Eins, drei, Index!

Bis jetzt darf der aufmerksame HipHop-Kopf durchaus von einer ereignisreichen Woche sprechen. So darf man sich einerseits über die erste Pole Position eines ernstzunehmenden, hiphop-liebenden Künstlers seit Jahren freuen. sido hat es dank massivem Universal-Support tatsächlich geschafft, mit "Ich und meine Maske" Platz 1 der offiziellen Media Control zu erklimmen und damit DSD-Superstar Mark Medlock auf die Plätze zu verweisen. Zugleich darf sich der offene HipHop-Kopf über einen dritten Platz freuen. Dabei spreche ich nicht von den WOM-Album-Charts, die einige übereifrige Kollegen mit den offiziellen Album-Charts zu verwechseln scheinen (an dieser Stelle herzliche Grüße an Rapgen), sondern von der sehr erfreulichen Platzierung des Erfurters Clueso, der sich mit seinem Album "So sehr dabei" auf dem dritten Platz einreiht. Auch wenn HipHop deutscher Machart in Relation zu anderen Musikstilen immer erfolgreicher zu werden scheint - so belegte auch die hervorragende Rap City Berlin DVD II Platz 1 der entsprechenden DVD-Charts - gibt es dennoch Grund zur Sorge, derer Quell eine wahrhafte Lachnummer ist, die sich die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPJM) aka Index diese Woche leistete, indem sie nach B-Tights "Neger Neger" binnen weniger Monate in Form von Bass Sultan Hengzts "Schmetterlingseffekt" schon das zweite Top 30-Album indizierte. War diese Entscheidung schon bei B-Tights "Neger Neger" schwer nachvollziehbar, so ist sie bei Bass Sultan Hengzts "Schmetterlingseffekt" ein schlechter Witz. Der aufmerksame Beobachter bekommt das Gefühl, dass einige Künstler alleine aufgrund ihres Namens indiziert werden, zumal "Schmetterlingseffekt" an sich eines der harmloseren Deutschrap-Alben der letzten Jahre ist und die BPJM vorerst weder dem Label Murderbass, noch dem Vertrieb Groove Attack eine Begründung für die Indizierung geben konnte. Folgen demnächst auch "Ich" wegen "Jeden Tag Wochenende" oder "Ich und meine Maske" wegen "Halt dein Maul"? "Herr Merkt spricht über HipHop" spricht sich an dieser Stelle ausdrücklich gegen willkürlich erscheinende Zensur aus, zumal diese Maßnahme im Internet-Download-Zeitalter - fast ein Jahr nach Veröffentlichung - besonders für die delinquenz-gefährdeten Jugendlichen kein Schutz mehr darstellt. So wünsche ich Groove Attack viel Erfolg bei der bereits eingereichten Klage.

1 Kommentar:

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