Casper - Hin zur Sonne (Review)

Die Erwartungen, die die HipHop-Nation bezüglich Caspers neuem Album "Hin zur Sonne" aufbaute, waren enorm. Die großartigen Vorab-Tracks "Die Welt steht still" und "Hundeleben" trugen ihren Teil dazu bei, dass ganz HipHop-Deutschland am 09.05.2008 enttäuscht die Plattenläden verließ, da das Album kaum verfügbar war. Sieht man von diesem Manko ab, dann entfaltet sich "Hin zur Sonne" zu einem großartigen Album ohne gravierende Wermutstropfen. Die latent gleichgeschlechtlichen Gesangshooks auf den Tracks "In deinen Armen" und "Unzerbrechlich" seien großzügig unter den Teppich gekehrt, zumal auch diese Tracks durch überzeugende lyrische Leistungen des Bielefelders ihre Wirkung nicht verfehlen. Casper schafft es, den Zuhörer wie kaum ein Anderer mit seinen teils sehr persönlichen Stücken in seinen Bann zu ziehen, was sicherlich zum Teil seiner rauchigen Stimme geschuldet ist. So wird der Zuhörer gleich im titelgebenden Opener "Hin zur Sonne" auf eine Reise in eine Kindheit mitgenommen, die der durchschnittliche Rap-Hörer als Legitimation für mindestens drei Hardcore-Rap-Alben inklusive krimineller Karriere durchgehen ließe. Auf "Deine Jugend" verlässt Casper dann seine persönliche Geschichte und beschreibt eindrucksvoll den Status Quo einer desillusionierten Generation zwischen "DSDS" und "Raus aus den Schulden". Damit das Album nicht zu ruhig ausfällt, wurden für Anhänger treibenderer Stücke mit "Casper! Bumaye" und "Stampf ihn ein" (mit Lump, Elch, Al Capone und Pimpulsiv) zwei Abrissbomben vor dem Herren gepflanzt. Kollegah representet die Strassen, Prinz Pi bittet zum letzten Tanz und Tua & Vega lernen an der Seite eines durchgängig überzeugenden Protagonisten laufen. Unbedingt empfehlenswert sind zudem die HipHop-Ode "Verdammt nah dran" und der nachdenkliche Karriererückblick "Kein Held". Die musikalische Untermalung ist mit Shuko als ausführender Produzent sowieso über (fast) sämtliche Zweifel erhaben. Großes Kino! Wertung: 5,5/6

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