Letten im Weltall - Zum Abschuss bereit (Review)

Die Letten im Weltall, das sind die beiden MCs Fizzy Fresh und ErstePerson Singular (EPS), die es auf ihrer Flucht aus Lettland in das beschauliche Städtchen Freiburg verschlagen hat. Eben jener Stadt widmen sie zusammen mit Mile eine Hymne, die gekonnt ein idyllisches Bild der Stadt zeichnet und einen Seitenhieb in Richtung der Rapkilla bereit hält. Neben "Freiburg" tritt Fizzys "ZweiVorEins"-Partner Mile auch auf der Internet-Hater-Abrechnung "www.vollidioten.de" und dem Allstar-Track "Gruppe X'n 80" neben Cashes Cle, Pfauth, Hofi Anan und Teufel gekonnt in Erscheinung. Lediglich der "Pädagoge Skit" ist zumindest nach meinem Geschmack für mehrfachen Genuss nicht geeignet. Für den Skit entschädigt dann allerdings das großartige "Televolution", in dem Fizzy im Alleingang die halbe Fernsehwelt auseinandernimmt und in einen unglaublichen Text verpackt. Ein weiteres Highlight bildet "Wo is die Liebe hin", in dem ein kritischer Blick auf Rassismus und Geld als der Liebe abträgliche Faktoren geworfen wird. Auf "Der Beste" loben sich die Letten gegenseitig derartig in den Himmel, dass ein zukünftiger werbewirksamer Split inklusive gegenseitigen Diss-Tracks eigentlich unmöglich wird. Unbedingt reinhören sollte der HipHop-Kopf auch in die beiden Tracks mit Mars (Illyrium), von welchen vor allem "Schnell gelebt" als Plädoyer gegen ein Leben auf der Überholspur ein weiteres Highlight der Platte darstellt. Der Song wartet mit einer hervorragenden Textidee auf, welche ich allerdings den hoffentlich zahlreichen Käufern vorbehalten möchte. Auch "Orders from hell" überzeugt mit drei ausgefeilten Geschichten über drei tragische Schicksale und sticht so wohltuend hervor. Der Track "Die alten Bilder" dürfte jedem mit wohlbehüteter Kindheit Gänsehaut auf den Körper zaubern und auch mit dem Entscheidungs-Track "WaDuWolle" sollte sich so ziemlich jeder identifizieren können, während "Ententanz" mit Enten, Affen und Letten auf psychoaktiven Pilzen ein wenig abgedrehter ist, aber dennoch gut in das Gesamtbild des Albums passt, welches durch eine große Themenvielfalt besticht und dabei gekonnt die gängigen HipHop-Klischees umschifft oder gar parodiert ("Hey Süße Skit"). Das Soundbild des Albums fällt mit Beats von Czukles, Fizzy und Agent Dan eher Oldschool aus, ist aber dennoch auf gutem Niveau produziert und abgemischt, auch wenn das Rad der Beats nicht neu erfunden wird. Im Großen und Ganzen handelt es sich bei "Zum Abschuss bereit" also um ein sehr rundes Werk, welches das Gehör der HipHop-Nation verdient hätte. Interessierte besuchen die Homepage der Letten, wo sie sich einige Tracks auf die Festplatte kopieren können. Wertung: 3,5/6

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