Rapinterpretation: sido - Arschficksong

Verehrte Leserinnen und Leser, in Zeiten zunehmender, unschöner Missverständnisse zwischen Künstlern und Massenmedien, ist eine Rubrik wie "Rapinterpretation" unumgänglich, um dem offenen Interessenten einen vorurteilsfreien Umgang mit unserer geliebten Kultur zu ermöglichen. In dieser Ausgabe möchte ich mich mit dem arg gescholtenen "Arschficksong" von sido auseinandersetzen, der in den RTL-Nachrichten um 18:45 Uhr gerne als Track über eine Vergewaltigung dargestellt wird. Ich hoffe, diese Diskussion durch diesen Beitrag entschärfen zu können. Die Leute quatschen mich voll: "Ihr redet immer nur über Scheiße und Arschficken, Kotzen und so!" "Tztztzzzz, Yeah, Hier ist der Track für euch Spasten!" In diesem gesprochenen Prolog offenbart der Künstler seine Motivation zur Verfassung des provokanten "Arschficksong". Wie sido in einem Interview offenbarte, entstand der Track als Reaktion auf haltlose Anschuldigungen seitens der Medien, er würde sich in seinen Texten lediglich mit dem Thema Analverkehr beschäftigen. Den Leuten fällt es auf wir reden ständig über Scheiße Egal ob flüssig, feste, braune oder weiße Sie fragen ob ich nur über Analsex reden kann Doch es geht nicht anders ich bin der Arschfickmann! Um dem Prolog Nachdruck zu verleihen, greift sido seine Motivation nochmals auf, so dass spätestens hier deutlich werden sollte, dass der "Arschficksong" vielmehr Reaktion auf haltlose Anschuldigungen als eine Aktion darstellt. Es fing an mit 13 und 'ner Tube Gleitcreme Dann braucht man nicht erst lockern, sondern kann Ihn gleich reinschieben Katrin hat geschrien vor Schmerz, mir hat's gefallen! Ich hab' gelernt man kann 'ne Hand reinschieben und dann ballen! Ich hab' experimentiert, Katrin war schockiert! Sie hat nich gewusst, dass der Negerdildo auch vibriert! Ihr Arsch hat geblutet und, ich bin gekomm' Seit diesem Tag sing ich den Arschficksong! An dieser Stelle meine ich einen Wechsel von Realität zu Fiktion auszumachen. Dabei erzählt das lyrische Ich von seinen recht rustikalen ersten Analsexerfahrungen mit einer Gespielin namens Katrin. Ich gehe davon aus, dass die Kritiker ihre "Vergewaltigungs"-Vorwürfe an diesen Zeilen festmachen. Jedoch meine ich an dieser Stelle vielmehr eine Reihe fehlerhafter Annahmen auf der Seite des lyrischen Ichs auszumachen, die den einvernehmlichen Geschlechtsverkehr (Grundsatz: in dubio pro reo) zu einem unangenehmen Erlebnis für Katrin machte. Die fatalste Fehlannahme dürfte wohl die maßlose Überschätzung der Wirkung von Gleitcreme sein, die eine zärtliche Dehnung des passiven Partners in keinster Weise redundant machen dürfte. Und der geht: Dadadadaaadaaa Dadadadaaadaaa Dadadadaaadaaa Dadadadaaadaaa Dadadadaaadaaa Dadadadaaadaaa Dadadadaaadaaa Dadadadaaadaaa Der Arschficksong! Dieser Kehrverse stellt durch seine simple Abwandlung der in der Volksmusik gerne verwendeten "la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la"-Kehrverse einen wahren Geniestreich dar, da er für sich alleine stehend potentiell eine große Bandbreite von Personen (Kindergarten bis Altersheim) in seinen Bann ziehen kann. Dadurch gewinnt der Umstand, dass RTL eben jenen Kehrvers um 18:45 Uhr spielt an besonderer Brisanz, wobei dieser Faux-Pas nicht dem Künstler, sondern vielmehr dem TV-Sender anzulasten ist. Und dann kam der erste Rapper, der dachte er sei besser Als jeder von der Sekte und als ich dann in ihm steckte Hat er geweint und gesagt es tut ihm leid! Für ihn war's 'ne Blamage, für mich Ficken in Extase! Ich hab ihn langsam reingesteckt und mal mit voller Wucht! Ich bin Rosettenfetischist es ist Sucht! Ich wollte den Kerl schonen, sein Loch war schon ganz blau Und dabei fand ich raus: Er konnte blasen wie 'ne Frau! Aber es ging nicht lange, irgendwie musste er kotzen! Wahrscheinlich lag es an den restlichen Scheißbrocken! Scheiß egal, wieder Anal bis ich komm'! Ich bin der Arschfickmann, das ist der Arschficksong Der zweite Vers stellt eine grandiose Überspitzung der HipHop-Floskel "Ich ficke alle anderen Rapper" inklusive sämtlicher Paraphrasen dar, indem diese durch die detailverliebte Beschreibung eben jenes Aktes ad absurdum geführt wird. Die bereits angesprochene Detailverliebtheit mag zwar auf den ersten Blick schockieren, jedoch möchte ich mich an dieser Stelle auf allgemein angesehene Hollywood-Filme wie Terminator oder Rambo beziehen, in denen ebenfalls schockierende Eindrücke nicht nur auditiv, sondern zusätzlich visuell vermittelt werden. Und der geht: Dadadadaaadaaa Dadadadaaadaaa Dadadadaaadaaa Dadadadaaadaaa Dadadadaaadaaa Dadadadaaadaaa Dadadadaaadaaa Dadadadaaadaaa Wie jeder Kehrvers, wird auch diese besonders eingängige Passage im Verlaufe des Stückes wiederholt. Aua aua aua aua (Arschfick) Eh eh eh eh (Arschfick) Eh eh eh eh Aua aua (Arschfick) Aua aua In dieser wunderbaren Brücke zwischen Kehrvers und dritter Strophe weist sido implizit auf die Risiken von unsachgemäßem Analverkehr hin, indem vor möglichen Schmerzen gewarnt wird. Ich kann verstehen dass du sagst dass Arschfick nichts für dich ist, Doch wenn du mal Bedürfniss nach 'nem Schwanz hast, mach ich es! In diesen Zeilen schlägt das lyrische Ich versöhnlichere Töne an und bringt all jenen Verständnis entgegen, die sich nicht für Analverkehr erwärmen können. Gleichwohl bietet es sich hilfsbereit als Lehrmeister für all jene an, die durch dem "Arschficksong" Interesse gewonnen haben. All jenen, die sich durch die dramatischen Ausführungen der ersten Strophe nicht abschrecken ließen, schildert es in den folgenden Zeilen seine ganz persönlichen Anforderungen an gelungenen Analverkehr. Ich nehm' mir dann viel Zeit und bring Spielzeug mit! Du brauchst viel Kondition, halt deinen Arsch schön fit! Wie es scheint, ist das lyrische Ich ein ausdauernder Liebhaber, der gerne auch Spielzeug verwendet. Da bei der analen Einführung von Gegenständen besonders auf die Hygiene zu achten ist, ist die Empfehlung, hierfür sein eigenes Spielzeug zu verwenden besonders intelligent und weitsichtig. Du kriegst 'ne Arschfickmann-Profitherapie Ein bisschen Schmerz muss sein, ohne komme ich nie! Erst locker ich die Rosette, immer schön reiben, Solange bis die Finger von alleine stecken bleiben! Dann steck ich Ihn dir rein, und wenn möglich musst du schrein Jeden der so tut als wär's cool kann ich nicht leiden Du kannst mich sogar reiten, Hauptsache ich komm' Und beim Höhepunkt singen wir den Arschficksong Bei der Schilderung seiner Vorlieben outet sich das lyrische Ich als Sadist. Beim Sadismus handelt es sich um eine Paraphilie, die bei Männern etwas häufiger vorliegt als bei Frauen. Der Masochismus stellt den Antagonist zum Sadismus dar. Zudem weisen diese letzten Zeilen darauf hin, dass das lyrische Ich aus seinen ersten Erfahrungen gelernt hat und die Wirkung von Gleitcreme nun nicht mehr überschätzt. Und der geht: Dadadadaaadaaa Dadadadaaadaaa Dadadadaaadaaa Dadadadaaadaaa Dadadadaaadaaa Dadadadaaadaaa Dadadadaaadaaa Dadadadaaadaaa Kehrvers Yeah. Ich hoffe es reicht euch Spasten Wenn nicht, ihr wisst ja Wo ihr euren nächsten Arschfick her bekommt Ich bin der ARSCHFICKMANN! In diesem erneut gesprochenen Epilog wechselt der Künstler vom lyrischen Ich zurück zu seiner wahren Person und adressiert eben jene Kritiker, die schon im Prolog angesprochen wurden. So stellt der "Arschficksong" eine Trotzreaktion auf Kritik am Produkt des Berliners dar, die dank gewonnener Reife heute sicherlich anders aussehen würde. Legende: Songtext Interpretation Für Rechtschreibfehler im Songtext möchte ich keine Haftung übernehmen, da dieser von hier übernommen wurde.

Kommentare:

  1. da spricht uns mal jemand wieder aus der seele. Medienmedien, wieso muss man sich bei euch nur rechtfertigen?

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  2. Sehr nette Interpretation, allerdings bleibt die fehlende Romantik des Songs und die vorwiegend zu machtpolitischen Zwecken instrumentalisierierte Funktion des Posexes einen Deut zu wenig herausgearbeitet.

    Für einen differenzierteren Umgang mit dieser bei vielen Primaten beliebten Form der Fortpflanzung möchte ich im übrigen auf folgendes Lied hinweisen:
    http://www.funny-van-dannen.de/tabs/basics/06_posex.pdf

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  3. ist sehr nett geworden, aber der eigentliche sinn ist nicht gefunden bzw. wurde nicht erwähnt.

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  4. Iwie lustig.
    Ein obzönes Lied wird mit so einer Sprache interprtiert, super!

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  5. Unglaubliche Interpretation...der Song ist einfach nur daneben und wird durch eine solche "Interpretation" kein Stück besser

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  6. Wie geil is das denn :)
    Hast du für die Interpretation lange gebraucht oder hast du die spontan in ein paar Minuten geschrieben?
    ...
    Auf jeden Fall hast du das sehr geil gemacht ...
    da muss ich dir echt probs geben
    :D :D :D

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  7. Oh Gott, der Song ist - sehr vorsichtig ausgedrückt - voll daneben und imo im wahrsten Sinne des Wortes für´n A.... Und so etwas wird hier noch mit pseudoakademischen Worten interpretiert. Wo sind wir mittlerweile nur gelandet?????

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  8. Der Kritiker ist ein Volldepp

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  9. @übermir
    Tolles Argument, wiederlege doch nur ein Argument des Kritikers..
    Wer sich nicht mit der Rapkultur auskennt sollte nicht mit solchen anschuldigungen um sich werfen, vorallem da eigentlich alles korrekt ist...

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