Herr Merkt hilft: Wissenschaft

Verehrte Leserinnen und Leser,
in der aktuellen Ausgabe von "Herr Merkt hilft" möchte ich versuchen, Ihnen die Prozesse der Wissenschaft zu erklären, indem ich einige Parallelen zur geliebten HipHop-Szene aufzeige.

Nachdem sich der angehende Wissenschaftler eines erfolgreichen Studienabschlusses erfreuen kann, soll er im Rahmen einer Promotion seine Befähigung zur eigenständigen Forschung unter Beweis stellen. Im Rahmen dieser Promotion gilt es eine Dissertation - kurz "Diss" - anzufertigen. Auch im HipHop ist es nicht unüblich, seinen Namen durch einen werbewirksamen "Diss" ins Spiel zu bringen. Als Beispiel wären an dieser Stelle Bushido oder Shok Muzik zu nennen. Wie die Beispiele wunderbar aufzeigen, klappt das mit der "Diss" mal mehr und mal weniger gut.

Mit der erfolgreichen Promotion erlangt der Nachwuchswissenschaftler den Doktortitel und konnte nachweisen, dass er zur eigenständigen Forschung befähigt ist. Verfügt der Wissenschaftler nach der Promotion über keine feste Stelle (vgl. Plattenvertrag), so gilt es, bei Drittmittelgebern wie zum Beispiel der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) Gelder zu akquirieren (vgl. Demos verschicken).

Wenn schlussendlich die benötigten Gelder vorliegen bzw. bewilligt wurden, macht sich der Wissenschaftler mit der freundlichen Unterstützung von Vorgesetzten, Kollegen und Hilfskräften (vgl. A&R, Features und Produzenten) an die Arbeit. Obwohl jedes Glied dieser Kette stets darum bemüht ist, hohe wissenschaftliche Standards zu bedienen, fallen Durchführung und Ergebnis wissenschaftlicher Arbeiten bezüglich der Qualität durchaus gemischt aus (vgl. "Sexismus gegen rechts" vs. "Kapitel 1: Zeit für was echtes").

Nachdem die Ergebnisse der Studie vorliegen, versucht der Wissenschaftler, diese in Form eines Aufsatzes in sogenannten referierten Journals zu veröffentlichen (vgl. gepresste CDs). Um die Qualität der Publikationen zu sichern werden darin jedoch nur Aufsätze veröffentlicht, die von anonymen Reviewern als qualitativ hochwertig durchgewunken werden. Während diese Kontrollinstanz in der HipHop-Szene für lange Zeit fehlte, scheint aufgrund finanzieller Engpässe seitens der Plattenindustrie zumindest wieder eine stärkere Selektion zu pressender Platten vorliegen, gleichwenn diese teilweise zweifelhaft ausfällt. Natürlich steht es sowohl abglehnten Wissenschaftlern, als auch abgelehnten Künstlern frei, ihre Arbeitsergebnisse kostenfrei im Internet zu verbreiten, wobei diese zumeist mit entsprechender Vorsicht zu genießen sind.

Der Versuch, die eigenen Arbeitsergebnisse in einem referierten Journal unterzubringen wird in den meisten Fällen von dem Besuch verschiedener Konferenzen flankiert, bei denen die eigene Arbeit in Form eines Vortrages oder eines Posters vorgestellt wird. Dabei gilt es, die eigene Forschung in ein gutes Licht zu rücken und positiv darzustellen. Damit ist diese Phase wissenschaftlicher Arbeit mit einer (Festival-)Tour oder Interviews zu vergleichen. Selbstverständlich kann die auf Konferenzen vertretene Meinung zur eigenen Arbeit bei späteren Gelegenheiten wieder revidiert werden (vgl. Eko über L.O.V.E.).

Die gesamte akademische Karriere wird von der stetigen Notwendigkeit begleitet, die Wurzeln seiner eigenen Arbeit zu kennen. Im Gegensatz zur HipHop-Szene geht es dabei jedoch weniger darum, es "echt zu halten", sondern vielmehr darum, seine Forschungshypothesen sinnvoll herzuleiten. Unbeachtet der Begründung dieser Notwendigkeit, erhöht die Erfüllung dieser Voraussetzung in beiden Disziplinen die Akzeptanz in der jeweiligen Community!

"Was mich an Deutschland ankotzt, wenn jeder Spast aus Rap 'ne Wissenschaft macht!" (Stieber Twins, 2000)

Referenzen: Stieber Twins (2000). Vers 3. In D.J. Tomekk (Hrsg.), Ich lebe für HipHop. Berlin: Sony Music.

Bitte beachten Sie, dass diese Ausführungen keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben und eingedenk der Unterhaltungsabsicht punktuell vereinfacht wurden!


Ich bedanke mich bei meinem Kollegen Courtmasta für den freundlichen Hinweis auf das Stieber Twins-Zitat!

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