Die Orsons - Das Album (Review)

Wenn auf einem Deutschrap-Album Füchse Guns stehlen, Schaukeln gebaut und Frauen gepflanzt werden, mit Gänsen im Weiher gebadet und über Delfine gerappt wird, dann mag dies auf die ghettoisierte HipHop-Jugend zunächst verstörend wirken. Der nachdenkliche Maeckes, der schüchterne Plan B, Regenbogen-Kaas und Straßengewissen Tua verschmelzen trotz unterschiedlichster Charaktere in den Orsons zur harmonisierenden Patchwork-Supergroup, die nicht umsonst mit einer perfekten Boygroup verglichen wird. Wie an dieser Stelle bereits mehrfach erwähnt, ist jedoch Image nur eine kleine Facette des Gesamteindrucks, den der Rezipient eines Albums gewinnt. Aufgrund der bisherigen Diskographien sämtlicher Protagonisten darf man sich hoffnungsschwanger an den ersten Hördurchlauf wagen, da man guten Mutes sein kann, dass die musikalische Umsetzung dem Hype gerecht wird. Diese Hoffnung wird auf dem nun vorliegenden Album nicht erfüllt, sondern weit übertroffen. So gelingt es den vier Künstlern perfekt, ihre zuvor beschriebenen, theoretischen Charaktereigenschaften in passende Verse zu verpacken, die charakteristisch für die einzelnen Mitglieder sind. Am offensichtlichsten wird dies aufgrund der deutlichen Unterschiede zu den anderen Orsons bei Tua, der gerne einmal mühevoll gebaute Schaukeln niederbrennt, bei dem Spoken-Word-Track "Sightseeingtour" über den falschen Beat rappt, um sich dann im Diss-Track "Fick Fuck den Flic Flac" in seinem Element zu befinden. Dagegen schwingt bei Kaas in jeder Zeile Liebe mit, während Plan B den liebenswerten Schüchternen gibt und Maeckes eher den ruhigen Part übernimmt. Großes passiert auf dem Anti-Reim durchtränkten "Let'sBananaHollaDanceWoosh", der sensationellen Akronym-Persiflage "CBPTMK" oder dem herrlich verschobenen "Positivity Dance". Ganz nebenbei wird auf "Orson's Island" ein Nintendo-Sample zerpflückt, mit "Hitsingle 2" ein wahrlicher Hit erschaffen und mit "Del fin" tief in der Musikgeschichte gewildert. Dabei gestaltet sich das Album trotz der Beteiligung von zehn verschiedenen Produzenten (u.a. Dirty Dasmo, Flash Gordon, BeatEmUp, Bugi und Christyle) sehr homogen. Mit "Das Album" haben die Orsons ein Gesamtwerk erschaffen, welches - wenn es einen gerechten HipHop-Gott gibt - zum nächsten "Vom Bordstein bis zur Skyline" wird. Zumindest vom Impact her. Wertung: 6/6 PS: Ab dem 25.07.2008 werden vereinzelte Tracks bei "Herr Merkt Radio" zu hören sein.

Kommentare:

  1. find das album sehr gut. bietet dem deutschen rap noch mehr vielfalt

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  2. sehr nettes album. mit beks pop|rap (wieso schreibt herr merkt dazu keine review?) das beste seit langem. unglaublich daß 2 solche alben im gleichen monat erscheinen.

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  3. Bei den ersten Hördurchgängen war ich ebenso beeindruckt wie begeistert muss jedoch mit jedem mal hören mehr an den Orsons zweifeln.Ist nämlich der frische Wind erstmal an einem vorrübergezogen stehen die Orsons meiner Meinung nach weniger glorreich da.Nämlich ausser der vermeintlichen Innovation ist das Album mehr als ungeschliffen.
    Am Talent der jeweiligen Künstler betrachtet,liefern zumindest Maeckes und Plan B schwache Beiträge(Tua und Kaas kann ich nicht wirklich beurteilen)Die zwar genialen Konzepte und Ideen werden auf keinem Track überzeugend umgesetzt.Dies kann sicherlich mit der Eile in der es Enstanden ist erklärt werden aber man hätte die Produktionszeit,mit dem Anspruch ein wirklich rundes,fertiges Werk vorzulegen ,ruhig etwas Verlängern können.Zwar kann man "Das Album" als Meilenstein bezeichnen, aber reicht das um ihm 6 punkte zu geben? ich mein Fanta 4 sind auch scheisse.

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