Sinuhe & Drum Kid - Keine Helden (Review)

Bei dem Wuppertaler Rapper Sinuhe handelt es sich trotz über 10-jähriger Aktivität im deutschen HipHop-Spiel für die meisten deutschen HipHop-Köpfe um ein noch recht unbeschriebenes Blatt. Nachdem er sich bereits im letzten Jahr mit dem starken Mixtape "Molotov" anschickte, diesen Umstand zu ändern, legt er dieser Tage mit reichlich Verspätung und dem Produzenten Drum Kid im Gepäck, nach. Das dabei entstandene Werk nennt sich "Keine Helden" und braucht sich nicht vor anderen Veröffentlichungen der Spielzeit 2008 zu verstecken. Nach einem unnötigen, wenn auch nicht störenden "Intro" werden auf "S & D" erst einmal die Namen der beiden Protagonisten nachhaltig in das Gedächtnis gebrannt. Zusammen mit den Rohdiamanten und DJ Unkut schlägt "Die Antwort" in eine ähnliche Kerbe, bevor auf "In Frankreich" über die Ungerechtigkeit der hiesigen HipHop-Szene moniert wird. Sozialkritik gibt es auf "Du bist Deutschland", "Fame" thematisiert oftmals oberflächliche Freundschaften im Showgeschäft, "Für immer" stellt eine packende Liebeserklärung an HipHop dar, bei "Manchmal" handelt es sich um eine typische Liebe/Hass-Hymne wie wir sie auch schon vom Blumentopf kennen und auf "Nur ich" wird auf einem Minimalismus neu definierenden Instrumental der Alltag eines (ver-)hungernden Künstlers beschrieben. All dies geschieht auf einem der langjährigen Aktivität des Protagonisten angemessenen hohen technischen Niveau. Sinuhe gibt sich auf keinem Track die Blöße und kommt außer auf "Die Antwort" (Rohdiamanten) und dem Outro "Ta idia" (Jay Baez) ohne Wortbeiträge von Gast-Lyrikern aus, wodurch er dem Album seine persönliche Note verleiht. Diese Eigenständigkeit wird durch die musikalische Untermalung, die sich zu keiner Zeit an aktuellen Strömungen orientiert, nachhaltig unterstrichen. Der im Großen und Ganzen recht positive Gesamteindruck wird durch teilweise austauschbare Hooks ("S & D" und "Phänomen") und die Aufmachung des Albums, die eher nach einem Demotape anmutet, getrübt. In Zeiten, in denen haptische Tonträger zunehmend an Relevanz verlieren, kann zumindest über den letzten Punkt großzügig hinweggesehen werden. Was am Ende bleibt, ist ein rundes Gesamtwerk zweier begabten Musiker, die es verdient haben, gehört zu werden. Wertung: 4/6 PS: All jenen, deren Interesse geweckt wurde, sei "Herr Merkt Radio" ans Herz gelegt. Dort wurden die Tracks "Nur ich", "In Frankreich" und "S & D" in den 17-stündigen Stream integriert.

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