Dr. Knarf - Wie ich flieg EP (Review)

Dr. Knarf ist gleich in zweierlei Hinsicht ein gutes Beispiel dafür, dass man als Ex-Knasti auch über andere Optionen verfügt, als für das eigene Talent viel zu gute Produktionen mit schlechter Grammatik und kognitivem Müll zu vergewaltigen. Einerseits setzte Kniwo nicht alles auf eine Karte und begann neben seiner Rapkarriere ein erfolgsträchtiges Studium, andererseits versteht der zugezogene Kölner sein Handwerk und überzeugt mit intelligenten Songkonzepten und einem individuellen Rapstil mit Wiedererkennungswert - unter anderem nachzuhören auf "Tash pt. 2". Mit der "Wie ich flieg"-EP liegt nun ein sieben Anspielstationen starker Tonträger vor, der das Album "H.K.I.C. - Kniwolution" anpreisen soll und mit dem Titeltrack "Wie ich flieg" gleichzeitig als erste Single-Auskopplung des besagten Albums fungiert. Eben jener Track stellt die Gleichheit der Bürger in den Fängen der Justiz in Frage und schießt anstatt gegen Kollegen wie Bushido und Fler gegen verwerflich handelnde Politiker wie Gerhard Schröder und Manfred Kanther. Ein weiterer Höhepunkt der EP liegt in Form von "Acht Takte" vor, wo Dr. Knarf das beklemmende Gefühl des Freiheitsentzugs thematisiert und dabei abstrakt genug bleibt, um auch Identifikationsmöglichkeiten für Mitbürger ohne Knasterfahrung anzubieten. Ein Wachser! Wer "Wie ich flieg" anhand der bisherigen Ausführungen in die Schublade "Emo-Rap" schieben möchte, der irrt gewaltig. So liefert Kniwo mit "Jagdsaison" ein 10-minütiges Alliterations-Massaker, welches aufgrund seines gigantischen Umfangs nicht konsequent durchgehalten wird, dadurch jedoch in keinster Weise minder spektakulär ausfällt. "Trink ne Milch" erinnert im Remix an einen jungen Olli Banjo ("Scheiße und pervers") und kommt nach der humorvollen Schilderung unglücklich verlaufender Rauschzustände über einen verspielten Beat zu der Schlussfolgerung, dem harten Alkohol wohl besser abzuschwören. Nicht weniger humorvoll fällt die Darstellung des schwankenden Deutschrap-Status-Quo auf dem bereits bekannten "Rap Superstar" aus. Im Kontext der obig beschriebenen Nummern wirkt "Tag für Tag" nach meinem Dafürhalten etwas unspektakulär und "OK" aufgrund der Drogendealer-Thematik gar reichlich deplaziert (Fiktion hin oder her). Dennoch hinterlässt Dr. Knarf mit "Wie ich flieg" einen ordentlichen Eindruck und erzeugt Lust auf mehr. An der Masse des geplanten Outputs sollte die Erfüllung dieses Verlangens nicht scheitern. Halten Sie die Augen offen! Wertung: 4,5/6

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