Letten im Weltall - In Vodka veritas (Review)

Nach einem ordentlichen Erstling mit Steigerungspotential ("Zum Abschuss bereit") holen sich die beiden Letten Fizzy Fresh und EPS den Schwaben mile ins Boot, um das Bandprojekt "Letten im Weltall" fortan als Trio fortzuführen. Erstes Resultat dieser Zusammenarbeit ist das Album "In Vodka veritas" - im Wodka liegt die Wahrheit. Wer nun ob der Kombination aus Bandnamen und Albumtitel mit dem nächsten großen Wurf aus der Spaßrapfraktion rund um K.I.Z., Frauenarzt und Waes & Upset rechnet, liegt jedoch denkbar falsch. Auch auf ihrem zweiten Album bleiben die Letten im Weltall ihrem traditionellen Weg treu und liefern ordentliches Handwerk, dem eher Rückwärts- als Vorwärtsgewandtheit zu bescheinigen ist. Anstatt neue Räder zu erfinden, scheint man sich im beschaulichen Freiburg zumindest musikalisch auf das Wesentliche zu besinnen - das Urrad. Mit handwerklich sauberen Produktionen von Gleichgesinnten wie Agent Dan und DJ Czukles, sowie Fizzy Fresh und mile selbst erschaffen sich die Letten einen sampleschwangeren Klangteppich, auf dem die Letten zumeist Gehaltvolles zum Besten geben. Als Glanzlicher dieser Kategorie sind das reichlich abstrakte "Koordination", das bewegende "Post für dich" und "Write about" zu nennen, in dem die Letten an der Seite von Mars MC nachvollziehbar realistisch das tägliche Leiden eines zeitdeprivierten Freizeitmusikers schildern. Auch das Handwerk der Selbstauf- und Fremdabwertung scheinen die Letten zu beherrschen, wie sie in "Gonna getcha" und "Knochenbrecher" unter Beweis stellen. Dabei hat in dieser Kategorie "Knochenbrecher" ob der druckvolleren Instrumentierung leicht die Nase vorne. Spaßig wird es hingegen auf den gewollt zweideutigen "Jeden Tag ne andere I", "Jeden Tag ne andere II" und "Jeden Tag ne andere III", sowie auf "Krawattenkrawalle", welches sich nach meinem Verständnis indirekt mit der weltweiten Bankenkrise beschäftigt (Anmerkung der Redaktion: Ich lasse mich gerne durch feindselige Kommentare eines besseren belehren.). miles Solo "Schwänze hoch" dürfte zwar seine Funktion als Gangbang-Party-Animation gewollt verfehlen, stellt dafür jedoch eine Partyhymne klassischen Zuschnittes dar, die live wunderbar funktionieren dürfte. Neben obig benannten Tracks, die sich hauptsächlich im oberen Mittelfeld bewegen, gibt es auf "In Vodka veritas" auch den ein oder anderen Ausreißer in die entgegengesetzte Richtung zu verzeichnen. Beispielsweise beginnt das Album denkbar ungünstig mit einem vernachlässigbaren "Intro" und dem schlechtesten Albumtrack in Form von "Wo ist Lettland", bevor das großartige "Koordination" den bedauernswerten Kritiker erlöst. Alles in allem hätte es "In Vodka veritas" jedoch sichtlich gut getan, wenn man entsprechend miles wundervoll fortschrittlicher Strophe auf der Old- vs. Newschool-Hymne "So oder so" anstatt "geistigen Headspins" ein wenig mehr Experimentierfreude gezeigt hätte. Vielleicht ja beim nächsten Album. "Herr Merkt spricht über HipHop" harrt der Dinge, die da kommen! Wertung: 3,5/6

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