Herr Merkt hilft: Die HipHop-Sprache

Verehrte Leserinnen und Leser,
natürliche Sprachen sind komplexe Gebilde, die in einem langwierigen Prozess entstehen und stetigen Veränderungen unterliegen. Diese Grundannahme ist zwar nicht verkehrt, dennoch folgen sämtliche natürliche Sprachen bezüglich der Häufigkeiten einzelner Wörter dem Zipfschen Gesetz, welches besagt, dass nur sehr wenige Worte sehr häufig und relativ viele Worte sehr selten auftauchen. Aufgrund dieser Gesetzmäßigkeiten lassen sich in jeder natürlichen Sprache einzelne Wörter im Bezug auf das häufigste Wort in dieser Sprache klassifizieren.

Das häufigste Wort einer Sprache wird der Häufigkeitsklasse 0 zugewiesen. Allen weiteren Wörtern X wird eine Häufigkeitsklasse x > 0 zugeordnet. Die Häufigkeitsklasse besagt, dass das häufigste Wort einer Sprache 2^x (sprich: 2 hoch x) Mal häufiger vorkommt als das besagte Wort X! Je größer die Häufigkeitsklasse, desto seltener das Wort. Inverses Denken ist gefragt!

Nun möchte ich die Hypothese aufstellen, dass es sich auch beim HipHop um eine natürliche Sprache handelt, die im Laufe einiger Jahre entstand. So ist es auch hier möglich, einzelne Wörter im Bezug auf ihre Häufigkeit zu klassifizieren! Daher habe ich mich zu diesem Zeitpunkt bereits mehrere Wochen mit deutschem HipHop beschäftigt und Songtexte, Magazine, Internetforen und Interviews analysiert. Mit Stolz präsentiere ich Ihnen heute die Ergebnisse meiner Arbeit!

Im Falle von HipHop konnte ich als am häufigsten verwendetes Wort "Alter" identifizieren! Damit bekommt dieses Wort die Häufigkeitsklasse 0 und kommt 2^0 Mal häufiger vor als das Wort "Alter". Klingt komisch, ist aber so!

Im folgenden nenne ich verschiedene Worte und schreibe in Klammern die jeweiligen Häufigkeitsklassen.
Hurensohn (2; d.h. das Wort "Alter" kommt 2^2 (sprich: 2 hoch 2) Mal häufiger vor als das Wort "Hurensohn"), nett (21), freundlich (63), whack (6), real (3), Untergrund (4), tight (9), ficken (1), Mutter (3), Rap (4), Beste (3), Tonika (1999), Juice (27), schwul (9), MySpace (50), Mixtape (8), Album (10), Streettape (15), Street-Mixtape (21), Streetalbum (22), 77store.com (11), YouTube (8), Atze (4), Nazi (13), MC (7), blasen (5), lutschen (11), Dick (15), Schwanz (6), Pussy (5), Vagina (177), Insallah (21), Pistole (9), pervers (21), höflich (47), Sellout (11), Mic (6), fresh (4), Bitch (7), Schlampe (5), Frau (1110), Prinzessin (4444), Respekt (8), dissen (4), Liebe (15), Habibi (9), Twitter (7), Facebook (2), Herr Merkt (1), Download (3)

Ich hoffe, dieser Beitrag war lehrreich und stellt eine gelungene Ergänzung zu meinem kleinen Rap-Wörterbuch dar!

Ein ähnliches Projekt, das sich jedoch nicht mit HipHop, sondern allgemein mit der deutschen Sprache befasst, finden Sie hier.

Kommentare:

  1. Lieber Herr Merkt, danke für diesen wunderbaren Auszug aus Ihrer Studie. Für mich als Linguisten ist natürlich interessant, was sie alles in Ihre Statistik miteinbeziehen. Zählen sie alle gesprochenen Wörter dazu, als auch Shout-Outs, In- und Outros, oder konzentrieren Sie sich ausschließlich auf die expliziten Strophen und Kehrverse? Gerade die Häufung spezieller Hip-Hop-spezifischer Diskursmarker ausserhalb der eigentlichen Strophen "verzerren" (je nach Fragestellung) ja durchaus die Statistik, wenn Sie verstehen, was ich meine. Weiter so!

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  2. Oh, bitte entschuldigen Sie, soeben sehe ich, dass Sie ja weit mehr als nur Songtexte analysieren. Haben Sie auch eine Auflistung, die sich ausschließlich auf Lieder bezieht? Falls ja, wäre ich Ihnen sehr verbunden, wenn Sie sich bei mir (mile) melden würden! Danke!

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  3. Gäb's den "Mehr davon"-Button noch (wieso eigentlich nicht mehr?), hätte ich den jetzt auf jeden Fall gedrückt. Daumen hoch für "Herr Merkt hilft"! Derart banale Fakten im wissenschaftlich-seriösen Gewand braucht die Hip Hop-Welt.

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  4. Lustig wenn Herr Merkt hier für sich selbst die Kommentare schreibt, da sich hier sonst keiner herumtreibt außer ich und die anderen zwei (Herr Merkt & seine 2. Persönlichkeit).

    Herr Merkt auf dem absteigenden Ast, traurig? Nein, zurecht!

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  5. find ich gut, nur leider scheint das ausgewertete Material relativ klein und speziell ausgewählt zu sein

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