Hiob & Dilemma - Apokalypse jetzt! (Review)

Während bei früheren Veröffentlichungen aus dem Hause Hiob und Dilemma die Apokalypse bei Namensgebung und Grundstimmung stets implizit mitschwang, bringt es die Berlin-Leipzig-Achse mit Ihrem Einstand auf Spoken View explizit auf den Punkt: die Apokalypse ist jetzt! Anstatt ob des bevorstehenden, selbst verschuldeten Untergangs ("Bastard Homo sapiens") in Selbstmitleid zu versinken, laufen die beiden Protagonisten getragen von düsteren Produktionen von Hieronymuz, Dexter, Tillevision und Dilemma jedoch zu lyrischer Höchstform auf. Auf insgesamt 19 Anspielstationen servieren Hiob und Dilemma bitterböse Vergleiche, die sie mit gleichgepoltem Humor und bewährtem Stakkatoflow, der vor allem Dilemma zu einem aufstrebenden Stern der nationalen HipHop-Szene werden ließ, in das Gehirn des Rezipienten pressen. Dort verbinden sich Bilder von einarmigen Rollstuhlfahrern ("Manifest") und Telefonüberwachung ("BRD") zum postapokalyptischen Horrorszenario in niedergebrannten Sozialbauten, in denen das überlebende Proletariat Steine werfend seiner Wut gegen das Establishment Ausdruck verleiht. Gastbeiträge von Geistesbrüdern wie Audio88, Absztrakkt, Ruffkid, Asek und Mike Fiction ordnen sich dabei passgenau in das Gesamtgefüge ein und tragen somit einen guten Teil zur Homogenität des Tonträgers bei, was eine Identifikation einzelner Glanzlichter ungemein erschwert. Der interessierte, unentschlossene Leser wird wohl durch Stücke wie "Mutter der Huren", "M.V.H." oder "Manifest" einen bestmöglichen Zugang zum Album finden. Einerseits ist "Apokalypse jetzt" düster, beängstigend und bitterböse. Andererseits ist das vorliegende Werk ein Manifest zweier hervorragender MCs, die sich von Veröffentlichung zu Veröffentlichung bishin zur technischen Perfektion steigern und dazu dank individuellem Stil über jede Menge Wiedererkennungswert verfügen. Ein grandioses Gesamtkunstwerk. Ich bin ein Ventilator! Wertung: 5,5/6

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