Favorite - Anarcho (Review)

Politisch korrekt geht anders. In Anbetracht des Albumtitels "Anarcho" dürfte diese Erkenntnis jedoch nicht allzu überraschend kommen, da sich der potentielle Käufer bereits im Vorfeld auf ein Hörerlebnis einstellen konnte, bei dem der Protagonist gleich mehrfach an der Grenze des guten Geschmacks kratzt und diese sicherlich das eine oder andere Mal überschreitet. So ist es einzig und allein dem schier unerschöpflichen Talent des Esseners Favorite, sich selbst und die Welt nicht allzu ernst zu nehmen und dies in seiner Lyrik zu vermitteln, geschuldet, dass dieser Langspieler nicht in ein Sammelsurium aus peinlichen Provokationen und Grenzüberschreitungen ausartet. Oberflächlich betrachtet lassen auch das hart peinliche Back-Cover, sowie die massiven Rechtschreibschwächen im Booklet, mit denen man in direkte Konkurrenz zu berliner Imagerappern tritt, nichts gutes erwarten. Lässt man sich jedoch von diesen oberflächlichen Kritikpunkten nicht abschrecken und wirft einen Blick hinter die Fassade, so kann sich der Hörer über einige hochwertige Tracks wie die Street-Single "Anarcho Rap" freuen, auf der der Essener nicht nur inhaltlich Grenzen sprengt, sondern auch die gängigen Track-Konventionen überschreitet. Nicht minder überzeugend fallen das implizit selbstkritische "Besserer Mensch", das wahnsinnige "Oh mein Gott" und die beiden persönlicheren Tracks "Auszeit" und "Ich vermiss euch" aus. Aus der Liste geladener Gäste stechen vor allem Kool Savas ("Wunderschöner Tag"), Shiml ("Faustkampf") und der an anderer Stelle schwer gescholtene Kollegah ("30" und "Ghettoboyz") positiv hervor, während K.I.Z.s Nico weit hinter an den an ihn gerichteten Erwartungen zurückbleibt. Der Klangteppich, der von Rizbo, Chrizmatic, Mauvais Garcon, Vizir, Wassbass, Krizz Dallas und 2Deep geknüpft wurde, geht nicht immer direkt ins Ohr, kann nach intensiverer Beschäftigung jedoch als durchaus amtlich eingestuft werden. Zusammenfassend bleibt festzustellen, dass Favorite mit "Anarcho" ein bis in die sensationellen Skits hinein unterhaltsames Album vorlegen konnte, welches dem Szene-Hype um seine Person bis auf wenige Ausnahmen ("Sie wolln Fav") gerecht werden kann. Wertung: 4/6

Kommentare:

  1. spliddterkrist4. Mai 2008 um 21:04

    "wie die Street-Single "Anarcho Rap" freuen, auf der der Essener nicht nur inhaltlich Grenzen sprengt, sondern auch die gängigen Track-Konventionen überschreitet."

    Wenn du so etwas schreibst, solltest du deutlicher machen, dass es sich um bittere Ironie handelt. Ich, als frischer Leser dieses Blogs, hatte tatsaechlich gehofft, dass inhaltliche Grenzen sprengen bedeutet, einen zumindest annehmbar intelligenten Text vorweisen zu koennen. Dem war aber ganz und gar nicht so. Also ab jetzt bitte Ironie-Tags verwenden, damit auch ich das mitbekomme.

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  2. Kann mit Merkt's Meinung leider nichts anfangen.
    Das Album ist Favorites Absturz in die MainStream-Szene.

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