Tone - Phantom (Review)

Die Verdienste des Herren Tone für HipHop deutscher Machart sind nicht zu unterschätzen. So verfasste der Frankfurter "Reimroboter" bereits Anfang der Neunziger mit "Ich diss Dich" (Konkret Finn) die erste nennenswerte musikalische Bekundung mangelnden Respekts gegenüber fiktiver Konkurrenz und legte damit einen wichtigen Grundstein für die späteren Werke Aggro Berlins und Konsortens. Nachdem Tone beinahe ein Jahrzehnt in der Versenkung verschwunden war, folgte im Jahre 2005 das in Szenekreisen mit viel Lob bedachte "Zukunftsmusik", auf dem Tone seine Fähigkeit, messerscharfe Verbalinjurien abzufeueren, aber auch pointierte Botschaften punktgenau zu vermitteln eindrucksvoll unter Beweis stellte. Vier Jahre nach "Zukunftsmusik" veröffentlicht Tone dieser Tage mit "Phantom" sein mittlerweile zweites Soloalbum über sein eigenes Label "Monstar Music". Darauf präsentiert sich ein taufrischer Tone, der auch in der Spielzeit 2009 auf zeitgemäßen Produktionen von Brian Uzna, Lex Barkey, Sonar, Matthew Tasa und Jamal Beats raptechnisch auf höchster Ebene mit der Konkurrenz mithalten kann. Angesichts der historischen Glanztaten dieses Mannes ist es fast schon müßig zu erwähnen, dass auf hohem Niveau gegen sämtliche talentbefreite Rapper geschossen wird, die nicht rechtzeitig aus der Reichweite verschwunden oder auf einem Track des Albums (Adem und Magic auf "Gorillas") untergekommen waren. In dieser Hinsicht sollen insbesondere Tracks wie "Leg das Mic weg", "Skalpell" und "Du hast Recht" (mit Kool Savas) lobende Erwähnung finden. Auch die amüsante Abhandlung über die konsequente Abweisung williger, penetranter und billiger Höhepunktsassistentinnen (Respekt geht an Olaf Schubert) auf "Lieb von Dir" (mit Harris) reiht sich umgehend in meine Liste persönlicher Favoriten ein. Neben den soeben aufgeführten härteren Nummern brilliert das Frankfurter Urgestein an der Seite von Julian Williams (auf "Du lässt mich nicht los"), Xavier Naidoo (auf "Mein Traum") und Cassandra Steen (auf "Sie leiden") auch auf den ruhigeren Tracks der vorliegenden Veröffentlichung. Allen voran ist in diesem Kontext das wundervolle "Durch den Regen" zu nennen, welches sich auf eine bedrückende Art und Weise mit dem Tod geliebter Menschen beschäftigt. Auch das bereits periphär erwähnte "Sie leiden" an der Seite von Cassandra Steen kann aus inhaltlichen Gesichtspunkten getrost mit dem Adjektiv "großartig" umschrieben werden. Darin wird sensibel und einfühlsam die Gedankenwelt seelisch und körperlich mißhandelter Kinder thematisiert. Mit "Phantom" gelingt es Tone wieder einmal, sich nach einer längeren Veröffentlichungspause eindrucksvoll zurückzumelden und seinen Status in der deutschen HipHop-Szene zu zementieren. Verbleiben wir mit der Hoffnung auf einen regelmäßigeren Output dieses Ausnahmekünstlers. Wertung: 5/6

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