Herr Merkt bildet: Rundumschlag (mit Typologie)

Verehrte Leserinnen und Leser, wie Sie vielleicht schon bemerkt haben, ist das Leben im Internet kein Zuckerschlecken. Hinter jedem noch so harmlos anmutenden Klick lauern Malware (Viren, Trojaner, Dialer, Massiv-Free-Tracks), Kinderpornographie und illegale Raubkopien. Während der intelligenzbegabte, erfahrene Internet-Nutzer Mechanismen erwirbt, derartige Gefahren zu umschiffen, bleibt er (v.a. in der Rolle als Produzent von Inhalten) dennoch eine Projektionsfläche für Unmengen an seltsamen Gestalten, die in Internet-Foren oder Blogs ihr Unwesen treiben. "Herr Merkt spricht über HipHop" möchte diesen Beitrag dazu nutzen, um eine Typologie zur Klassifikation dieser Gestalten vorzustellen. der "offene Beleidiger": Dieser Typus zeichnet sich durch offenkundige Beleidigungen aus, die schnell in die Androhung körperlicher Gewalt münden können. Diese sind in der Regel nicht nur gegen den Adressat selbst, sondern auch gegen dessen Verwandte ersten, zweiten und dritten Grades gerichtet. Beispielhaft für diese Typologie sei auf einen meiner älteren Beiträge mit den schönsten Reaktionen auf meine Kollegah-Review verwiesen. der "subtile Beleidiger": Im Gegensatz zu den Beleidigungen der "offenen Beleidiger", sind die "subtilen Beleidiger" in ihrer Wortwahl zurückhaltender und weniger aggressiv. Als Beispiel für diese Kategorie möchte ich meinen Blogger-Kollegen (Klon) "Forentroll" ins Feld führen, der nicht müde wird anzudeuten, sämtliche Künstler, deren Alben ich positiv bewerte seien langweilig. Wie Sie an diesem Beispiel sehr schön erkennen können, ist die Grenze zwischen "subtiler" Beleidigung und legitimer freier Meinungsäußerung nur sehr schwer zu ziehen. Sie wird jedoch durch eMails mit dem Verweis auf ein laut Absender extrem langweiliges Album, welches ich laut Absender mit einer hohen Bewertung (4/6) versehen werde, eindeutig überschritten. der "gekränkte Künstler": Gerade in der HipHop-Szene, in welcher Egos eine bedeutende Rolle spielen, ist der Umgang mit Künstlern nicht immer einfach. Meistens sind es jedoch gerade jene Künstler, die es sich nicht leisten könnten, die die größten Egos haben. Aufgrund meiner Erfahrungen bei der Zusammenstellung und Künstler-Akquise für die beiden letzten "Kennenlernrunden" lässt sich diese Kategorie in weitere Subkategorien unterteilen, die anhand von typischen Aussagen ihrer Vertreter kurz dargestellt werden: - "Ich habe mich zwar nicht beworben, aber warum bin ich nicht auf dem Sampler dabei?" Wahrscheinlich liegt es daran, dass Sie nicht relevant genug waren, um persönlich kontaktiert zu werden. Schließlich liegt es auch am Künstler, selbst die Initiative zu ergreifen und Kontakt mit mir aufzunehmen. Leider passiert nach einer sinngemäßen Anwort dann meistens nicht allzu viel. - "Ich habe mich beworben. Warum bin ich nicht dabei?" Höchstwahrscheinlich ist dies dem Umstand geschuldet, dass ich Ihren Track nicht für gut genug befand, um in die Endauswahl zu kommen. Auch in diesem Punkt ist es vollkommen legitim, höflich nach einer Begründung für die Entscheidung zu fragen, jedoch ist es unangemessen, sämtliche Kollegen, die es auf den Sampler schaffen, zu diskreditieren. Zumal es fraglich ist, ob man sich mit dem Künstlername "Cazanova" über den Künstlername "Richter" lustig machen sollte. - "Ich bin wohl eindeutig eine Nummer zu groß, um von einem derartigen Sampler profitieren zu können." Während solche Aussagen von Künstlern wie dem Retrogott oder Mädness akzeptabel sind, stoßen Sie von Künstlern wie Marwin stammend auf Unverständnis, zumal er niemals explizit angefragt wurde. Wer sich durch den Aufruf nicht angesprochen fühlt, ist herzlich dazu eingeladen, diesen zu ignorieren. der "Verleumder": Der Verleumder stellt abenteuerliche Behauptungen auf, die jedweder Grundlage entbehren, jedoch potentiell schädigend sind. Auch als seriöser Blogger und Internet-Radio-Betreiber, der ausschließlich legal erworbene Alben bewertet und auszugsweise in seinen Radio-Stream integriert, ist man vor (meist anonymen) Vertretern dieser Kategorie nicht sicher. So werden immer wieder gezielt Behauptungen gestreut, ich verwende Raubkopien, um obig erwähnte Angebote zu realisieren. Selbst nach dem Erbringen eines Beweises dafür, ein Album rechtmäßig erworben zu haben, besitzen diese Wesen nicht den Anstand, sich zu entschuldigen. Die soeben vorgestellte Typologie erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern spiegelt lediglich meine persönlichen Erfahrungen der letzten Monate wider. Es ist schade, dass wir mittlerweile in einer Kultur angekommen sind, in der man mehr Respekt für stumpfes Haten als für die Produktion von Inhalten bekommt. Herzlichst, Herr Merkt

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