Sinuhe & Drum Kid - Keine Helden (Review)

Bei dem Wuppertaler Rapper Sinuhe handelt es sich trotz über 10-jähriger Aktivität im deutschen HipHop-Spiel für die meisten deutschen HipHop-Köpfe um ein noch recht unbeschriebenes Blatt. Nachdem er sich bereits im letzten Jahr mit dem starken Mixtape "Molotov" anschickte, diesen Umstand zu ändern, legt er dieser Tage mit reichlich Verspätung und dem Produzenten Drum Kid im Gepäck, nach. Das dabei entstandene Werk nennt sich "Keine Helden" und braucht sich nicht vor anderen Veröffentlichungen der Spielzeit 2008 zu verstecken. Nach einem unnötigen, wenn auch nicht störenden "Intro" werden auf "S & D" erst einmal die Namen der beiden Protagonisten nachhaltig in das Gedächtnis gebrannt. Zusammen mit den Rohdiamanten und DJ Unkut schlägt "Die Antwort" in eine ähnliche Kerbe, bevor auf "In Frankreich" über die Ungerechtigkeit der hiesigen HipHop-Szene moniert wird. Sozialkritik gibt es auf "Du bist Deutschland", "Fame" thematisiert oftmals oberflächliche Freundschaften im Showgeschäft, "Für immer" stellt eine packende Liebeserklärung an HipHop dar, bei "Manchmal" handelt es sich um eine typische Liebe/Hass-Hymne wie wir sie auch schon vom Blumentopf kennen und auf "Nur ich" wird auf einem Minimalismus neu definierenden Instrumental der Alltag eines (ver-)hungernden Künstlers beschrieben. All dies geschieht auf einem der langjährigen Aktivität des Protagonisten angemessenen hohen technischen Niveau. Sinuhe gibt sich auf keinem Track die Blöße und kommt außer auf "Die Antwort" (Rohdiamanten) und dem Outro "Ta idia" (Jay Baez) ohne Wortbeiträge von Gast-Lyrikern aus, wodurch er dem Album seine persönliche Note verleiht. Diese Eigenständigkeit wird durch die musikalische Untermalung, die sich zu keiner Zeit an aktuellen Strömungen orientiert, nachhaltig unterstrichen. Der im Großen und Ganzen recht positive Gesamteindruck wird durch teilweise austauschbare Hooks ("S & D" und "Phänomen") und die Aufmachung des Albums, die eher nach einem Demotape anmutet, getrübt. In Zeiten, in denen haptische Tonträger zunehmend an Relevanz verlieren, kann zumindest über den letzten Punkt großzügig hinweggesehen werden. Was am Ende bleibt, ist ein rundes Gesamtwerk zweier begabten Musiker, die es verdient haben, gehört zu werden. Wertung: 4/6 PS: All jenen, deren Interesse geweckt wurde, sei "Herr Merkt Radio" ans Herz gelegt. Dort wurden die Tracks "Nur ich", "In Frankreich" und "S & D" in den 17-stündigen Stream integriert.

Kennenlernrunde Vol. 4 kommt am 29.08.2008 - jetzt bewerben!

Verehrte Künstlerinnen und Künstler, nach dem großen Erfolg von "Kennenlernrunde Vol.3" mit mehr als 1000 Downloads, soll am 29.08.2008 der vierte Teil dieser Sampler-Reihe erscheinen. Wie auch die vorherigen Ausgaben, möchte "Kennenlernrunde Vol. 4" eine Plattform für hoffnungsvolle (Nachwuchs-)Künstler bieten. Sollten Sie sich selbst zu diesem Kreis zählen, so möchte ich Sie herzlich dazu einladen, mir einen Ihrer Tracks an herr.merkt@banjofan.de zu schicken. Mit Ihrer Einsendung berechtigen Sie mich dazu, den Track im Rahmen von "Kennenlernrunde Vol. 4" oder einer Vorab-Promo-EP auf meinem Blog zum kostenfreien Download zur Verfügung zu stellen. Außerdem wird der Track ab dem 29.08.2008 Airplay bei "Herr Merkt Radio" erhalten. Aus rechtlichen Gründen kann ich keine Tracks akzeptieren, die bereits auf einer kommerziellen Veröffentlichung erschienen sind. Für Exclusives oder Tracks von kostenfreien Download-Alben/-Mixtapes/-Samplern/-Singles bin ich jedoch jederzeit offen. Setzen die ersten drei "Kennenlernrunden" noch auf bereits veröffentlichte Tracks, so soll der Fokus bei weiteren "Kennenlernrunden" auf exklusive Beiträge verschoben werden. Selbstverständlich können Sie auch weiterhin bereits auf kostenlosen Samplern, EPs oder Internet-Portalen veröffentlichte Tracks einsenden, jedoch werden diese bei gleicher Qualität eines Exclusives nicht berücksichtigt. Natürlich gibt es auch bei der Zusendung unveröffentlichter Tracks keine Garantie dafür, aufgenommen zu werden, jedoch steht es Ihnen in diesem Falle immer noch frei, den Track anderweitig zu verwenden. Der Fahrplan für den vierten Teil der Kennenlernrunde sieht wie folgt aus: 01.08.2008: Vorab-Promo-Single (1 Sampler Beitrag & 1-2 Non-Sampler Tracks) 15.08.2008: Vorab-Promo-EP (1 Sampler-Beitrag & 4-5 Non Sampler Tracks) 29.08.2008: Kennenlernrunde Vol. 4 Die Deadline für alle Tracks ist der 22.08.2008. Frühere Einsendungen haben den Vorteil, dass sie bei Nicht-Berücksichtigung für den Sampler auf der Vorab-Single oder der Vorab-EP berücksichtigt werden könnten. Bis jetzt wurden mir Exclusives von folgenden Künstlern versprochen: Mädness, Retrogott, Inzoe, Lance Carvell, Flaze, Corny Kuba, Mile feat. EPS, u.a. Mit freundlichen Grüßen, Herr Merkt

Rapinterpretation: sido - Arschficksong

Verehrte Leserinnen und Leser, in Zeiten zunehmender, unschöner Missverständnisse zwischen Künstlern und Massenmedien, ist eine Rubrik wie "Rapinterpretation" unumgänglich, um dem offenen Interessenten einen vorurteilsfreien Umgang mit unserer geliebten Kultur zu ermöglichen. In dieser Ausgabe möchte ich mich mit dem arg gescholtenen "Arschficksong" von sido auseinandersetzen, der in den RTL-Nachrichten um 18:45 Uhr gerne als Track über eine Vergewaltigung dargestellt wird. Ich hoffe, diese Diskussion durch diesen Beitrag entschärfen zu können. Die Leute quatschen mich voll: "Ihr redet immer nur über Scheiße und Arschficken, Kotzen und so!" "Tztztzzzz, Yeah, Hier ist der Track für euch Spasten!" In diesem gesprochenen Prolog offenbart der Künstler seine Motivation zur Verfassung des provokanten "Arschficksong". Wie sido in einem Interview offenbarte, entstand der Track als Reaktion auf haltlose Anschuldigungen seitens der Medien, er würde sich in seinen Texten lediglich mit dem Thema Analverkehr beschäftigen. Den Leuten fällt es auf wir reden ständig über Scheiße Egal ob flüssig, feste, braune oder weiße Sie fragen ob ich nur über Analsex reden kann Doch es geht nicht anders ich bin der Arschfickmann! Um dem Prolog Nachdruck zu verleihen, greift sido seine Motivation nochmals auf, so dass spätestens hier deutlich werden sollte, dass der "Arschficksong" vielmehr Reaktion auf haltlose Anschuldigungen als eine Aktion darstellt. Es fing an mit 13 und 'ner Tube Gleitcreme Dann braucht man nicht erst lockern, sondern kann Ihn gleich reinschieben Katrin hat geschrien vor Schmerz, mir hat's gefallen! Ich hab' gelernt man kann 'ne Hand reinschieben und dann ballen! Ich hab' experimentiert, Katrin war schockiert! Sie hat nich gewusst, dass der Negerdildo auch vibriert! Ihr Arsch hat geblutet und, ich bin gekomm' Seit diesem Tag sing ich den Arschficksong! An dieser Stelle meine ich einen Wechsel von Realität zu Fiktion auszumachen. Dabei erzählt das lyrische Ich von seinen recht rustikalen ersten Analsexerfahrungen mit einer Gespielin namens Katrin. Ich gehe davon aus, dass die Kritiker ihre "Vergewaltigungs"-Vorwürfe an diesen Zeilen festmachen. Jedoch meine ich an dieser Stelle vielmehr eine Reihe fehlerhafter Annahmen auf der Seite des lyrischen Ichs auszumachen, die den einvernehmlichen Geschlechtsverkehr (Grundsatz: in dubio pro reo) zu einem unangenehmen Erlebnis für Katrin machte. Die fatalste Fehlannahme dürfte wohl die maßlose Überschätzung der Wirkung von Gleitcreme sein, die eine zärtliche Dehnung des passiven Partners in keinster Weise redundant machen dürfte. Und der geht: Dadadadaaadaaa Dadadadaaadaaa Dadadadaaadaaa Dadadadaaadaaa Dadadadaaadaaa Dadadadaaadaaa Dadadadaaadaaa Dadadadaaadaaa Der Arschficksong! Dieser Kehrverse stellt durch seine simple Abwandlung der in der Volksmusik gerne verwendeten "la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la la"-Kehrverse einen wahren Geniestreich dar, da er für sich alleine stehend potentiell eine große Bandbreite von Personen (Kindergarten bis Altersheim) in seinen Bann ziehen kann. Dadurch gewinnt der Umstand, dass RTL eben jenen Kehrvers um 18:45 Uhr spielt an besonderer Brisanz, wobei dieser Faux-Pas nicht dem Künstler, sondern vielmehr dem TV-Sender anzulasten ist. Und dann kam der erste Rapper, der dachte er sei besser Als jeder von der Sekte und als ich dann in ihm steckte Hat er geweint und gesagt es tut ihm leid! Für ihn war's 'ne Blamage, für mich Ficken in Extase! Ich hab ihn langsam reingesteckt und mal mit voller Wucht! Ich bin Rosettenfetischist es ist Sucht! Ich wollte den Kerl schonen, sein Loch war schon ganz blau Und dabei fand ich raus: Er konnte blasen wie 'ne Frau! Aber es ging nicht lange, irgendwie musste er kotzen! Wahrscheinlich lag es an den restlichen Scheißbrocken! Scheiß egal, wieder Anal bis ich komm'! Ich bin der Arschfickmann, das ist der Arschficksong Der zweite Vers stellt eine grandiose Überspitzung der HipHop-Floskel "Ich ficke alle anderen Rapper" inklusive sämtlicher Paraphrasen dar, indem diese durch die detailverliebte Beschreibung eben jenes Aktes ad absurdum geführt wird. Die bereits angesprochene Detailverliebtheit mag zwar auf den ersten Blick schockieren, jedoch möchte ich mich an dieser Stelle auf allgemein angesehene Hollywood-Filme wie Terminator oder Rambo beziehen, in denen ebenfalls schockierende Eindrücke nicht nur auditiv, sondern zusätzlich visuell vermittelt werden. Und der geht: Dadadadaaadaaa Dadadadaaadaaa Dadadadaaadaaa Dadadadaaadaaa Dadadadaaadaaa Dadadadaaadaaa Dadadadaaadaaa Dadadadaaadaaa Wie jeder Kehrvers, wird auch diese besonders eingängige Passage im Verlaufe des Stückes wiederholt. Aua aua aua aua (Arschfick) Eh eh eh eh (Arschfick) Eh eh eh eh Aua aua (Arschfick) Aua aua In dieser wunderbaren Brücke zwischen Kehrvers und dritter Strophe weist sido implizit auf die Risiken von unsachgemäßem Analverkehr hin, indem vor möglichen Schmerzen gewarnt wird. Ich kann verstehen dass du sagst dass Arschfick nichts für dich ist, Doch wenn du mal Bedürfniss nach 'nem Schwanz hast, mach ich es! In diesen Zeilen schlägt das lyrische Ich versöhnlichere Töne an und bringt all jenen Verständnis entgegen, die sich nicht für Analverkehr erwärmen können. Gleichwohl bietet es sich hilfsbereit als Lehrmeister für all jene an, die durch dem "Arschficksong" Interesse gewonnen haben. All jenen, die sich durch die dramatischen Ausführungen der ersten Strophe nicht abschrecken ließen, schildert es in den folgenden Zeilen seine ganz persönlichen Anforderungen an gelungenen Analverkehr. Ich nehm' mir dann viel Zeit und bring Spielzeug mit! Du brauchst viel Kondition, halt deinen Arsch schön fit! Wie es scheint, ist das lyrische Ich ein ausdauernder Liebhaber, der gerne auch Spielzeug verwendet. Da bei der analen Einführung von Gegenständen besonders auf die Hygiene zu achten ist, ist die Empfehlung, hierfür sein eigenes Spielzeug zu verwenden besonders intelligent und weitsichtig. Du kriegst 'ne Arschfickmann-Profitherapie Ein bisschen Schmerz muss sein, ohne komme ich nie! Erst locker ich die Rosette, immer schön reiben, Solange bis die Finger von alleine stecken bleiben! Dann steck ich Ihn dir rein, und wenn möglich musst du schrein Jeden der so tut als wär's cool kann ich nicht leiden Du kannst mich sogar reiten, Hauptsache ich komm' Und beim Höhepunkt singen wir den Arschficksong Bei der Schilderung seiner Vorlieben outet sich das lyrische Ich als Sadist. Beim Sadismus handelt es sich um eine Paraphilie, die bei Männern etwas häufiger vorliegt als bei Frauen. Der Masochismus stellt den Antagonist zum Sadismus dar. Zudem weisen diese letzten Zeilen darauf hin, dass das lyrische Ich aus seinen ersten Erfahrungen gelernt hat und die Wirkung von Gleitcreme nun nicht mehr überschätzt. Und der geht: Dadadadaaadaaa Dadadadaaadaaa Dadadadaaadaaa Dadadadaaadaaa Dadadadaaadaaa Dadadadaaadaaa Dadadadaaadaaa Dadadadaaadaaa Kehrvers Yeah. Ich hoffe es reicht euch Spasten Wenn nicht, ihr wisst ja Wo ihr euren nächsten Arschfick her bekommt Ich bin der ARSCHFICKMANN! In diesem erneut gesprochenen Epilog wechselt der Künstler vom lyrischen Ich zurück zu seiner wahren Person und adressiert eben jene Kritiker, die schon im Prolog angesprochen wurden. So stellt der "Arschficksong" eine Trotzreaktion auf Kritik am Produkt des Berliners dar, die dank gewonnener Reife heute sicherlich anders aussehen würde. Legende: Songtext Interpretation Für Rechtschreibfehler im Songtext möchte ich keine Haftung übernehmen, da dieser von hier übernommen wurde.

F.R. - Vorsicht, Stufe! (Review)

Worin genau der Sinn besteht, eine ganze Stadt mit Stickern zu pflastern, um am Veröffentlichungstag kein einziges Exemplar an die örtlichen Plattenläden und Großhandelsketten auszuliefern, erschließt sich mir auch nach 30-minütiger Überlegung auf der Zugfahrt zur Nachbarstadt, in der immerhin einer von drei Plattenläden mit einem Exemplar beliefert wurde, immer noch nicht so ganz. Abgesehen von dieser offensichtlichen Fehlleistung des Vertriebs bietet "Vorsicht, Stufe!" jedoch nur wenige Ansatzpunkte für Kritik. Schon im Opener "Jag das Gelände hoch" zeigt F.R. der Konkurrenz wo flow- und reimtechnisch der Hammer hängt, bevor er mit "Rap braucht Abitur" eine Forderung aufstellt, die er mit den beiden intelligenten Tracks "Prison" und "Erwachsen werden" umgehend einlöst. Dabei stellt "Prison" gekonnt eine Analogie zu gängigen gesellschaftlichen Standards her, während "Erwachsen werden" das ambivalente Gefühlsleben eines Heranwachsenden treffend auf den Punkt bringt. Um den durchschnittlichen HipHop-Kopf nicht kognitiv zu überladen, wird mit "Rap ist mein Fetisch" HipHop repräsentiert und mit Olli Banjo das kongeniale Prequel zu "Zwischen Genie und Wahnsinn" namens "Geister und Dämonen" gedreht. Großes Kino! Nach der kurzen kognitiven Ruhepause wird es mit "Kopf oder Herz", "Seelenfrieden" und einem der Highlights namens "Verlorene Seelen" inhaltlich wieder anspruchsvoller, ohne dabei flowtechnisch in die Belanglosigkeit abzurutschen und auf einfache Reimschemata zurückzugreifen. In diesem Kontext wirkt der prinzipiell okaye Representer "Gerne so wie ich" reichlich deplaziert. Viel stärker kommt da schon das "Phantom der Poser" mit Ercandize und DJ CSP um die Ecke, in dem F.R. ein umfassendes Verständnis für die Grundlagen und Werte der HipHop-Kultur demonstriert und der "gefickten Musik" wieder ein wenig Seele einhaucht. Mit dem Alliterations-Feuerwerk "Das F und das R" flowt sich F.R. in Höchstform, bevor er auf "Grenzenlos" in doppelter Geschwindigkeit neue Sphären in Angriff nimmt. "Nie gesehen" erinnert sowohl von der Idee, als auch von der Qualität der Strophen her an die grandiose Banjo/Samy-Kollabo "Unmöglich", wobei die von Lemonia unterstützte Hook zwingender ausfallen könnte. Umso zwingender fällt das retrospektive "Alles was ich habe" aus, in dem F.R. einen Brief an sein jüngeres Ich schreibt, womit er sein persönliches Meisterstück abliefert. Mit "Vorsicht, Stufe!" flowt sich F.R. vorbei an all den Gangsterrap-Imitaten und direkt in die erste Liga der deutschen HipHop-Szene. Wenn weiterhin eine Entwicklung wie die bisherige zu beobachten ist, kann F.R. schon in zwei Alben um die Meisterschaft mitspielen. Die Voraussetzungen könnten mit Kontakten zu begnadeten Beatbauern wie den Beatgees, Zwieback, Chrizmatic und Brisk Fingaz kaum besser sein. Wertung: 4,5/6

sido in der Popstars-Jury

Verehrte Leserinnen und Leser, wie Aggro Berlin an offizieller Stelle verlauten ließ, wird Paul Würdig - in der HipHop-Szene besser bekannt als sido - ab kommenden August in der achten Popstars-Staffel mit dem Untertitel "Just 4 Girls" auf Pro7 neben Loona und Detlef "Glaub bloß nicht du bist schon in der Band" Soest das Juroren-Trio komplettieren. sido dürfte eine recht positive Einstellung zum Projekt Popstars mitbringen, da auch schon seine aktuelle Lebensabschnittsgefährtin Doreen diesem Projekt entsprang. "Herr Merkt spricht über HipHop" liegen derzeit jedoch keine Informationen darüber vor, ob sido auch Interesse an einer engeren Zusammenarbeit mit den Gewinnerinnen hat. "Herr Merkt spricht über HipHop" freut sich jedenfalls auf einen unterhaltsamen Fernseh-Herbst.

Herr Merkt bildet: Rapper-Krieg II - Kool Savas & Samy Deluxe

Endlich brachte Kool Savas Licht in das Dunkele und offenbarte, weshalb er Samy Deluxe beim Juice Cover Shooting für das zweite Deutschrap-Special keines Blickes würdigte. Entgegen der Behauptungen, Kool Savas sei wegen des Signings von Manuellsen auf Deluxe Records verstimmt, äußerte er im Bonus-Material der "Tot oder lebendig - Live DVD", dass seine Verstimmung auf eine Verhaltensweise von Samy Deluxe in einer TV-Show zurück geht, in welcher neben dem Hamburger auch Lady Bitch Ray zu Gast war, die Melbeatz grundlos als "Bitch" beschimpfte. Dabei zog es Samy Deluxe vor, unbeteiligt zu schweigen, anstatt seine damals gute Freundin Melbeatz zu verteidigen - selbst wenn dies nur ein böser Killer-Blick gewesen wäre. "Herr Merkt spricht über HipHop" ruft alle Beteiligten zur Raison und fordert eine rasche Lösung des Konflikts. Wir wollen schließlich keine Eskalation wie im Falle des Pirmasenser Gangster-Rappers Massiv. Weitere sensationelle Enthüllungen erfahren Sie entweder auf der "Tot oder lebendig - Live DVD" oder demnächst in einer neuen Ausgabe von "Herr Merkt bildet".

Eins, drei, Index!

Bis jetzt darf der aufmerksame HipHop-Kopf durchaus von einer ereignisreichen Woche sprechen. So darf man sich einerseits über die erste Pole Position eines ernstzunehmenden, hiphop-liebenden Künstlers seit Jahren freuen. sido hat es dank massivem Universal-Support tatsächlich geschafft, mit "Ich und meine Maske" Platz 1 der offiziellen Media Control zu erklimmen und damit DSD-Superstar Mark Medlock auf die Plätze zu verweisen. Zugleich darf sich der offene HipHop-Kopf über einen dritten Platz freuen. Dabei spreche ich nicht von den WOM-Album-Charts, die einige übereifrige Kollegen mit den offiziellen Album-Charts zu verwechseln scheinen (an dieser Stelle herzliche Grüße an Rapgen), sondern von der sehr erfreulichen Platzierung des Erfurters Clueso, der sich mit seinem Album "So sehr dabei" auf dem dritten Platz einreiht. Auch wenn HipHop deutscher Machart in Relation zu anderen Musikstilen immer erfolgreicher zu werden scheint - so belegte auch die hervorragende Rap City Berlin DVD II Platz 1 der entsprechenden DVD-Charts - gibt es dennoch Grund zur Sorge, derer Quell eine wahrhafte Lachnummer ist, die sich die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPJM) aka Index diese Woche leistete, indem sie nach B-Tights "Neger Neger" binnen weniger Monate in Form von Bass Sultan Hengzts "Schmetterlingseffekt" schon das zweite Top 30-Album indizierte. War diese Entscheidung schon bei B-Tights "Neger Neger" schwer nachvollziehbar, so ist sie bei Bass Sultan Hengzts "Schmetterlingseffekt" ein schlechter Witz. Der aufmerksame Beobachter bekommt das Gefühl, dass einige Künstler alleine aufgrund ihres Namens indiziert werden, zumal "Schmetterlingseffekt" an sich eines der harmloseren Deutschrap-Alben der letzten Jahre ist und die BPJM vorerst weder dem Label Murderbass, noch dem Vertrieb Groove Attack eine Begründung für die Indizierung geben konnte. Folgen demnächst auch "Ich" wegen "Jeden Tag Wochenende" oder "Ich und meine Maske" wegen "Halt dein Maul"? "Herr Merkt spricht über HipHop" spricht sich an dieser Stelle ausdrücklich gegen willkürlich erscheinende Zensur aus, zumal diese Maßnahme im Internet-Download-Zeitalter - fast ein Jahr nach Veröffentlichung - besonders für die delinquenz-gefährdeten Jugendlichen kein Schutz mehr darstellt. So wünsche ich Groove Attack viel Erfolg bei der bereits eingereichten Klage.

Huss & Hodn - Jetzt schämst du dich (Review)

Wenn altbackene minimalistische Beats und ein Verzicht auf komplizierte Reimschemata vom absoluten "Geht nicht" zum neuesten Scheiß und innovativen Stilmittel mutieren, dann sprechen der durchschnittliche deutsche HipHop-Kopf und wohlwollende Reviewer dieser Tage unausweichlich vom Retrogott Kurt Hustle und Hulk Hodn aka Huss & Hodn. Selten wurde ein Act, der derart konsequent Pfade neben den gängigen HipHop-Standards abarbeitet so wohlwollend rezipiert wie diese beiden Kölner. So ist es nur wenig verwunderlich, dass selbst in Zeiten rückläufiger CD-Abverkäufe die erste Auflage des Langspielers "Jetzt schämst du dich" restlos vergriffen ist und dieser Tage eine Neuauflage mit 6 neuen Tracks erscheint, um die Nachfrage zu befriedigen. Als Besitzer eines Exemplares der ersten Auflage muss ich mich jedoch in meinen Ausführungen auf die Tracks der Erstauflage beschränken. Und diese haben es immer noch in sich. So wird zwischen "Intro" und "Outro" Battlerap geboten, der den Geist der späten Neunziger aus jeder einzelnen Pore ausschwitzt. Dabei entsteht bei Tracks wie "Pornofilmkäse", "Gangsterberuf" oder "Nicht so schwuu" eine Atmosphäre, die schon für immer verloren geglaubt war. Nicht zuletzt aufgrund der aberwitzigen Wortspiele und Vergleiche ein absoluter Pflichtkauf! Wertung: 4,5/6

Herr Merkt Radio

Verehrte Leserinnen und Leser,

ich möchte Sie herzlich dazu einladen, in Zukunft auch zu treuen Hörerinnen und Hörern des neuesten Projektes von "Herr Merkt spricht über HipHop" zu werden.

Dank laut.fm kann ich Ihnen nun vollkommen legal ein Internet-Radio-Programm anbieten, in welchem der Fokus auf jenen Künstlern liegt, die in diesem Blog besprochen werden. Ich möchte Sie recht herzlich dazu einladen, dieses ständig aktualisierte Angebot mit Tracks von Stars wie sido, Kool Savas oder K.I.Z., Szenehelden wie Maeckes & Plan B, Olli Banjo oder Huss & Hodn, sowie Perspektivkünstlern wie Agent Dan & Mile, Richter oder Uzak zu nutzen.



Herzlichst
Herr Merkt

Herr Merkt Radio

24/7 HipHop deutscher Machart! Durch ständige Aktualisierungen wird "Herr Merkt Radio" zum perfekten Soundtrack für die Lektüre von "Herr Merkt spricht über HipHop"!



zur Stationsseite mit Sendeplan und Playlist
iTunes/Winamp-Stream

Downloads #2

Verehrte Leserinnen und Leser, wieder einmal haben diverse Künstler ihre lyrischen Ergüsse über musikalische Untermalungen gelegt und zum freien Download zur Verfügung gestellt. Da ich derartige Bewegungen durchaus wohlwollend sehe, möchte ich Ihnen wieder einmal einen Überblick über verschiedene legale Downloads geben, die ich aufgrund von akutem Zeitmangel leider nicht mit eigenen Beiträgen würdigen kann. Bitte bedenken Sie, dass ich mir einen Großteil der erwähnten Veröffentlichungen selbst noch nicht zu Gemüte führen konnte. Daher ist die Erwähnung an dieser Stelle keine Qualitätsgarantie. Assazeen - I am legend: The Prequel Der Labelsampler von Ercandizes "Assazeen". Mit exklusiven Beiträgen von Ercandize, Abroo, Millionadi, Prinze Low, Sinuhe, Inferno79, ... Chimperator präsentiert "Dschungelcamp Vol. 1" Mit Exclusives von Maeckes, Kodimey, Voodoo, Hybrids, Simeon und Edvice. form - Der größte Hit der 80er Erfrischend anders und dadurch eine willkommene Abwechslung zum medial vermittelten Einheitsbrei. Grizzly & Shot - Geld spielt keine Rolle EP Qualitativ hochwertig. "Muss-laden"! Herr Merkt präsentiert "Kennenlernrunde Vol. 3" Geben Sie Nachwuchskünstlern eine Chance. Unter anderem mit Laas Unlimited, Empulse und Richter. Koma - Der Aufstieg Vier Künstler, ein Gratis-Mixtape. Reinhören! Mo-D - Gimme some Mo Deutscher R&B von Perspektivkünstler Mo-D. Ein Album mit Gästen wie Olli Banjo, Separate und Kool Savas ist in der Pipeline. Weekend - Promo Mixtape Vielleicht kennen Sie ihn nocht von "Künstler brechen" oder "Kennenlernrunde Vol. 3". Jetzt auf Mixtapelänge! Yassir - Wie lange noch Heftig umworbenes Knast-Mixtape mit Gästen wie Jonesmann und Blaze.

Maeckes & Plan B - !#?@$! (Review)

Maeckes & Plan B veröffentlichten diese Tage das ausschließlich auf Tour erhältliche Street-Album "!#?@$! ". Erwartungsgemäß liefern die beiden Ludwigsburger (Nahe Stuttgart) in Form von "Im Traum", "Dreamer", "Die Möglichkeit einer Insel", "Der Weg" und "Plastiktüte im Wind" jene Art von tiefgründiger Poesie, für die sie die HipHop-Köpfe Deutschlands kennen und lieben lernten. Nebst Botschaft wird selbstverständlich gekonnt mit Worten gespielt und die eigene Überlegenheit im hiesigen Spiel verkündet. Besonderes Augenmerk sei dabei vor allem auf die beiden Ex-Juice-Exclusives "Arschtritt ins Gesicht" und "Atem Gottes" gelegt, welche schon seit Monaten in den Anlagen ernstzunehmender hipper Hüpfer rotieren. Sinnvoll ergänzt wird das Ganze durch das live erprobte "Heiliges Kanonenrohr", Herrschaftsvisionen auf "2020", die neueste Abriss-Nummer "Rugguduh", das großartig herunter gepitchte "Das Nächstbeste nach Stille" und das 2008er-Update zu Savas' "Warum rappst du" namens "Rap getan". Im Anbetracht der beiden letztgenannten Tracks bleibt nur noch zu klären, wann Plan B Maeckes mit dem Regenschirmgriff von der Bühne holt. Rapmäßig mit das Nächstbeste nach Stille. Wortwitzmäßig sowieso! Wertung: 5,5/6