Herr Merkt hilft der Bundeskanzlerin

Der Kampf gegen Raubkopierer ist jetzt Chefsache. Da ich es grundsätzlich begrüße, wenn in unserem Land die richtigen Prioritäten gesetzt werden, möchte ich der Bundeskanzlerin mit Rat und Tat zur Seite stehen, um die CD-Verkäufe von echten Künstlern wieder anzukurbeln. Um das Problem der sinkenden Plattenverkäufe sinnvoll zu bekämpfen, müssen zunächst die Ursachen erkannt und richtig gedeutet werden: das Internet: Die Verfügbarkeit sämtlicher Musikstücke mit nur einem Mausklick scheint durchaus verlockend zu sein. Da die Musikindustrie die Zeichen der Zeit viel zu spät erkannte, fehlt es noch an kundenfreundlichen legalen Alternativen zum illegalen Schlaraffenland. Zehn verkrüppelte, eingeschränkt nutzbare Dateien für €9,95 zu verkaufen, erachte ich dabei in keinster Weise als kundenfreundlich, sondern vielmehr als unverschämte Abzocke! MP3-Flatrates müssen her! die Konkurrenz: In der Blütezeit der Musikindustrie in den Neunzigern gab es in der Kernzielgruppe der Musikindustrie kaum Konkurrenzprodukte. Musik-Fanatiker kauften sich fleißig Alben interessanter Künstler. In Zeiten von Handy-Klingeltönen, MTV TRL-Votings, SMS-Chats, 9live, Premiere-Abos und einem stetig wachsenden DVD-Markt drängen immer mehr Konkurrenzprodukte auf den Plan, die um die Kaufkraft der potentiellen Kunden buhlen. das Fantum: Als wahrer Fan eines Künstlers ist man heutzutage geradezu dazu verpflichtet, sich das Album in drei verschiedenen Versionen zu kaufen, täglich eine Stunde bei MTV TRL zu voten (50 Cent pro Anruf) und die Musik seines Favoriten per Handy in die Welt (bevorzugt geschlossene Räume wie Busse oder S-Bahnen) hinauszutragen. Da man in der Freizeit fleißig illegale Download-Links seines Favoriten bei einschlägigen Seiten melden muss, bleibt keine Zeit für einen Nebenjob, um sich Geld für Alben anderer Künstler hinzuzuverdienen. die Lebenshaltungskosten: Die Kosten, um das eigene Überleben zu sichern, steigen und steigen. Mehrwertsteuererhöhung, Ressourcenverknappung durch Bio-Treibstoffe und vor allem das unverhältnismäßige Anwachsen der Energiepreise bei immer mehr Unterhaltungselektronik, die man laut Werbung unbedingt besitzen sollte, beschneiden obig erwähnte Kaufkraft. Leider können Arbeitnehmer, die ihr Gehalt nicht selbst festlegen dürfen, dieses nicht an diese Gegebenheiten anpassen. die Benzinpreise: Da man ein Auto, sofern man nicht unbedingt arbeiten möchte, nicht unbedingt benötigt, werden die Benzinpreise, die immer weiter in astronomische Höhen schnellen, hier separat aufgeführt. Sicherlich ist es einfach und kommt beim Volk gut an, die Öl-Konzerne für einen Preis von €1,51 pro Liter Normalbenzin zu kritisieren, allerdings bleibt dabei des Öfteren unerwähnt, dass sich die Politik mit über 60% Steuern kräftig an den Benzinpreisen bereichert. Eine gleichzeitige Abschaffung der Pendlerpauschale ist für den mobilen Normalverdiener geradezu ein Schlag ins Gesicht. Nun hoffe ich, dass ich durch die obigen Ausführungen ein stimmiges Gesamtbild erzeugen konnte. Die Menschen haben nach Abzug der notwendigen Ausgaben immer weniger Kaufkraft, mit welcher sie sich, durch die Werbung suggeriert, immer mehr und immer teurere Produkte kaufen sollen. Man muss nicht Peter Zwegat sein, um zu bemerken, dass diese Rechnung auf Dauer nicht aufgeht. Die Menschen müssen sparen und dies geschieht leider auf dem Rücken der Künstler, die hart für ihre Musik arbeiten. Nun ist es jedoch der falsche Weg, den potentiellen Kunden weiter zu kriminalisieren oder nach englischem und französischem Vorbild von der Informationsvielfalt des Internets auszusperren. Vielmehr müssen wir an einigen der obigen Punkte ansetzen, um eine Veränderung anzustoßen. Da es sich in einem demokratischen Land nicht gehört, sich regulatorisch in die Wirtschaft einzuschalten und Konkurrenzmärkte wie 9live oder Klingeltöne (wo zumindest die Musikindustrie fleißig mitverdient) auszutrocknen, muss an der Kaufkraft der Zielgruppe gearbeitet werden. Wir brauchen mehr Kaufkraft in diesem Land. So wäre es doch sinnvoll, liebe Frau Merkel, als ersten Schritt in die richtige Richtung die Pendlerpauschale ab dem ersten Kilometer wieder einzuführen und die Steuern auf Kraftstoffe wie Benzin zumindest temporär zu senken, anstatt nur die Öl-Konzerne zu kritisieren. So begrüße ich es, dass Sie es nun zur Chefsache machen möchten, dass der arbeitenden Bevölkerung nach Abzug der Lebenshaltungskosten genügend Geld zur Verfügung steht, um sich Luxusartikel wie Musik auf legalem Wege zu beschaffen und dadurch wahre Künstler wie Olli Banjo oder Maeckes & Plan B zu unterstützen. Es geht aufwärts! Herzlichst, Herr Merkt

Kommentare:

  1. "Die Menschen müssen sparen und dies geschieht leider auf dem Rücken der Künstler, die hart für ihre Musik arbeiten"

    Also hart halte ich für etwas übertrieben ;)

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  2. Zum gleichen Thema hier nochmal ein Link zu einem Text (bzw. Brief) der geradezu perfekt hier dazu passt:
    Offener
    Brief

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  3. Herr Merkt for President!

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  4. In diesem Text bleibt leider die Rolle der Majors auf der Strecke. Ein Künstler verdient an einem verkauften Album z.B. bei Sony BMG je nach Vertrag zwischen 0,5 und 3 Euro. Verkauften die Künstler ihre Musik unabhängig, gäbe es neben größerem Arbeitsaufwand (Vertrieb, Werbung, Merchandise, ...) weit mehr Geld pro Album in die Kasse des Künstlers (!). Gleichzeitig denke ich, dass es der Musik- "Industrie" gut täte, wenn es zu einem Anstieg der illegalen Downloads käme, bzw wenn die legalen Downloads so billig würden, dass man für einen lächerlichen Betrag so viel Musik bekommt, wie man möchte. Durch die Kostenlosigkeit und das daraus folgende Uninteresse der Industrie an der Musik als solche, ergäbe sich die Möglichkeit für die wahren Künstler (Herr Merkt führte an dieser Stelle z.B. Olli Banjo an; ich denke eher an die sogenannten "Newcomer") sich einer größeren Fangemeinde zu erschließen, deren Geschmack nicht von der Industrie beeinflusst und diktiert ist.
    Natürlich würde es weit schwieriger werden als Musiker alleine sein Geld zu verdienen. Außerdem verdienen die großen Konzerne längst nicht mehr über den CD-Verkauf den Großteil ihres Geldes, sondern über Auftritte des Künstlers, Merchandise, usw. Dennoch würde es zu einem Einbruch der Musikindustrie kommen.
    Dadurch würde niemand mehr auf den Gedanken kommen, Musik zu machen, weil er damit Geld verdienen könnte. Folglich bleiben nur noch jene, die die Musik um ihrer selbst Willen machen.
    Nicht nur Rap, jede Musikrichtung gewänne an Qualität, Geld hat mit Musik nichts zu tun.


    Ej, ich machn eigenen Block auf, ist ja viel geworden.
    Peace!

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