Sondermeldung: Kriminalpolizei verhört Pimpulsiv

Verehrte Leserinnen und Leser, stellen Sie sich vor, Sie seien ein halbwegs prominenter Rapper aus Bielefeld, der vor über einem Jahr einen Track namens "23" veröffentlichte. Da Sie gerne kontroverse Themen behandeln, obwohl Sie in der Realität Gewalt verabscheuen, lassen Sie sich dazu hinreißen, auf diesem Track die Begriffskombination "Erfurt Revival" zu verwenden. Wir springen zu Mittwoch, den 19.11.2008: Sie sitzen mit einem guten Freund vor dem Fernseher und freuen sich auf das Fußball-Freundschaftsspiel von Deutschland gegen England, als es gegen 20:30 Uhr an der Tür klingelt. Wir springen zur Realität: Es ist Mittwoch, der 19.11.2008 um 20:30 Uhr, als zwei Beamte der Kriminalpolizei Bielefeld an der Tür des Rappers Timi Hendrix, seines Zeichens Hälfte des Rap-Duos "Pimpulsiv" klingeln, und ihn wegen Gefahr im Verzug bitten, sie auf das Polizeirevier zu begleiten, wo er von zwei weiteren Beamten darüber aufgeklärt wird, worum es denn ginge. So ging bei der Kripo Bielefeld gegen 20 Uhr eine Anzeige wegen Bedrohung, Gewaltverherrlichung und Gefährdung der Öffentlichkeit ein, die sich auf den Songtext des Tracks "23" auf dem Portal mag...rix.de bezog, in dem wie eingangs erwähnt die Begriffskombination "Erfurt Revival" Einsatz findet. Was die Kriminalpolizei nun dazu anregte davon auszugehen, dass dieses fiktive Szenario eines Amoklaufs, welches durch "Erfurt Revival" hervorgerufen wird, nach über einem Jahr in die Realität umgesetzt werden würde und binnen 30 Minuten nach Eingang der Anzeige vor Ort präsent zu sein, bleibt mir persönlich schleierhaft. Ich werde jedenfalls mit Spannung verfolgen, wie sich der Fall "23" weiterentwickelt. Dass das Freundschaftsspiel von Deutschland gegen England wahrhaft grausam war, dürfte einen kleinen Trost für den betroffenen Rapper sein. Anmerkung: Die Hexenjagd geht weiter. Nachdem die Indizierungswut im Zeitalter des Internet ins Leere läuft, scheint man nun dazu überzugehen, HipHopper mittels des Strafrechts auszuschalten. Dass die Härte des Gesetzes nun gerade bei Pimpulsiv zuschlägt ist insofern verwunderlich, da die Fiktion der Texte jedem halbwegs intelligenten Zuhörer, der nicht durch falsche Medienberichterstattung eine Paranoia gegen HipHop entwickelte, ins Auge springen sollte. Man darf davon ausgehen, dass die Polizei bei einer Band wie Oomph oder den Ärzten nicht (so schnell) reagiert hätte. Die Hexenjagd muss aufhören! Quelle: Gedächtnisprotokoll des Betroffenen

Kommentare:

  1. "dass die Polizei bei einer Band wie Oomph oder den Ärzten nicht (so schnell) reagiert hätte."

    Doch, haetten sie. Schulattentat ist einfach ein Tabu-Thema. Damit ist man genauso schnell auf der angeblichen Hetzerseite wie mit Judenvergleichen oder aehnlichem.

    Und die Intelligenz, die sie beim Zuhoerer vorraussetzen, haette Herrn Timi auch geholfen sowas zu vermeiden. Ist ja nicht so eine riesen Ueberraschung, dass das bei so einem grossen Druck der Oeffentlichkeit jeden Hinweis auf ein Amoklauf nachzugehen, die Polizei da uebertrieben reagiert.

    Wer dauernd Tabus brechen will aber dann weint wenn das mal Konsequenzen hat, ist halt auch nur ne kleine, provozierende Schwutte.

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  2. wo splidtter Recht hat .....

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  3. Ich finde es relativ lächerlich, also soviel künmstlerische freiheit sollte einem dochwohl bleiben.
    Bin nur auf den artikel aufmerksam geworden, weil ich auch bielefelder bin.
    ich bin zum beispiel ein sehr großer hollywood-hank fan, dass ist ein rapper der auch gerne mal ein wenig mit tabuthemen rumspielt...

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  4. störkraft haben auch mit tabu themen gearbeitet -.-

    also das sollte man schon etwas differenzierter sehen, aber ich finds auch kleinlich.

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