :).

    Rock on!

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  3. @ Anonym 1:
    Naja aber da ist Fan ja eine Abkürzung für "fanatic" bzw. den deutschen "Fanatiker".
    Wenn man einfach vergisst, dass es sowas wie einen Kontext gibt könnte man ein ganzes Album mit solchen Dingen pflastern - aber in punkto Ventilator und Fan ists eigentlich eher unangebracht auf die beängstigenden allgemeinen Sprachkenntnisse zu verweisen.

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  4. top album. liebe es!!!!

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