"Curtis" versus "Graduation": Der Vergleich

Viel wurde über die Tatsache, dass diese beiden Alben am selben Tag das Licht der Plattenläden erblicken, diskutiert. Von Fans, den Medien und nicht zuletzt von den Künstlern, vor allem von 50 Cent, selbst. So verwettete dieser glatt seine Solo-Karriere, falls Kanye West mit seinem Album "Graduation" höhere Verkaufszahlen erzielen sollte als 50 Cent mit seinem neuen Werk "Curtis". Lassen wir nun an dieser Stelle, wie es Kanye West einforderte, die Musik sprechen, die KanYeezy und Fiddy uns auf Albumlänge vorsetzten. Vorweg sei geschickt, dass weder Mr. West, noch Mr. Jackson inhaltlich oder musikalisch das HipHop-Rad komplett neu erfinden, sondern vielmehr bereits bewährte Konzepte weiter ausbauen. Dabei gibt es jedoch gewaltige Unterschiede bei der Umsetzung. Bei Kanye West treffen virtuos produzierte Instrumentals auf Retrospektiven und Ausführungen über die Vorzüge eines gut situierten Lebens, wobei auch die Selbstbeweihräucherung nicht zu kurz kommt. Dabei kann er auf die Unterstützung von Chris Martin (Coldplay), Lil' Wayne, Mos Def, dem omnipräsenten T-Pain und Dwele bauen, die die jeweiligen Tracks, auf welchen sie zu hören sind, allesamt bereichern. Besonders lobend hervorzuheben sind hierbei die auf einem Daft Punk-Sample basierende Single "Stronger", das ebenfalls vorab bekannte "Can't tell me nothing" mit sehr beeindruckendem Beat, "Homecoming", welches eine Hymne für Chi-Town darstellt und mit einem wahnsinnigen Beat gesegnet wurde, sowie der abschließende Track "Big brother", auf welchem er die Höhen und Tiefen seiner geschäftlichen Beziehung mit Hova eindrucksvoll aufarbeitet. Auch auf dem Rest des Albums bewegt sich Kanye West mit gut arrangierten, beinahe schon virtuosen Melodien im weit gehobenen Durchschnitt, so dass er die hoch gelegten Messlatten von "College dropout" und "Late registration" auch mit diesem Werk erreicht. Ein rundum gelungenes Album, wozu auch das Cover-Artwork, welches zudem als Poster beiliegt, beiträgt. Dagegen tut sich 50 Cent mit seinem dritten Longplayer schwer, die Klasse seines Debüts "Get rich or die trying" auch nur ansatzweise zu erreichen. Die Intrumentals wirken zu blutleer, die Reime über weite strecken zu satt. Fiddy hat alles erreicht und das spürt man an seiner Musik auf "Curtis". 50 kombiniert Texte über Waffen, Gewalt, Geld und die Ladies und versucht hier und da einige persönliche Worte einfließen zu lassen. Man müsste lügen, wenn man leugnen wollte, dass hierbei einige amtliche Stücke heraussprangen, aber gemessen an den Ansprüchen, die nicht zuletzt "Curtis" selbst an seiner Musik weckt, ist das einfach zu wenig. Besonders lobend erwähnen möchte ich die mit jedem Hördurchgang wachsende Single "Ayo technology" mit Justin Timberlake und Universal-Genie Timbaland, den von Havoc produzierten Banger "Fully loaded clip", das wunderbare "All of me" mit der "First Lady of R&B" Mary J. Blige und das textlich zwar nicht sonderlich innovative, aber trotzdem großartige "Straight to the bank". Der Rest bewegt sich irgendwo zwischen Belanglos und nervtötend, was bei "Touch the sky" auf Tony Yayos Stimme rückführbar ist. Auch weitere Gäste vom Kaliber eines Eminems oder Young Bucks scheinen bei ihren Beiträgen vollkommen neben sich zu stehen und enttäuschen auf ganzer Linie. Lobend zu erwähnen ist hingegen der relativ unbekannte Produzent Jake One, der mit "Moving on up" ein gutes Instrumental baut, welches von 50 jedoch nicht würdig bespuckt wird. "Curtis" ist zwar alles andere als schlecht, allerdings muss es sich an dem messen lassen, was 50 Cent an Erwartungen schürte. Und hinter diesen bleibt er nunmal weit zurück. Wie den obigen Ausführungen zu entnehmen ist, hat meiner Ansicht nach Kanye West ganz klar die Nase vorn. Auch wenn er keinen Knockout landet, handelt es sich zumindest um einen klaren Punktsieg, was die Musik betrifft. Wenn man die Verkaufzahlen einiger Internet-Händler heranzieht, so könnte Kanye am Ende auch bei den Verkaufszahlen die Nase vorne haben. Verdient hätte er es allemal! Wertungen: Kanye West - Graduation: 5,5/6 50 Cent - Curtis: 3,5/6

Kommentare:

  1. Habe mir heute ‘ Curtis ‘ geholt und war nach dem langen warten auf das Album doch eher enttäuscht.

    Bevor ihr aber böse hated, will ich das auch fundiert begründen:

    Also ich höre seit 15 Jahren Rap und HipHop und habe so manche große karriere studiert.
    Ich bin Fiddy-Fan der ersten Stunde, als er noch Untergrund war, bevor ihn Em und Dre groß machten.
    Das neue Album ist mir einfach zu kommerziell geraten und ich fühle mich als Zuhörer nicht mehr so angesprochen wie früher.

    50 hat seinen Style und seine Inhalte doch sehr verändert.

    Bevor ich heute das Album kaufte, hab ich schon mal vorab ein paar andere Kritiken gelesen und auch das Interview mit 50 in der letzten Vanity Fair, wo er ‘Curtis’ mit ‘Get rich or die tryin’ vergleicht.

    Meint er das wirklich ernst???

    Ich vermisse Tracks wie ‘Heat’ oder ‘Many Man’ auf Curtis.
    Eben echte Gangsta-Stories, die real bis aufs Blut waren und mit denen ich mich total identifizieren konnte.
    Wo sollen die auf ‘Curtis’ bitte schön sein?
    Mithalten kann davon jedenfalls keiner, und das Fiddy sagt er sei noch immer Hood, klingt für mich fake von´jemandem, der in der reichsten Gegend der USA lebt und seinen Sohn auf die Eliteschule schickt.

    Stattdessen mit der Zeit gehen.

    Gut, aber:
    Warum? Aus Angst vor dem großen Flop? Und deshalb auch die Drohung aufzuhören wenn diese Schwuchtel Kanye West besser verkauft?
    Von 2Pac hätte es sowas nie gegeben.

    Warum all diese Trendkollabos mit Justin, Timbaland und diesem Afrikaner AKon?
    Weil er es alleine nicht mehr bringt?

    Den Vogel schießt er aber für mich mit Mary J. Blidge ab:
    Diese ehemalige Crack-Hoe nervte doch schon mit ludacris, dmx und früher mit Jay-Z , Mann.
    Was ist aus Olivia geworden? Selbst der letzte Track mit Ciara ist tausendmal besser.

    Und die G-Unit?

    Wo ist Lloyd Banks auf dem Album? Der fehlt mir wirklich.
    Auf Yayo, den ich schon auf seinem Soloalbum scheiße fand und es trotzdem gekauft habe, kann man dagegen echt verzichten.

    Aber Banks? Dessen letzte Platte war der Hammer. ‘Rotten Apple’ hatte nur die falsche Singleauskoppelung, sonst wären noch viel mehr leute darauf abgefahren.
    Da sind Gangsta-Nummer (Track 9 + 11) drauf, die stechen 50 aus und dazu RnB-Stuff vom Allerfeinsten( Track 7 und 14).
    So hätte ich mir ‘ Curtis ‘ auch gewünscht.

    Gut, gegen das meiste Zeug ist auch ‘Curtis’ noch ein Treffer.
    Jay-Z hatte mir nach 11 Alben nurnoch zu sagen wieviele Stempel er in seinem Pass gesammelt hatte.
    Das interessiert zwar keinen, ist aber ehrlicher als von der Hood zu labbern, in der er mit 340 Millionen sicher kaum noch was verloren hat.

    Denkt wirklich mal darüber nach wie sich das mit 50 entwickelt hat seitdem er auch hundert Millionen und mehr hat.
    Auf ‘The Massacre’ gab es ja noch ‘Sky Mask Ways’ und ‘Supposed to die tonite’ als ehrliche Hymnen an das Gangsta-Leben.
    Oder so persönliche Sachen wie ‘God gave me style’.
    Das war glaubhaft und ich hab die CD noch heute fast jeden Tag im Player.

    Der echte 50 Cent von heute, ist für mich nur noch auf ‘Amusement-Park’ anzutreffen.
    Kann mir bildlich besser vorstellen wie er einer Frau den ‘Rabbit’ untenrein schiebt, als das der Multimillionär in der Hood nach Crackhustlern jagt, oder?

    Zuletzt noch eine Frage: Was ist aus der Kollabo mit LL Cool J geworden?

    LL war doch bei Urban so megastolz auf die Platte.
    Seitdem habe ich davon nix mehr gehört.
    Und da LL mit 2Pac, Jay-Z und 50 zu meinen Alltime-Favorites gehört hätte ich gerne gewusst was daraus geworden ist.

    ALSO HOMies, kauft bitte das ALbum bevor 50 ( mit dem ich doch tatsächlich gemeinsam Birthday habe) sich noch wegen Kanye self-distructen muss.

    Peace I’m out….

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  2. Zum Teil etwas fraglich, was du da raushaust...@1 Kommentar

    Also ich unterstütze Herr Merkts Auffassung zum Album Graduation völlig. Die Beats zeugen von der unglaublichen Klasse des KanYe, das Rappen ist (für mich, ich weiß, da gibt es viele die anders denken) sowieso weltklasse. Ein Timing, es ist herrlich...

    Ausnahme in wirklich zurecht ausgewählten Features ist hier Lil Wayne... er rappt einfach nicht mal ansatzweise auf irgend einem Pro-Niveau... Ihn im Track "Barry Bonds" hinter Kanye zu stecken ist zwar mutig, aber wohl eher unklug.

    Beats, die im Ohr bleiben, Texte die überzeugen: Danke KanYe!

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  3. P.S. : Ich wars, Lutenen Spear (bsww.de) ;)

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  4. Wie kann jemand Mary J. Blidge als ehememalige Crack-Hoe in Verruf bringen, und ihre Musik disskriditieren und gleichzeitig von sich behaupten Ahnung von Hiphop zu haben.

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  5. Kanye West hats verdient, er rappt besser und nuschelt nicht.
    50 Cent soll endgültig verschwinden

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  6. @ Yessegod: Mary J war definitiv ein Junkie, bevor Puffy oder Diddy wie auch immer, sie groß rausgebracht hat.

    Ich bleib dabei: Zu 50s Style passt Olivia viel besser, weil sie vorallem nicht auf jedem Track die gleiche klagende Weinkrampfstimme ablässt wie Mary.

    Und wer die Kritiken zu ihrem letzten Album gelesen hat, so wie ich, der kann definitiv sagen, das Mary out ist...

    Ach ja: Wer mich kritisiert, sollte das fundiert tun und nicht in Rätseln sprechen ( 'fraglich ' )

    Da euch zu LL und Banks nix eingefallen ist, schließe ich mal darauf, das ihr eh keine Ahnung habt...

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  7. naja ich muss sagen insgesamt zeigt sich curtis doch von einer starken seite, besser als die reviews im internet erahnen lassen.

    auf einem niveu mit dem ebenfalls sehr guten graduation.

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