Jaques Shure & Dexter - Schelle (Review)

Während man sich im Hause Wortsport für die neueste Veröffentlichung „Schelle“ von Jaques Shure & Dexter beatmäßig eher am klassischen “Boom Bap“ orientiert, werden inhaltlich neue und innovative Wege beschritten. So thematisieren die beiden Protagonisten Jaques Shure & Dexter - punktuell unterstützt von Morlockk Dilemma, Damion Davis, Dennis da Menace, Zeal und Anna - das Leben des stadtbekannten Heilbronner Clochards „Schelle“, der sein Leben am Rande der Gesellschaft fristet. Dabei wird der exzessiven Zuneigung zum Alkohol („Mein bester Freund“) und dem ungeregelten Leben („Lotterleben“) gehuldigt, das hart umkämpfte „Pfandrevier“ wird als durchaus treffende Metapher für das hiesige Rapspiel herangezogen und die Vorzüge eines ungepflegten Rüpels als Liebhaber für die Dame von Welt werden dargelegt („Schmutziger Typ“). Zusätzlich gibt es in Form von „Ich tu's“ eine Hymne über fortgeschrittene Prokrastination, die spätestens an der Seite von Morlockk Dilemma dem Tatendrang weicht, wenn verbale „Schellen“ an die (a)ehrenlose Konkurrenz verteilt werden. Zwischendurch zeichnen Jaq & Dex immer wieder bedrückende Bilder über die belastende Ungewissheit, die ein Leben am Rande der Gesellschaft mit sich bringt, bevor das Album in „Pennerhimmel“ (mit Anna) ein schlüssiges Ende findet. Die allesamt von Dexter produzierten Instrumentale bieten einen warmen Klangteppich für die im vorigen Absatz erwähnten Inhalte und fügen sich in die Soundästethik der „Boom Bap“-Ära ein, was meiner Meinung nach zu Lasten des Innovationsdrangs geht. Dennoch – oder gerade deshalb – dürfte dieses Album die Herzen von Freunden organischen HipHops klassischer Machart höher schlagen lassen. Der weitgehende Verzicht auf HipHop-übliche Standardphrasen wird ebenfalls seinen Teil zu diesem Umstand beitragen. Neben dem fehlenden beattechnischen Innovationsgeist der vorliegenden Produktion gäbe es die sporadisch eingestreuten „Schelle“-Zitate/-Imitationen/-Aussagen zu kritisieren, die in ihrer Form deplatziert wirken und den homogenen Fluss des Albums rüde unterbrechen. Sieht man darüber hinweg, so blickt man auf ein durchaus gelungenes Album, welches für den ein oder anderen unterhaltsamen Hördurchgang gut ist. Unterstützen Sie diese Künstler, auf dass aus dieser fremdbiographischen nicht in wenigen Jahren eine autobiographische Geschichte werden muss. Ich drücke jedenfalls die Daumen! Wertung: 4/6 "Schelle" bestellen PS: Hören Sie Highlights des Albums bei „Herr Merkt Radio“ im Web- oder Winamp-Stream.

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