Olson Rough - Rudeboy (Review)

Im Zeitalter des Internet fühlen sich immer mehr USB-Gangster dazu berufen, Ihre 3-wöchige Rapkarriere auf einem "Best of" zu verewigen und zwecks Promotion massiv Bulletins auf MySpace zu bomben (Achtung: kein spezifischer Seitenhieb!). Fernab derartiger Schnellschüsse agiert seit geraumer Zeit der Düsseldorfer Rapper Olson Rough, den ich wegen mangelhafter Künstlerkennzeichnung nicht von "Feuer über Deutschland 3" kannte, obwohl er mit dem "Team Rummelboxer" gegen "Aut of Order" antreten durfte (Achtung: spezifischer Seitenhieb!). Wie alleine die Tatsache, dass ich in diesem Moment diese Review schreibe, zeigt, ergaben glückliche Fügungen dennoch, dass ich auf Olson Rough aufmerksam werden durfte, der dieser Tage das in Kennerkreisen heiß erwartete und größtenteils bereits Anfang 2008 aufgenommene Album "Rudeboy" als kostenlosen Download im eingangs erwähnten Internet fallen ließ. Dabei stammen die Produktionen von eher unbekannten Beatbauern wie Kevoe West, George Air Brush, Manners, Eric Def, Cristal und Coom, was deren Qualität jedoch keinerlei Abbruch tut. Als einziger Mikrophon-Gast gibt sich Jason die Ehre. Beginnend beim "Intrough", das mit "Und wir sehen zu wie Deutschland zu Boden geht/sag was bringt mir Talent in einem Land in dem's eindeutig auch ohne geht/und mir egal, ob ich es hab oder nicht, denn es ist wie ein Schneemann, es bleibt unbeäugt wenn die Kohle fehlt." einen der grandiosesten Einstiege der jüngeren Deutschrap-Geschichte beinhaltet, weiß Olson Rough den Hörer über die Gesamtspielzeit von 40 Minuten in seinen Bann zu ziehen. Dieser Umstand liegt auch zu einem Großteil darin begründet, dass es sich bei "Rudeboy" vielmehr um die Bewältigung einer nicht immer ruhmreichen Vergangenheit, als um ein 08/15-Battle-Raprap-Album handelt. Dies spiegelt sich in Zeilen wie "Wir sind zwei gute Freunde/klärten einige Bräute/wegen ihm hatt' ich Träume/machte zweimal die Neunte/und ich weiß ich bereu es/doch fuck it ich nehm ihn trotzdem mit/auch wenn ich weiß, dass ich ihn nachher zum kotzen find." auf dem Track "Wegen ihm" wider, in dem gekonnt das ambivalente Verhältnis des Protagonisten zum Thema Alkohol beschrieben wird. Auch auf dem hervorragend instrumentierten "Für nur einen Moment" gelingt es Herrn Rough eindrucksvoll, seine eindringlichen Ausführungen zum Leben zu erwecken und die visuelle Vorstellung des Rezipienten anzuregen. Dabei schafft es der Künstler, seine Zeiten als Jugendlicher mit suboptimaler Peer-Group und bedingt rosiger Zukunft realitätsnah zu beschreiben, ohne das Geschehene romantisch zu verklären. Auf dem abschließenden "Fremd geworden" erfolgt zuletzt eine Abkehr von offensichtlich falschen Freunden, die durch Zeilen wie "Und auch wenn wir älter geworden sind/unsere Blicke sind so vertraut, auch wenn sie kälter geworden sind/doch wir stellen uns blind, reden nicht mehr/sitzen 1 zu 1 gegenüber, doch sehen uns nicht mehr." zum Ausdruck kommt und einmal mehr durch eine dezent im Hintergund gehaltene Produktion für Gänsehaut zu sorgen weiß. Auch wenn die restlichen Anspielstationen nicht in einer derartigen Ausführlichkeit gewürdigt werden sollen, kann ihnen angefangen bei "Platz an der Sonne" bis hin zum autobiographischen "Soweit voraus" durch die Bank große Klasse attestiert werden, so dass ich Ihnen "Rudeboy" als eines der Highlights der bisherigen Spielzeit 2009 wärmstens ans Herz legen muss. Wie Olson Rough schon im "Intrough" so treffend rappt:"Das ist die richtige Mischung aus Battle und ein bisschen Beef, Message und Delivery, Technik und zu wissen wie." Ein Meilenstein für kostenlose Download-Alben! Wertung: 5,5/6 "Rudeboy" downloaden vorab erschienen auf rap.de

Kommentare:

  1. Kann ich nur bestätigen. Ist richtig gut das Teil.
    Eigentlich sogar Top!

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  2. sehr gute ep. der junge kann echt was. der track mit jason gefällt mir nicht so. aber kevoe ist doch eigentlich kein unbekannter producer mehr.

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  3. Schöne Review.
    Grad die Linepassagen wecken Lust auf dat Ding

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  4. sehr gut. obwohl ich gesungene hooks nicht so besonders mag, die hier sind so dezent und eingängig, dass der kritikpunkt wegfällt.

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