Soundtrack des Lebens: Herr Merkt

Verehrte Leserinnen und Leser, in dieser Ausgabe von "Soundtrack des Lebens" projeziere ich mein brennendes Interesse an der musikalischen Sozialisation anderer Menschen auf Sie, unterstelle Ihnen somit Interesse an meiner musikalischen Sozialisation und befriedige Ihr Bedürfnis, indem ich einen Beitrag dazu verfasse. Rückblickend war meine frühe musikalische Sozialisation ein Fiasko, da meine Erziehungsberechtigten der Volksmusik verfielen, so dass Unterhaltungsprogramme wie der Musikantenstadl mit Karl Moik und dem Hias meine ersten Kontakte mit der Musik darstellten, während die OldSchool-HipHopper in Form von "Wild Style" und "Beat Street" mit dem HipHop-Virus infiziert wurden. Da dieses Phänomen fernab meines Horizonts existierte, verbrachte auch ich meine Samstagabende schunkelnd mit Liedgut der Kastelruther Spatzen, Heino, Patrick Lindner oder den Wildecker Herzbuben. Jedoch bemerkte ich bald, dass es in der großen weiten Welt mehr geben musste als schunkelnde Rentner und fröhliche Musikanten. Einen wesentlichen Abteil daran hatten Anfang der Neunziger Formate wie der "Disney Club", die mich erstmals mit Pop-Nummern wie "YMCA" von den Village People und "Go West" von den Pet Shop Boys konfrontierten. Feuer und Flamme für diese für mich neuartigen Klänge, sandte ich meinen Vater aus, um mir mit "Very" von den Pet Shop Boys meinen ersten eigenen Tonträger auf Kassette erwerben zu lassen. Schon damals fand ich Gitarren, bis auf wenige Ausnahmen, langweilig, was sich durch meine weitere musikalische Sozialisation durchziehen sollte. Mitte der Neunziger konnten mich dann erstmals Raps begeistern. Wäre ich ein heuchlerischer Lügner, würde ich Ihnen erzählen, wie mich Advanced Chemistry, die Stieber Twins, 2Pac, Notorious BIG, NWA, Dr. Dre oder Snoop Dogg in Ihren Bann zogen und seither nicht mehr los ließen. Da ich jedoch Authentizität groß schreibe, räume ich ein, dass mich vor allem die "Rapper" von Eurodance-Projekten wie E-Rotic, Masterboy, Clock, Captain Hollywood oder Pharao in Ihren Bann zogen und ich die wahren HipHop-Acts nur peripher wahrnahm. In der zweiten Hälfte der Neunziger ging ich, zunächst durch Euro-Rap-Acts wie Nana, C-Block, Black Attack und Papa Bear, aber auch durch Puff Daddy und den späten 2Pac einen weiteren Schritt in Richtung HipHop. Zu dieser Zeit begann ich auch mit Künstlern wie Freundeskreis, Absolute Beginner, Tefla & Jaleel oder Massive Töne zu sympathisieren. "King of rap" vom Plattenpapzt und Kool Savas nahm ich zwar wahr, jedoch stimmte mich der Track alles andere als euphorisch. Vielmehr stempelte ich ihn als langweilig und uninteressant ab, ich war mir sogar sicher, dass Kool Savas schon bald wieder in der Versenkung verschwinden würde. Zum Glück bin auch ich nicht unfehlbar. Meine Hauptpriorität Ende der Neunziger war sowieso nicht deutschsprachiger HipHop, sondern HipHop aus dem dreckigen Süden der Vereinigten Staaten von Amerika. So bin ich auch heute noch stolzer Besitzer aller Alben von Master P, Silkk the Shocker, C-Murder, Snoop Dogg und Tru, die während der Hochzeit von No Limit entstanden. Holla if ya hear me! Ende der Neunziger und Anfang des neuen Jahrtausends wurde ich dann zu diesem HipHop-Connaisseur, den Sie heute zu schätzen wissen. Während ich nach und nach die Klassiker der HipHop-Geschichte (deutsch, englisch und französisch) aufarbeitete, dominierten unter anderem aktuelle Tracks von Eminem, Xzibit, Wu-tang Clan, Ja Rule, Lootpack, Blackstar und sporadisch auch deutsche Tracks von 5 Sterne Deluxe, den Beginnern und Dynamite Deluxe meine Playlist, bis ein Rapper namens Olli Banjo meine Hörgewohnheiten auf ewig verändern sollte. "Du und mein Penis" hatte mich überzeugt, "Rotlicht" war der Scheiß überhaupt und "Erste Hilfe" dann der Klassiker, der sogar 50 Cents "Get rich or die trying" überflügeln sollte. Zu jener Zeit wurde ich rückwirkend und nachhaltig von HipHop deutscher Machart gepackt, so dass ich heute "King of rap" vom Plattenpapzt und Kool Savas zu meinen All-Zeit-Favoriten zähle. Durch Olli Banjo kam ich dann auch erstmals mit Aggro Berlin, in Form von Bushido und Fler, in Berührung, da Herr Banjo als Vorband für diese fungierte. Schon damals zeichnete sich ab, dass es Aggro Berlin noch weit bringen würde, da mir am Merchandise-Stand vier Aggro-Produkte , darunter Bushidos "Vom Bordstein zur Skyline" aufgeschwatzt wurden, obwohl mich dessen Auftritt nicht wirklich interessierte. Kurz darauf begann die Hysterie um sidos "Mein Block" und auch ich bin auf den Zug aufgesprungen. Jedoch zunächst in entgegengesetzter Richtung. Sobald ich auch nur eine Maske sah, griff ich zur Fernbedienung und zappte weg. Ich war mir sicher, dass sido eine Eintagsfliege bleiben würde und sämtliche Aggro-Fans intellektuell herausgefordert seien. Um diese Hypothese zu bestätigen, kaufte ich mir heimlich "Maske" und musste feststellen, dass mehr hinter sido steckt als ich auf den ersten Blick vermutet hatte. Dank RTL wurde ich dann auch noch auf den "Arschficksong" aufmerksam. In letzter Zeit widmete ich mich vermehrt Produktionen deutscher Künstler wie Maeckes & Plan B, K.I.Z., Sera Finale oder Mädness, wobei ich immer noch gute internationale Produktionen wie die letzten Alben von Justin Timberlake, Nelly Furtado, Christina Aguilera oder Kanye West zu schätzen weiß.

Kommentare:

  1. Herr Merkt,

    als alter Snoop Dogg Fan vielleicht für dich interessant:

    Snoop fährt mal wieder dick auf und es gibt daher auch Releasepartys zum Album am 7. und 8. März in allen größeren Städten.
    Wer hin und mit abfeiern will: auf www.vybemobile.de gibt's ein Gewinnspiel (unten links), wo Gästelistenplätze zu jeder Party verlost werden..

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  2. aaalso...bin jetz mal zufällig auf diese seite gestossen und muss sagen dass du ja ein noch viel krasseres Opfer bist als ich bisher gedacht habe...ich kenn dich schon da du auf diversen musikseiten permanent deine scheiß reviews postest...ein bekennender Volksmusikhöhrer hat keinen aber auch gar keien bezug zur hip hop kultur und sollte sich deswegen auch nicht anmassen darüber zu urteilen/schreiben...peace du bauer

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