Tua - Grau (Review)

Trotz einem vernachlässigbaren Rückschlag auf der ersten Ausgabe der "Feuer über Deutschland"-DVD-Reihe steht der Name Tua seit der Veröffentlichung seines Straßenalbums "Nacht" über RoyalBunker für Qualität. Waren zu Beginn seiner Karriere noch atemberaubende Doppelzeitabfahrten das Markenzeichen des Reutlingers, rückten diese mit der zunehmenden Etablierung eines düsteren und melancholischen Klangbildes auf den Veröffentlichungen Tuas immer weiter in den Hintergrund. Auch "Grau" reiht sich diesbezüglich in den mit den beiden EPs "Inzwischen" und "Fast" eingeschlagenen Weg ein. So werden die 15 Anspielstationen des Albums von einer melancholischen Grundstimmung getragen, die sich perfekt mit Tuas fesselnden Ausführungen ergänzt. An erster Stelle ist in diesem Zusammenhang das dramaturgisch hervorragend inszenierte "Ohne Titel" zu nennen. Darauf beschreibt Tua in einer erschreckend nachvollziehbaren Art und Weise die Geschehnisse zwischen ungewollter Empfängnis und Abtreibung und lässt verstörte Rezipienten zurück, die sich dabei ertappen, dieses Meisterwerk wieder und wieder zu hören. Nur unwesentlich weniger überzeugend fällt der an Ambiguität kaum zu übertreffende Blog-Hit "MDMA" aus, der sich auf musikalischer Ebene bei Felselementen bedient, die passgenau in das Gesamtbild des Albums integriert werden. Weiter sind auch Nummern wie das selbstkritische "Für immer", das bildliche "Bilder", die Animations-Hymne "Bruder" mit Vasee und das "Problem mit Kool Savas" unbedingt empfehlenswert und machen "Grau" zu einem sicheren Schuss der nicht mehr ganz so jungen Spielzeit 2009. Nicht zuletzt die Tatsache, dass Tua selbst für alle Produktionen verantwortlich zeichnet, trägt dazu bei, dass "Grau" ein in sich stimmiges Meisterwerk darstellt, bei dem alles genau dort sitzt, wo es hingehört. So liefert der Reutlinger in Form von "Grau" einen zeitlosen Klassiker ab, dessen wahre Größe und Relevanz für die musikalische Emanzipation HipHops deutscher Machart erst mit einer gewissen Distanz zur Veröffentlichung offensichtlich wird. Selten hat der deutsche HipHop eine derart musikalische Produktion erlebt, die verschiedenste musikalische Einflüsse derart souverän assimiliert und gekonnt in ein homogenes Gesamtwerk integriert, welches in einer gerechten Welt weit über die HipHop-Szene hinaus für Aufruhr sorgen würde. Ein Meilenstein deutschsprachiger Musik! Wertung: 6/6

Kommentare:

  1. Meine Rede. Der Junge hat Hunger und traut sich was. Sehr schön war auch das Interview mit Falk, in dem er noch einmal deutlich macht, dass Rap nur noch Mittel zum Zweck ist, also er nicht viel von Diskussionen um unsaubere Reime oder fehlende Doppelreime hält. Kann man so unterschreiben.

    Sehr schönes Review. Und jetzt Huss und Hodn-Livestream gucken...

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  2. super review, genau meine meinung.
    übrigens haste bei "Problem mit Kool Savas" die gänsefüsschen falsch gesetzt :D
    kann man falsch verstehen, ansonsten top.
    schöne grüße

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  3. Sie sprechen mir aus der Seele - Herr Merkt!
    Dieses Album ist das beste seit ..... keine Ahnung.

    Dieses Album zieht einen in einen Bann. Es verströmt eine Stimmung, eine Atmosphäre, die sich am besten mit einem Wort beschreiben lässt: Grau!

    Es ist ein Jammer, dass dieses Werk nicht gechartet ist und eigentlich müsste sich die Bundesstelle für Kultur dafür einsetzen, dass einige Tracks im Radio gespielt werden (Ohne Titel, Bruder, Bilder) - Sie haben die gleichen Favourite-Songs wie ich :)

    Und: Als "zeitlos" habe ich das Album auch bei Amazon beschrieben :)
    Wäre super, wenn sie ihr Review auch bei Amazon noch hineinkopieren - damit noch einige zum Kaufen motiviert werden. Dieses Album muss so viele Leute wie möglich erreichen!!!

    So! Und jetzt erstmal noch "Grau" in den CD-Player reinwerfen und durchhören!

    Tolles Review!
    Beste Grüße

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  4. Meiner Meinung nach das bisher beste Deutschspachige Rap-blablabla Album.
    Allererste Güte.

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  5. Stefan B. aus Bochum5. April 2009 um 09:21

    Das letzte Mal, das mich ein Album so geflasht hat war vor fast sechs Jahren Bushidos "Vom Bordstein bis zur Skyline" (kann man jetzt natürlich nicht direkt vergleichen).Das war damals auch etwas ganz Neues. Stimmiges Geamtkonzept, von Anfang bis Ende durchhörbar und ein Meilenstein.
    Ähnlich ist es hier - durch "Dein Lächeln" angelockt und dann überwältogt worden. Der pure Wahnsinn dieses Album!!!

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  6. Word an meine Vorgänger.
    "Grau" hat mein Kunstverständnis auf eine neue Ebene gebracht, alles außer der vollen Punktzahl wäre unangebracht für dieses Meisterwerk :)

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  7. Joa, super dingen, nur die beats fand ich ... gut, aber nix neues, das hat man in der form schon um die jahrtausend wende gehört, allerdings lief soetwas damals unter "intelligent techno" .. was tua aber auch als referenz angibt.

    aber in keinster ein fehlkauf.

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  8. Kann das Review so unterschreiben.
    Endlich mal wieder ein Album mit stimmigem Gesamtbild, was ja in unserer MP3-Generation nichtmehr oft vorkommt.
    Die D'n'B Elemente wissen auch zu gefallen.
    Besonders "Ohne Titel" ist für mich ein extrem durchdachtes Werk. Lyrisch extrem weit vorn.

    Volle Punktzahl ein muss!

    Herr Merkt for President ;)

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  9. Du bist ein Kackvogel!

    Nein, Spaß. So sehe ich das Album auch.

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  10. Bestes Album dieses Jahr zusammen mit dem von Amewu!

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  11. Sher gute Review zu einem Album, welches mindestens 7 von 6 verdient hätte! Album des Jahres!

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  12. alter deutscher rap ist so verfickt langweilig ich krieg n krampf

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  13. Momentan bei Amazon neu für 60 Euro, gebraucht für 40 :( so schön..

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