sido - Ich und meine Maske (Review)

Stellte "Ich" im Vergleich zu "Maske" noch einen künstlerischen Quantensprung dar, so kann dies dem Album "Ich und meine Maske" im Bezug auf seinen direkten Vorgänger nicht attestiert werden. So sind die Fußstapfen des beinahe schon klassischen Vorgängers beim ersten Hördurchgang kaum auszufüllen, was vor allem dem fehlenden Überraschungseffekt geschuldet ist, der "Ich" durch Nummern wie "Ein Teil von mir" oder "Mein Testament" seinerzeit so stark machte. Nach dem "Intro" startet das Album mit dem soliden Track "Wieder zurück", bevor in Form von dem bereits bekannten "Halt dein Maul" ein erster Glanzpunkt gesetzt wird. Das zweite Highlight folgt in Form eines musikalisch passend untermalten Streitgesprächs zwischen sido und seiner Maske ("Ich und meine Maske") auf dem Fuße. Überraschend unspektakulär fällt dagegen die Azad-Kollabo "Pack schlägt sich, Pack verträgt sich" aus, wobei dieser Track vor allem aufgrund seiner Symbolwirkung durchaus seine Daseinsberechtigung hat. Über die bittersüße Kinderchor-Hook und Sozialkritik auf "Augen auf" hat sich sicherlich bereits jeder seine eigene Meinung gebildet. So auch ich: Großes Kino! Weniger trojanisch, jedoch umso beeindruckender kommt "Herz" um die Ecke. Musikalisch stimmig instrumentiert beschreibt sido fesselnde Dilemmata. In eine komplett entgegensetzte Richtung schlägt er hingegen mit "Strip für mich" an der Seite von Kitty Kat ein. Hier wird auf einem passenden Instrumental ein Dialog zwischen Stripperin und Kunde inszeniert. Geschmackssache. Dieses Prädikat dürfte ebenfalls auf die an "Sexual eruption" erinnernde SingSang-Nummer "Carmen" zutreffen. Die leicht kaputte "Liebeserklärung" wird die Nation spalten. Ich bin Fan! Auf "Scheiß drauf" wird gekonnt Horst Schlämmer zitiert und gegen ersguterjunges D-Bo geschossen. Kann man machen. "Unser Leben" an der Seite von Fler und Shizoe weiß inhaltlich zu überzeugen, geht jedoch nur schwer ins Ohr. Das "Liebes-Duett" "Nein!" mit Doreen bietet genügend Potential für kontroverse Diskussionen in abendfüllenden Talkshows. Zumindest meine Männlichkeit ist gefestigt genug, um den Track neben Mark Medlocks "Summer love" zu einem der Anwärter auf den Sommerhit der Spielzeit 2008 zu erklären. "Schule" mit Greckoe und Alpa Gun stellt Wasser auf die Mühlen jener dar, die sido bereits aufgrund einer halben Strophe auf dem Track "Halt dein Maul" vorwarfen, seine Musik ausschließlich auf die Jugend auszurichten. War der Vorwurf bei "Halt dein Maul" latent lächerlich, gewinnt er auf "Schule" an Substanz. Jedoch finde ich es nicht verwerflich, der Jugend eine positive Botschaft zu vermitteln. "Jeder kriegt was er verdient" mit Tony D ist akzeptabel, der Track "Danke" inhaltlich sensationell. Dafür hätte ich mir die "Aggrokalypse" mit B-Tight, Fler und Kitty Kat irgendwie aufregender vorgestellt. Für Käufer einer der drei unterschiedlichen Premium Editions geht der Hörgenuss in Form eines Mario Barth Intros weiter. Es folgen eine fast schon traditionell gelungene Bass Sultan Hengzt-Kollabo ("Ich bin so gaga"), Pillath und Harris mit Juli-Sample ("Tage"), Scooter-Interpolationen auf "Beweg dein Arsch", ein neuer A.i.d.S.-Track namens "Wenn die Bosse reden", eine mehr als gelungene Kollabo mit Kitty Kat ("Ich und meine Katze"), ein Aufreger namens "Deine Eltern", das hervorragende "Kanacks und Hools" mit dem geschätzten Joe Rilla, ein Sekte-Allstar-Track mit den erwarteten Höhen und Tiefen, sowie ein großartiger "Halt dein Maul"-Remix mit Kitty Kat, Willi Murda und Automatikk. Auch die konsequent verschwiegenen Peilermann & Flow Skits 5-8 wissen zu unterhalten und tragen somit zum guten Gesamteindruck des Albums bei. Obwohl das Album inhaltlich sehr abwechslungsreich ist, erzeugt es dadurch, dass die Produktion größtenteils in die Hände von Paul NZA & Marek gelegt wurde, ein sehr homogenes Bild. Auch die raren Fremdproduktionen von Shuko, DJ Desue, Joe Rilla, Katch 22 und Djorkaeff fügen sich angenehm in das gelungene Gesamtbild ein. Auch wenn - wie bereits in der Einleitung erwähnt - im Vergleich zu "Ich" die großen Überraschungsmomente fehlen, enthält "Ich und meine Maske" Tracks wie den Titeltrack, "Herz" und "Danke", deren Halbwertszeit weit über jener gewöhnlicher Deutschrap-Tracks liegt und zementiert somit sidos Ausnahmestellung im deutschen Rapspiel. Wertung: 5/6

Herr Merkt TV #9

Verehrte Zuschauerinnen und Zuschauer, Leserinnen und Leser, seit der achten Ausgabe von "Herr Merkt TV" passierte viel Wasser die Ufer der Ströme, Flüsse und Bäche unseres wundervollen Planeten. Daher möchte ich nicht viele Worte verlieren und umgehend zum ersten Video der nunmehr neunten Ausgabe des beliebten Formates kommen. Den Anfang macht diese Woche der Straßenjunge vom Block. Niemand geringeres als sido wird am 30.05.2008 sein neues Album "Ich und meine Maske" auf Deutschland loslassen. Die beiden Vorab-Videos "Augen auf" und "Halt dein Maul" spalteten die HipHop-Köpfe wie in guten alten Zeiten in zwei Lager. Nachdem ich "Augen auf" bereits an prominenter Stelle präsentierte, möchte ich Ihnen auch das großartige Video zu "Halt dein Maul" nicht vorenthalten. K.I.Z. werden wohlwollend als "Die Ärzte des Rap" bezeichnet. Auch wenn sich sicherlich Fans in beiden Lagern gegen diesen Vergleich wehren, lässt sich nicht negieren, dass K.I.Z. und Chef-Arzt Bela B. eine großartige Neuinterpretation des K.I.Z.-Hits "Hölle" einspielten. Das Video dazu gibt es natürlich hier. Wird bei K.I.Z. die Intelligenz hinter den Texten noch nicht jedem Zuhörer zugänglich, kann der Braunschweiger F.R. diese Probleme weit von sich weisen. Mit Titeln wie "Rap braucht Abitur" läutet er Studentenrap 2.0 ein. Auch wenn das Album "Tot oder lebendig" schon einige Monate auf dem Buckel hat, wirft es noch immer großartige Auskopplungen. Das jüngste Beispiel ist der Track "Melodie" mit Moe Mitchell und Senna von Monrose. Wahrer Scheiß! Bei meinen jüngsten Streifzügen durch die amerikanische HipHop-Szene kam ich nicht umher, das neueste Video von Busta Rhymes zu bemerken. Mit "Don't touch me (Throw da water on 'em)" entfacht der New Yorker einen Flächenbrand monumentalen Ausmaßes. Nicht minder explosiv ist der neueste Streich des Neptune-Ablegers N.E.R.D., die mit "Everybody nose" erneut die Clubs angreifen. Ich prognostiziere Erfolg. Ein weiteres Video, das in keinem Fall unter den Tisch fallen sollte, kommt von Kanye West, der sich für seinen Track "Homecoming" Coldplay-Goldkehlchen Chris Martin an die Hook holte. Das Highlight von "Graduation". Jonesmann ist zurück mit "Echte(r) Musik". "Warum bin ich hier?" - finden Sie es heraus. Besuchen Sie bitte nicht die im Video eingeblendete Homepage! Vom Drogendealer zum Politiker - so beschreibt Alpa Gun seine bisherige Karriere. Mit "Ausländer" wusste der Sektenmuziker Anfang des letzten Jahres zu überraschen, mit "Aufstand auf den billigen Plätzen" legt er nun in EP-Länge nach. Testen Sie das Video zu "Mein Weg"! Wahrscheinlich ist Azads Album "Blockschrift" - gemessen an den Erwartungen - auch deshalb gefloppt, weil ich es seinerzeit nicht erwähnte. Als kleine Wiedergutmachung möchte ich Sie eindringlich auf das großartige Video zu "Alles Lüge" hinweisen. Mit diesem besinnlichen Video möchte ich die aktuelle Ausgabe von "Herr Merkt TV" auch schon wieder beschließen. Bleiben Sie mir treu! Ihr Herr Merkt

Casper - Hin zur Sonne (Review)

Die Erwartungen, die die HipHop-Nation bezüglich Caspers neuem Album "Hin zur Sonne" aufbaute, waren enorm. Die großartigen Vorab-Tracks "Die Welt steht still" und "Hundeleben" trugen ihren Teil dazu bei, dass ganz HipHop-Deutschland am 09.05.2008 enttäuscht die Plattenläden verließ, da das Album kaum verfügbar war. Sieht man von diesem Manko ab, dann entfaltet sich "Hin zur Sonne" zu einem großartigen Album ohne gravierende Wermutstropfen. Die latent gleichgeschlechtlichen Gesangshooks auf den Tracks "In deinen Armen" und "Unzerbrechlich" seien großzügig unter den Teppich gekehrt, zumal auch diese Tracks durch überzeugende lyrische Leistungen des Bielefelders ihre Wirkung nicht verfehlen. Casper schafft es, den Zuhörer wie kaum ein Anderer mit seinen teils sehr persönlichen Stücken in seinen Bann zu ziehen, was sicherlich zum Teil seiner rauchigen Stimme geschuldet ist. So wird der Zuhörer gleich im titelgebenden Opener "Hin zur Sonne" auf eine Reise in eine Kindheit mitgenommen, die der durchschnittliche Rap-Hörer als Legitimation für mindestens drei Hardcore-Rap-Alben inklusive krimineller Karriere durchgehen ließe. Auf "Deine Jugend" verlässt Casper dann seine persönliche Geschichte und beschreibt eindrucksvoll den Status Quo einer desillusionierten Generation zwischen "DSDS" und "Raus aus den Schulden". Damit das Album nicht zu ruhig ausfällt, wurden für Anhänger treibenderer Stücke mit "Casper! Bumaye" und "Stampf ihn ein" (mit Lump, Elch, Al Capone und Pimpulsiv) zwei Abrissbomben vor dem Herren gepflanzt. Kollegah representet die Strassen, Prinz Pi bittet zum letzten Tanz und Tua & Vega lernen an der Seite eines durchgängig überzeugenden Protagonisten laufen. Unbedingt empfehlenswert sind zudem die HipHop-Ode "Verdammt nah dran" und der nachdenkliche Karriererückblick "Kein Held". Die musikalische Untermalung ist mit Shuko als ausführender Produzent sowieso über (fast) sämtliche Zweifel erhaben. Großes Kino! Wertung: 5,5/6

Braucht Rap Abitur?

Auch wenn ich von meinen Leserinnen und Lesern nur allzu gerne in die Schublade mit der Aufschrift "intelligent" gesteckt werde, möchte ich mich nicht uneingeschränkt F.R.s bewusst provokant gewähltem Single-Titel "Rap braucht Abitur" anschließen. Sicherlich wäre es wünschenswert, wenn HipHop - nicht zuletzt im Hinblick auf seine Außenwirkung - eine positive Aufbereitung des herb angeschlagenen Images erfahren würde. Die deutsche Bildungselite muss sich ohne Scham zur eigenen HipHop-Affinität bekennen können. Insofern kann ich der Botschaft, die hinter diesem Titel steckt, nur zustimmen. Wie sicherlich auch vom Künstler intendiert, soll dieser Titel jedoch in keinster Weise zum Ausschluss bildungsfernerer Schichten aus der deutschen HipHop-Landschaft führen. So haben auch Künstler wie sido, die in ihren Werken - wenn auch zum Teil sehr gut versteckt - positive Botschaften zu vermitteln versuchen, durchaus ihre Daseinsberechtigung. Sie werden sogar dringend benötigt, um das Spiel interessant zu halten. Da ich die offensiven Bemühungen F.R.s sehr wohlwollend betrachte, möchte ich mit gutem Beispiel voran gehen und dem Künstler die ihm zustehende Aufmerksamkeit zukommen lassen. Auf dass RTL und Konsorten folgen und dem Album "Vorsicht Stufe" großer Erfolg vergönnt sei. Damit Sie wissen, wovon ich überhaupt spreche, möchte ich Ihnen abschließend das hervorragende Video zu F.R.s "Rap braucht Abitur" ans Herz legen.

Am 16.05.2008 machen alle das "O"

Die Orsons - das sind Maeckes, Plan B, Tua und Kaas. Diese illustre Schar hoffnungsvoller Künstler möchte mit ihrem gemeinsamen Album, das pünktlich zum Splash erscheinen soll, die Schweineställe der Nation übernehmen. Seit geraumer Zeit zerbricht sich der interessierte HipHop-Kopf den letzteren, um das Geheimnis hinter der geheimnisvollen Werbekampagne "Am 16.05.2008 machen alle das "O"" zu lüften, welche die Veröffentlichung des besagten Albums begleitet. "Herr Merkt spricht über HipHop" möchte die Vermutung aussprechen, dass die aktuelle Juice dieses Geheimnis lüftete. So wird in einem kurzen Beitrag über "Die Orsons" eine Download-EP erwähnt, die die Nation auf das kommende Album einstimmen soll. Ob die EP verschenkt oder über iTunes oder Konsorten käuflich zu erwerben sein wird, kann ich zum momentanen Zeitpunkt noch nicht inferieren. Bitte beachten Sie, dass es sich bei den obigen Ausführungen lediglich um Mutmaßungen des Verfassers handelt. Am 16.05.2008 wissen wir mehr.

Aggro Berlin und die Juice

Sind die Verhandlungsmethoden von Aggro Berlin etwa zu aggressiv für das Münchner Fernfahrermagazin? Wie sonst lässt sich das Fehlen eines sido-Interviews, das Verschweigen des "Aggro Berlin"-Beitrages auf "Rap City Berlin 2" und die Ermangelung sämtlicher Werbe-Anzeigen seitens Aggro Berlin in der aktuellen Juice Ausgabe erklären, wo doch das neue sido-Album "Ich und meine Maske" mit gewaltigen Schritten naht. Im Zusammenhang mit dem Editorial über aggressive Verhandlungsmethoden, in dem zwar kein Label namentlich erwähnt wird, liegt es Nahe, dass sich Aggro Berlin und die Juice temporär überworfen haben. Nur böse Zungen würden behaupten, dass dieser Umstand auch irgendwie mit der ersguterjunge-Dominanz auf der neuen Juice-CD und dem Chakuza-Cover verwoben ist. "Herr Merkt spricht über HipHop" möchte die beiden Parteien höflichst darum bitten, sich im Sinne von HipHop baldmöglichst zusammenzureißen. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!

Herr Merkt präsentiert "Kennenlernrunde Vol.3" (Download)

Verehrte Leserinnen und Leser,

wieder einmal kämpfte ich mich durch unzählige kostenlose Download-Veröffentlichungen, um Ihnen einen Überblick über die Schätze des Internets bieten zu können.

Ich freue mich besonders darüber, dass alle angefragten Künstler ihre Tracks für diesen Sampler freigaben und möchte ohne weitere Umschweife zur Trackliste überleiten.

01 Laas Unlimited - Wir kenn' dich nicht
Laas Unlimited @ MySpace

02 Empulse feat Maeckes - Prise Magie
von dem Album "44 Minuten Ruhm"
Empulse @ MySpace
Maeckes @ MySpace

03 Prinze Low feat Inferno 79 - Blockpartshit
von der EP "Free Online EP"
Prinze Low @ MySpace
Inferno79 @ MySpace

04 Waes & Upset - Monsterballade
von der EP "Halt's Maul, is umsonst du Hund!"
Waes & Upset @ MySpace

05 Sturm - Storm ist zurück
Sturm @ MySpace

06 Grizzly & Shot - 100%
von der EP "Geld spielt keine Rolle"
Grizzly & Shot @ MySpace

07 Agent Dan & Mile - Der Unbestechliche
Agent Dan @ MySpace
Mile @ MySpace

08 Uzak - Kein Ding (Ninjo Remix)
Uzak @ MySpace

09 fedaLic - Verdammt!
fedaLic @ MySpace

10 Empulse feat Montana Max & Morlockk Dilemma - Trete deinen Arsch
von dem Album "44 Minuten Ruhm"
Empulse @ MySpace
Montana Max @ MySpace
Morlockk Dilemma @ MySpace

11 Corny Kuba - Hallo Deutschland
Corny Kuba @ MySpace

12 Sandy Solo - 300
von dem Mixtape "Wo ist mein Geld?"
Sandy Solo @ MySpace

13 Richter - Ich bin jung und brauche kein Geld
von der EP "Scheiß auf's Game"
Richter @ MySpace

14 Djin - Gottlos
Djin @ MySpace

15 Brit Milla - Vom kleinen Stein zum Felsen
Brit Milla @ Web

16 Porni - Einzigartig
von dem Mixtape "Einzigartig"
Porni @ MySpace

17 Farbstoff - Titan in der Lunge
Farbstoff @ MySpace

18 Inferno79 - Schattenleben
von dem Album "Seelenkrieg"
Inferno79 @ MySpace

19 Weekend - Ewigkeit
Weekend @ MySpace

20 Clemenceau - Piano forte
von der EP "Srachsavant"
Clemenceau @ MySpace

21 Prezident - Fickfilm
von dem Album "Kleiner Katechismus"
Prezident @ Web

Ich wünsche Ihnen viel Spass mit den Tracks und hoffe, dass ich Sie zur weiteren Beschäftigung mit den jeweiligen Künstlern anregen konnte.

Download-Links:
Download

Herr Merkt hilft der Bundeskanzlerin

Der Kampf gegen Raubkopierer ist jetzt Chefsache. Da ich es grundsätzlich begrüße, wenn in unserem Land die richtigen Prioritäten gesetzt werden, möchte ich der Bundeskanzlerin mit Rat und Tat zur Seite stehen, um die CD-Verkäufe von echten Künstlern wieder anzukurbeln. Um das Problem der sinkenden Plattenverkäufe sinnvoll zu bekämpfen, müssen zunächst die Ursachen erkannt und richtig gedeutet werden: das Internet: Die Verfügbarkeit sämtlicher Musikstücke mit nur einem Mausklick scheint durchaus verlockend zu sein. Da die Musikindustrie die Zeichen der Zeit viel zu spät erkannte, fehlt es noch an kundenfreundlichen legalen Alternativen zum illegalen Schlaraffenland. Zehn verkrüppelte, eingeschränkt nutzbare Dateien für €9,95 zu verkaufen, erachte ich dabei in keinster Weise als kundenfreundlich, sondern vielmehr als unverschämte Abzocke! MP3-Flatrates müssen her! die Konkurrenz: In der Blütezeit der Musikindustrie in den Neunzigern gab es in der Kernzielgruppe der Musikindustrie kaum Konkurrenzprodukte. Musik-Fanatiker kauften sich fleißig Alben interessanter Künstler. In Zeiten von Handy-Klingeltönen, MTV TRL-Votings, SMS-Chats, 9live, Premiere-Abos und einem stetig wachsenden DVD-Markt drängen immer mehr Konkurrenzprodukte auf den Plan, die um die Kaufkraft der potentiellen Kunden buhlen. das Fantum: Als wahrer Fan eines Künstlers ist man heutzutage geradezu dazu verpflichtet, sich das Album in drei verschiedenen Versionen zu kaufen, täglich eine Stunde bei MTV TRL zu voten (50 Cent pro Anruf) und die Musik seines Favoriten per Handy in die Welt (bevorzugt geschlossene Räume wie Busse oder S-Bahnen) hinauszutragen. Da man in der Freizeit fleißig illegale Download-Links seines Favoriten bei einschlägigen Seiten melden muss, bleibt keine Zeit für einen Nebenjob, um sich Geld für Alben anderer Künstler hinzuzuverdienen. die Lebenshaltungskosten: Die Kosten, um das eigene Überleben zu sichern, steigen und steigen. Mehrwertsteuererhöhung, Ressourcenverknappung durch Bio-Treibstoffe und vor allem das unverhältnismäßige Anwachsen der Energiepreise bei immer mehr Unterhaltungselektronik, die man laut Werbung unbedingt besitzen sollte, beschneiden obig erwähnte Kaufkraft. Leider können Arbeitnehmer, die ihr Gehalt nicht selbst festlegen dürfen, dieses nicht an diese Gegebenheiten anpassen. die Benzinpreise: Da man ein Auto, sofern man nicht unbedingt arbeiten möchte, nicht unbedingt benötigt, werden die Benzinpreise, die immer weiter in astronomische Höhen schnellen, hier separat aufgeführt. Sicherlich ist es einfach und kommt beim Volk gut an, die Öl-Konzerne für einen Preis von €1,51 pro Liter Normalbenzin zu kritisieren, allerdings bleibt dabei des Öfteren unerwähnt, dass sich die Politik mit über 60% Steuern kräftig an den Benzinpreisen bereichert. Eine gleichzeitige Abschaffung der Pendlerpauschale ist für den mobilen Normalverdiener geradezu ein Schlag ins Gesicht. Nun hoffe ich, dass ich durch die obigen Ausführungen ein stimmiges Gesamtbild erzeugen konnte. Die Menschen haben nach Abzug der notwendigen Ausgaben immer weniger Kaufkraft, mit welcher sie sich, durch die Werbung suggeriert, immer mehr und immer teurere Produkte kaufen sollen. Man muss nicht Peter Zwegat sein, um zu bemerken, dass diese Rechnung auf Dauer nicht aufgeht. Die Menschen müssen sparen und dies geschieht leider auf dem Rücken der Künstler, die hart für ihre Musik arbeiten. Nun ist es jedoch der falsche Weg, den potentiellen Kunden weiter zu kriminalisieren oder nach englischem und französischem Vorbild von der Informationsvielfalt des Internets auszusperren. Vielmehr müssen wir an einigen der obigen Punkte ansetzen, um eine Veränderung anzustoßen. Da es sich in einem demokratischen Land nicht gehört, sich regulatorisch in die Wirtschaft einzuschalten und Konkurrenzmärkte wie 9live oder Klingeltöne (wo zumindest die Musikindustrie fleißig mitverdient) auszutrocknen, muss an der Kaufkraft der Zielgruppe gearbeitet werden. Wir brauchen mehr Kaufkraft in diesem Land. So wäre es doch sinnvoll, liebe Frau Merkel, als ersten Schritt in die richtige Richtung die Pendlerpauschale ab dem ersten Kilometer wieder einzuführen und die Steuern auf Kraftstoffe wie Benzin zumindest temporär zu senken, anstatt nur die Öl-Konzerne zu kritisieren. So begrüße ich es, dass Sie es nun zur Chefsache machen möchten, dass der arbeitenden Bevölkerung nach Abzug der Lebenshaltungskosten genügend Geld zur Verfügung steht, um sich Luxusartikel wie Musik auf legalem Wege zu beschaffen und dadurch wahre Künstler wie Olli Banjo oder Maeckes & Plan B zu unterstützen. Es geht aufwärts! Herzlichst, Herr Merkt

Favorite - Anarcho (Review)

Politisch korrekt geht anders. In Anbetracht des Albumtitels "Anarcho" dürfte diese Erkenntnis jedoch nicht allzu überraschend kommen, da sich der potentielle Käufer bereits im Vorfeld auf ein Hörerlebnis einstellen konnte, bei dem der Protagonist gleich mehrfach an der Grenze des guten Geschmacks kratzt und diese sicherlich das eine oder andere Mal überschreitet. So ist es einzig und allein dem schier unerschöpflichen Talent des Esseners Favorite, sich selbst und die Welt nicht allzu ernst zu nehmen und dies in seiner Lyrik zu vermitteln, geschuldet, dass dieser Langspieler nicht in ein Sammelsurium aus peinlichen Provokationen und Grenzüberschreitungen ausartet. Oberflächlich betrachtet lassen auch das hart peinliche Back-Cover, sowie die massiven Rechtschreibschwächen im Booklet, mit denen man in direkte Konkurrenz zu berliner Imagerappern tritt, nichts gutes erwarten. Lässt man sich jedoch von diesen oberflächlichen Kritikpunkten nicht abschrecken und wirft einen Blick hinter die Fassade, so kann sich der Hörer über einige hochwertige Tracks wie die Street-Single "Anarcho Rap" freuen, auf der der Essener nicht nur inhaltlich Grenzen sprengt, sondern auch die gängigen Track-Konventionen überschreitet. Nicht minder überzeugend fallen das implizit selbstkritische "Besserer Mensch", das wahnsinnige "Oh mein Gott" und die beiden persönlicheren Tracks "Auszeit" und "Ich vermiss euch" aus. Aus der Liste geladener Gäste stechen vor allem Kool Savas ("Wunderschöner Tag"), Shiml ("Faustkampf") und der an anderer Stelle schwer gescholtene Kollegah ("30" und "Ghettoboyz") positiv hervor, während K.I.Z.s Nico weit hinter an den an ihn gerichteten Erwartungen zurückbleibt. Der Klangteppich, der von Rizbo, Chrizmatic, Mauvais Garcon, Vizir, Wassbass, Krizz Dallas und 2Deep geknüpft wurde, geht nicht immer direkt ins Ohr, kann nach intensiverer Beschäftigung jedoch als durchaus amtlich eingestuft werden. Zusammenfassend bleibt festzustellen, dass Favorite mit "Anarcho" ein bis in die sensationellen Skits hinein unterhaltsames Album vorlegen konnte, welches dem Szene-Hype um seine Person bis auf wenige Ausnahmen ("Sie wolln Fav") gerecht werden kann. Wertung: 4/6