Phrequincy - Ich kann's mir leisten (Review)

Wie soll der seriöse Kritiker eine Platte bewerten, von der der ausführende Produzent selbst sagt, dass er das Gefühl habe, nicht alle Beteiligten hätten das Optimum aus sich herausgeholt. Was soll er sagen, wenn ein höchst uninspirierter Hengzt in einem beinahe gasförmigen Intro Belanglosigkeiten vor sich hinträllert, die weder eine halbwegs vernünftige Songstruktur ergeben, noch den Anforderungen eines gelungenen Intros gerecht werden. Auch die moderat gehypte Video-Auskopplung/designierte Club-Hymne "Wir sind im Haus (Handschlag Faust)" mit den beiden "Curtains Up"-Signings Juvel und Josof weiß mich nur bedingt zu überzeugen, obwohl die musikalische Untermalung durchaus als gelungen bezeichnet werden kann. Entsprechend dem Albumtitel fährt Phrequincy auf seinem Debüt-Longplayer prominente Features auf. So geben sich arrivierte Gäste wie Samy Deluxe, Azad, Curse, Olli Banjo, Illo, Reno Manuellsen & Valezka, Jonesmann und D-Flame und Newcomer wie die Headliners, Patrick mit Absicht, Ali A$, Megaloh & Sprachtot, Blaze [Verwechslungsgefahr: Blade (Deluxe Records)], Phreaky Flave & F.R., Jawan, Valentin Stilu, Fanatixxx & Cetin und Jeyz das Klangaufzeichnungsgerät in die oberen Extremitäten. Der Outcome, den dieses Ensemble generiert zeigt sich dabei als recht durchwachsen. Ali A$ puncht auf dem großartigen "Ich bin ein Rapper" die Konkurrenz in Grund und Boden, Olli Banjo "Clickt das Game" auf mäßig überdurchschnittlichem Niveau, die Newcomer von den Headliners überzeugen auf "Alles was ich bin", ein hungriger D-Flame stellt im "Exklusivinterview" mit Flexxx klar, dass er noch lange nicht zum alten Eisen gehört, Anti-Aids-Botschafter Samy Deluxe weitet seinen Kampf auf weitere Geschlechtskrankheiten aus, Curse erzählt auf "Mein Glaube" eine nachdenkliche Geschichte, Jeyz rappt sich auf einem sensationellen Beat in Rage, Blaze bleibt mit "Ein guter Tag" nachdrücklich im Gedächtnis haften Fanatixxx und Cetin liefern die obligatorische "Kopf hoch!"-Hymne und Illo ist einfach "Wunderbar". Für die Ladies wird mit Jonesmanns "Superstar" und Valentin Stilus großartigem "Ich fühl dich" tief in die R&B-Schublade gegriffen. Soviel zur Haben-Seite. Negativ haften bleiben überraschend blutleere Beiträge von Azad, Megaloh & Sprachtot, Phreaky Flave & F.R., Reno und dem charismatischen Manuellsen, welche ich unter normalen Umständen sehr zu schätzen weiß. Jawan rangiert mit seiner Interpretation von "Vater" knapp vor der 3. Generation, wobei ich dem Künstler zu Gute halte, dass der Song nicht so berechnend wirkt wie der unsägliche 3. Generation-Hit. Die beiden Skits erinnern stark an Illmatics "Ali und Stavros" und dürfen getrost unter den Tisch fallen. Als Bonus bekommt der willige Käufer einen Hidden-Track mit illustren Gästen aus Übersee (u.a. Young Buck & Bun B) und 13 durchweg gelungen Instrumentals der bereits besprochenen Tracks auf die Ohren. Auch wenn auf "Ich kann's mir leisten" nicht jeder Gaststar seinem ihm vorauseilenden Ruf gerecht werden kann, kann der wohlwollende Kritiker das Produkt aufgrund der durchweg großartigen Produktionen und dem Lieferumfang von zwei Tonträgern weiterempfehlen. Wertung: 3,5/6

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