Auch wenn ich von meinen Leserinnen und Lesern nur allzu gerne in die Schublade mit der Aufschrift "intelligent" gesteckt werde, möchte ich mich nicht uneingeschränkt F.R.s bewusst provokant gewähltem Single-Titel "Rap braucht Abitur" anschließen.
Sicherlich wäre es wünschenswert, wenn HipHop - nicht zuletzt im Hinblick auf seine Außenwirkung - eine positive Aufbereitung des herb angeschlagenen Images erfahren würde. Die deutsche Bildungselite muss sich ohne Scham zur eigenen HipHop-Affinität bekennen können. Insofern kann ich der Botschaft, die hinter diesem Titel steckt, nur zustimmen.
Wie sicherlich auch vom Künstler intendiert, soll dieser Titel jedoch in keinster Weise zum Ausschluss bildungsfernerer Schichten aus der deutschen HipHop-Landschaft führen. So haben auch Künstler wie sido, die in ihren Werken - wenn auch zum Teil sehr gut versteckt - positive Botschaften zu vermitteln versuchen, durchaus ihre Daseinsberechtigung. Sie werden sogar dringend benötigt, um das Spiel interessant zu halten.
Da ich die offensiven Bemühungen F.R.s sehr wohlwollend betrachte, möchte ich mit gutem Beispiel voran gehen und dem Künstler die ihm zustehende Aufmerksamkeit zukommen lassen. Auf dass RTL und Konsorten folgen und dem Album "Vorsicht Stufe" großer Erfolg vergönnt sei.
Damit Sie wissen, wovon ich überhaupt spreche, möchte ich Ihnen abschließend das hervorragende Video zu F.R.s "Rap braucht Abitur" ans Herz legen.
Dienstag, 13. Mai 2008
Braucht Rap Abitur?
Montag, 12. Mai 2008
Am 16.05.2008 machen alle das "O"
Die Orsons - das sind Maeckes, Plan B, Tua und Kaas.
Diese illustre Schar hoffnungsvoller Künstler möchte mit ihrem gemeinsamen Album, das pünktlich zum Splash erscheinen soll, die Schweineställe der Nation übernehmen.
Seit geraumer Zeit zerbricht sich der interessierte HipHop-Kopf den letzteren, um das Geheimnis hinter der geheimnisvollen Werbekampagne "Am 16.05.2008 machen alle das "O"" zu lüften, welche die Veröffentlichung des besagten Albums begleitet.
"Herr Merkt spricht über HipHop" möchte die Vermutung aussprechen, dass die aktuelle Juice dieses Geheimnis lüftete. So wird in einem kurzen Beitrag über "Die Orsons" eine Download-EP erwähnt, die die Nation auf das kommende Album einstimmen soll. Ob die EP verschenkt oder über iTunes oder Konsorten käuflich zu erwerben sein wird, kann ich zum momentanen Zeitpunkt noch nicht inferieren.
Bitte beachten Sie, dass es sich bei den obigen Ausführungen lediglich um Mutmaßungen des Verfassers handelt. Am 16.05.2008 wissen wir mehr.
Aggro Berlin und die Juice
Sind die Verhandlungsmethoden von Aggro Berlin etwa zu aggressiv für das Münchner Fernfahrermagazin?
Wie sonst lässt sich das Fehlen eines sido-Interviews, das Verschweigen des "Aggro Berlin"-Beitrages auf "Rap City Berlin 2" und die Ermangelung sämtlicher Werbe-Anzeigen seitens Aggro Berlin in der aktuellen Juice Ausgabe erklären, wo doch das neue sido-Album "Ich und meine Maske" mit gewaltigen Schritten naht.
Im Zusammenhang mit dem Editorial über aggressive Verhandlungsmethoden, in dem zwar kein Label namentlich erwähnt wird, liegt es Nahe, dass sich Aggro Berlin und die Juice temporär überworfen haben. Nur böse Zungen würden behaupten, dass dieser Umstand auch irgendwie mit der ersguterjunge-Dominanz auf der neuen Juice-CD und dem Chakuza-Cover verwoben ist.
"Herr Merkt spricht über HipHop" möchte die beiden Parteien höflichst darum bitten, sich im Sinne von HipHop baldmöglichst zusammenzureißen.
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!
Mittwoch, 7. Mai 2008
Herr Merkt präsentiert "Kennenlernrunde Vol.3" (Download)
Verehrte Leserinnen und Leser,
wieder einmal kämpfte ich mich durch unzählige kostenlose Download-Veröffentlichungen, um Ihnen einen Überblick über die Schätze des Internets bieten zu können.
Ich freue mich besonders darüber, dass alle angefragten Künstler ihre Tracks für diesen Sampler freigaben und möchte ohne weitere Umschweife zur Trackliste überleiten.
01 Laas Unlimited - Wir kenn' dich nicht
Laas Unlimited @ MySpace
02 Empulse feat Maeckes - Prise Magie
von dem Album "44 Minuten Ruhm"
Empulse @ MySpace
Maeckes @ MySpace
03 Prinze Low feat Inferno 79 - Blockpartshit
von der EP "Free Online EP"
Prinze Low @ MySpace
Inferno79 @ MySpace
04 Waes & Upset - Monsterballade
von der EP "Halt's Maul, is umsonst du Hund!"
Waes & Upset @ MySpace
05 Sturm - Storm ist zurück
Sturm @ MySpace
06 Grizzly & Shot - 100%
von der EP "Geld spielt keine Rolle"
Grizzly & Shot @ MySpace
07 Agent Dan & Mile - Der Unbestechliche
Agent Dan @ MySpace
Mile @ MySpace
08 Uzak - Kein Ding (Ninjo Remix)
Uzak @ MySpace
09 fedaLic - Verdammt!
fedaLic @ MySpace
10 Empulse feat Montana Max & Morlockk Dilemma - Trete deinen Arsch
von dem Album "44 Minuten Ruhm"
Empulse @ MySpace
Montana Max @ MySpace
Morlockk Dilemma @ MySpace
11 Corny Kuba - Hallo Deutschland
Corny Kuba @ MySpace
12 Sandy Solo - 300
von dem Mixtape "Wo ist mein Geld?"
Sandy Solo @ MySpace
13 Richter - Ich bin jung und brauche kein Geld
von der EP "Scheiß auf's Game"
Richter @ MySpace
14 Djin - Gottlos
Djin @ MySpace
15 Brit Milla - Vom kleinen Stein zum Felsen
Brit Milla @ Web
16 Porni - Einzigartig
von dem Mixtape "Einzigartig"
Porni @ MySpace
17 Farbstoff - Titan in der Lunge
Farbstoff @ MySpace
18 Inferno79 - Schattenleben
von dem Album "Seelenkrieg"
Inferno79 @ MySpace
19 Weekend - Ewigkeit
Weekend @ MySpace
20 Clemenceau - Piano forte
von der EP "Srachsavant"
Clemenceau @ MySpace
21 Prezident - Fickfilm
von dem Album "Kleiner Katechismus"
Prezident @ Web
Ich wünsche Ihnen viel Spass mit den Tracks und hoffe, dass ich Sie zur weiteren Beschäftigung mit den jeweiligen Künstlern anregen konnte.
Download-Links:
Spiegel 1
Spiegel 2
Spiegel 3
Herr Merkt hilft der Bundeskanzlerin
Der Kampf gegen Raubkopierer ist jetzt Chefsache.
Da ich es grundsätzlich begrüße, wenn in unserem Land die richtigen Prioritäten gesetzt werden, möchte ich der Bundeskanzlerin mit Rat und Tat zur Seite stehen, um die CD-Verkäufe von echten Künstlern wieder anzukurbeln.
Um das Problem der sinkenden Plattenverkäufe sinnvoll zu bekämpfen, müssen zunächst die Ursachen erkannt und richtig gedeutet werden:
das Internet: Die Verfügbarkeit sämtlicher Musikstücke mit nur einem Mausklick scheint durchaus verlockend zu sein. Da die Musikindustrie die Zeichen der Zeit viel zu spät erkannte, fehlt es noch an kundenfreundlichen legalen Alternativen zum illegalen Schlaraffenland. Zehn verkrüppelte, eingeschränkt nutzbare Dateien für €9,95 zu verkaufen, erachte ich dabei in keinster Weise als kundenfreundlich, sondern vielmehr als unverschämte Abzocke! MP3-Flatrates müssen her!
die Konkurrenz: In der Blütezeit der Musikindustrie in den Neunzigern gab es in der Kernzielgruppe der Musikindustrie kaum Konkurrenzprodukte. Musik-Fanatiker kauften sich fleißig Alben interessanter Künstler. In Zeiten von Handy-Klingeltönen, MTV TRL-Votings, SMS-Chats, 9live, Premiere-Abos und einem stetig wachsenden DVD-Markt drängen immer mehr Konkurrenzprodukte auf den Plan, die um die Kaufkraft der potentiellen Kunden buhlen.
das Fantum: Als wahrer Fan eines Künstlers ist man heutzutage geradezu dazu verpflichtet, sich das Album in drei verschiedenen Versionen zu kaufen, täglich eine Stunde bei MTV TRL zu voten (50 Cent pro Anruf) und die Musik seines Favoriten per Handy in die Welt (bevorzugt geschlossene Räume wie Busse oder S-Bahnen) hinauszutragen. Da man in der Freizeit fleißig illegale Download-Links seines Favoriten bei einschlägigen Seiten melden muss, bleibt keine Zeit für einen Nebenjob, um sich Geld für Alben anderer Künstler hinzuzuverdienen.
die Lebenshaltungskosten: Die Kosten, um das eigene Überleben zu sichern, steigen und steigen. Mehrwertsteuererhöhung, Ressourcenverknappung durch Bio-Treibstoffe und vor allem das unverhältnismäßige Anwachsen der Energiepreise bei immer mehr Unterhaltungselektronik, die man laut Werbung unbedingt besitzen sollte, beschneiden obig erwähnte Kaufkraft. Leider können Arbeitnehmer, die ihr Gehalt nicht selbst festlegen dürfen, dieses nicht an diese Gegebenheiten anpassen.
die Benzinpreise: Da man ein Auto, sofern man nicht unbedingt arbeiten möchte, nicht unbedingt benötigt, werden die Benzinpreise, die immer weiter in astronomische Höhen schnellen, hier separat aufgeführt. Sicherlich ist es einfach und kommt beim Volk gut an, die Öl-Konzerne für einen Preis von €1,51 pro Liter Normalbenzin zu kritisieren, allerdings bleibt dabei des Öfteren unerwähnt, dass sich die Politik mit über 60% Steuern kräftig an den Benzinpreisen bereichert. Eine gleichzeitige Abschaffung der Pendlerpauschale ist für den mobilen Normalverdiener geradezu ein Schlag ins Gesicht.
Nun hoffe ich, dass ich durch die obigen Ausführungen ein stimmiges Gesamtbild erzeugen konnte. Die Menschen haben nach Abzug der notwendigen Ausgaben immer weniger Kaufkraft, mit welcher sie sich, durch die Werbung suggeriert, immer mehr und immer teurere Produkte kaufen sollen. Man muss nicht Peter Zwegat sein, um zu bemerken, dass diese Rechnung auf Dauer nicht aufgeht. Die Menschen müssen sparen und dies geschieht leider auf dem Rücken der Künstler, die hart für ihre Musik arbeiten.
Nun ist es jedoch der falsche Weg, den potentiellen Kunden weiter zu kriminalisieren oder nach englischem und französischem Vorbild von der Informationsvielfalt des Internets auszusperren. Vielmehr müssen wir an einigen der obigen Punkte ansetzen, um eine Veränderung anzustoßen.
Da es sich in einem demokratischen Land nicht gehört, sich regulatorisch in die Wirtschaft einzuschalten und Konkurrenzmärkte wie 9live oder Klingeltöne (wo zumindest die Musikindustrie fleißig mitverdient) auszutrocknen, muss an der Kaufkraft der Zielgruppe gearbeitet werden.
Wir brauchen mehr Kaufkraft in diesem Land. So wäre es doch sinnvoll, liebe Frau Merkel, als ersten Schritt in die richtige Richtung die Pendlerpauschale ab dem ersten Kilometer wieder einzuführen und die Steuern auf Kraftstoffe wie Benzin zumindest temporär zu senken, anstatt nur die Öl-Konzerne zu kritisieren.
So begrüße ich es, dass Sie es nun zur Chefsache machen möchten, dass der arbeitenden Bevölkerung nach Abzug der Lebenshaltungskosten genügend Geld zur Verfügung steht, um sich Luxusartikel wie Musik auf legalem Wege zu beschaffen und dadurch wahre Künstler wie Olli Banjo oder Maeckes & Plan B zu unterstützen.
Es geht aufwärts!
Herzlichst,
Herr Merkt
Sonntag, 4. Mai 2008
Favorite - Anarcho (Review)
Politisch korrekt geht anders. In Anbetracht des Albumtitels "Anarcho" dürfte diese Erkenntnis jedoch nicht allzu überraschend kommen, da sich der potentielle Käufer bereits im Vorfeld auf ein Hörerlebnis einstellen konnte, bei dem der Protagonist gleich mehrfach an der Grenze des guten Geschmacks kratzt und diese sicherlich das eine oder andere Mal überschreitet.
So ist es einzig und allein dem schier unerschöpflichen Talent des Esseners Favorite, sich selbst und die Welt nicht allzu ernst zu nehmen und dies in seiner Lyrik zu vermitteln, geschuldet, dass dieser Langspieler nicht in ein Sammelsurium aus peinlichen Provokationen und Grenzüberschreitungen ausartet. Oberflächlich betrachtet lassen auch das hart peinliche Back-Cover, sowie die massiven Rechtschreibschwächen im Booklet, mit denen man in direkte Konkurrenz zu berliner Imagerappern tritt, nichts gutes erwarten.
Lässt man sich jedoch von diesen oberflächlichen Kritikpunkten nicht abschrecken und wirft einen Blick hinter die Fassade, so kann sich der Hörer über einige hochwertige Tracks wie die Street-Single "Anarcho Rap" freuen, auf der der Essener nicht nur inhaltlich Grenzen sprengt, sondern auch die gängigen Track-Konventionen überschreitet. Nicht minder überzeugend fallen das implizit selbstkritische "Besserer Mensch", das wahnsinnige "Oh mein Gott" und die beiden persönlicheren Tracks "Auszeit" und "Ich vermiss euch" aus.
Aus der Liste geladener Gäste stechen vor allem Kool Savas ("Wunderschöner Tag"), Shiml ("Faustkampf") und der an anderer Stelle schwer gescholtene Kollegah ("30" und "Ghettoboyz") positiv hervor, während K.I.Z.s Nico weit hinter an den an ihn gerichteten Erwartungen zurückbleibt.
Der Klangteppich, der von Rizbo, Chrizmatic, Mauvais Garcon, Vizir, Wassbass, Krizz Dallas und 2Deep geknüpft wurde, geht nicht immer direkt ins Ohr, kann nach intensiverer Beschäftigung jedoch als durchaus amtlich eingestuft werden.
Zusammenfassend bleibt festzustellen, dass Favorite mit "Anarcho" ein bis in die sensationellen Skits hinein unterhaltsames Album vorlegen konnte, welches dem Szene-Hype um seine Person bis auf wenige Ausnahmen ("Sie wolln Fav") gerecht werden kann.
Wertung: 4/6
Samstag, 26. April 2008
Downloads #1
Verehrte Leserinnen und Leser,
der "Markt" der kostenlosen Download-Alben/Mixtapes/EPs wird in Zeiten von DSL und MySpace immer unübersichtlicher.
Um Ihnen einen kleinen Überblick über die stetig wachsende Release-Flut zu verschaffen, werde ich nun regelmäßig einige Veröffentlichungen zusammentragen.
Dabei bitte ich Sie, zwei Punkte zu beachten:
1. Diese Liste erhebt keinen Ansrpuch auf Vollständigkeit.
2. Ich habe mir nicht alle Veröffentlichungen intensiv angehört, kann daher keine Qualitätsgarantie geben.
Sollte Ihre weltbewegende Veröffentlichung fehlen, können Sie mich gerne über MySpace kontaktieren, um diesen Mißstand in der nächsten Ausgabe zu beheben. Eine gewisse Aktualität der Veröffentlichung sollte dabei gegeben sein.
Caught in the Crack - Es wird wie ein Unfall aussehen
Demo des Monats in der Juice.
Clemenceau - Sprachsavant
Das MZEE-Forum ist begeistert.
Empulse - 44 Minuten Ruhm
Produzentenalbum mit Features von Maeckes, Plan B und Morlockk Dilemma.
Jokaz - Schraubstollen EP
Direkt aus dem Ruhrpott in Ihre Wohnzimmer.
Laas Unlimited - The Prequel
Beeindruckender Karriereüberblick des ehemaligen "Stammtisch"-Rappers.
Maeckes - 30 Minuten 16er
30 Minuten Irrsin.
Pedaz - Asozialer Kerl
Unter anderem mit einem Snaga-Feature.
Porni - Einzigartig Mixtape
Sehr solide Arbeit.
Prezident - Kleiner Katechismus
Für den anspruchsvollen HipHop-Kopf!
Reason - Strassenpolitik
Illustre Produzenten- und Gästeliste. Für Anhänger von Rap berliner Machart ein Muss.
Sandy Solo - Wo ist mein Geld?
Eindeutig besser als der "Feuer über Deutschland"-Beitrag.
Tizzle - Free EP 07
Mit Olli Banjo-Feature.
Waes & Upset - Halt's Maul, is umsonst du Hund EP
5 Track starke EP inklusive "Without me"-Remix.
EDIT:
Inferno 79 - Seelenkrieg
Inferno 79 - Stimme der Stadt
Freitag, 25. April 2008
Olli Banjo - Sparring III (Review)
Die Erwartungen waren nicht zuletzt aufgrund der illustren Gästeliste in astronomische Höhen gerückt worden. Die besten Voraussetzungen also, um eine astreine Bruchlandung hinzulegen und ganze Wagenladungen an schlechten Kritiken einzufahren. Wie können die durch angekündigte Gäste wie Kool Savas, Curse, K.I.Z., Maeckes & Plan B, Marteria, Huss & Hodn und Tone geschürten Erwartungen auch nur im Ansatz befriedigt werden? Diese rhetorisch anmutende Frage kann durch "Sparring 3" beantwortet werden.
Bereits der Start in Form des "Sparring III Themes" ist mehr als amtlich und Olli flowt wie ein junger Gott über ein sensationelles Roe Beardie-Instrumental. Mit "Denkmal" folgt an der Seite von Kool Savas, Caput & Moe Mitchell auch schon die schwächste Anspielstation des Langspielers, bevor an der Seite von K.I.Z. die Clubs abgerissen werden. "Hoch uff die Box" entpuppt sich als ein wahrhaftes Brett von einem Beat von den Bounce Brothas, auf dem sowohl K.I.Z. als auch Oliver Otubanjo zu Hochform auflaufen. Die Steigerung folgt mit "Unmöglich pt. II", auf dem sich Olli Banjo neben einem großartigen Laas Unlimited in Hochform reimt und flowt auf dem Fuße. Ein Punchlinegewitter von epischen Ausmaßen. "Boxring" kommt mit "Brothers Keepers"-Diss von B-Tight auf einem Beat, der ein wenig an "Königsklasse" erinnert, bevor der angehende Rummelplatz-Boxer auf "Ich geh boxen" eine wichtige und zugleich unterhaltsame Lehrstunde erhält. In Form von "16 Takte Schwachsinn" mit den berüchtigten Maeckes und Plan B folgt lyrischer Nonsens auf höchstem Niveau. Ollis zweiter Solotrack "Graffiti & Rap" beschäftigt sich mit der folgenschwerden Liebe zu Graffiti und der tragischen Beendigung der Writer-Karriere durch die Staatsgewalt. "Kids" kommt mit süßen Kindheitserinnerungen, "Ich fliege über Deutschland" mit hypnotischem Roe Beardie-Beat und einem bereits besser gehörten Gregpipe. Danach stellt "Luke Skywalker" eines der inhaltichen Highlights der Platte dar, bevor sich Jonesmann auf "Viel zu klärn" für die extrem peinliche Hook auf dem Franky Kubrick-Album rehabilitiert. Eine der besten, wenn nicht die bisher beste Zusammenarbeit dieses großartigen Duos. Mit "Nur für euch" an der Seite einer gut flowenden Lisi wird dem weiblichen Geschlecht gehuldigt und interessante Hypothesen über die Entstehung von Diktaturen aufgestellt, die "Kollabo des Todes" mit Tone beendet zwar keine Existenzen, kann aber trotzdem so einiges. Auf die Kollabo mit dem Urvater des deutschen Battlerap folgt der Jungspund F.R., der mit seinem Beitrag auf "Zwischen Genie & Wahnsinn" durchaus zu übereugen weiß und wieder einmal einen positiven Eindruck hinterlässt. Nicht weniger sensationell ist der an der Seite von Marteria eingespielte Agenten-Epos "Der Auftrag", welches mich beattechnisch am nachhaltigsten beeindruckenden konnte. Tiefgründiger als Banjo und Curse auf "Amoklauf" geht es sowieso nicht und auch "Revolution" mit Planet Asia regt zum Nachdenken an, bevor der Retrogott auf "Wie schön" in gewohnt unangestrengter Manier einen Beat inklusive Konkurrenz zerlegt. Auch der Track mit den bereits mehrfach positiv in Erscheinung getretenen PMA und Mädness liefert in keinster Weise Grund zum abtauchen und zeigt drei Rapper in Hochform. In gewohnter Tradition setzt Manolito Mengele den Schlusspunkt eines in sich stimmigen Werkes.
Messlatte Richtung Vollmond? Das war gestern! Mit dem mittlerweile dritten Teil der "Sparring"-Reihe bewegen sich Olli Banjo und Gäste gefährlich nahe am Verglühen in der Heliosphäre.
Wertung: 6/6
Donnerstag, 24. April 2008
Rapinterpretation: Olli Banjo - Pistole
Verehrte Leserinnen und Leser,
in der neuen Rubrik "Rapinterpretation" werde ich in losen Abständen Interpretationen von kontroversen Rap-Texten zum besten geben. Ich hoffe, hierdurch einige Mißverständnisse aufklären zu können und die Kritiker zu einer differenzierteren Auseinandersetzung mit der Musik bewegen zu können.
Beginnen möchte ich in dieser Ausgabe mit Olli Banjos Szene-Hit "Pistole", der für Aufruhr sorgte und wohl auch vereinzelt von übermotivierten JournalistINNEN mißverstanden wurde.
Ich hab eine Pistole, du hast keine Pistole. 3x
Du hast, du hast.
Diese einfachen, aber sehr effektiven Zeilen stellen die Hook (Kehrvers) dieses Stückes dar. Die Ironie in diesen Zeilen ist dem Hörer nur dann ersichtlich, wenn ihm das sprachlich höchst elaborierte Gesamtwerk des Künstlers Olli Banjo bekannt ist.
In der ersten Strophe rappt Olli Banjo nicht aus seiner eigenen Perspektive. Das lyrische Ich schlüpft dabei in die Rolle eines prototypischen, wenig begabten Gangster-Rappers namens Mehmet.
Ich hab meine Gun dabei, sie macht Prrrrrrrr, ihr seid jetzt Kartoffelbrei.
Olli Banjo eröffnet die erste Strophe, die insgesamt als Überzeichnung der Gangster-Attitude in der deutschsprachigen HipHop-Szene zu interpretieren ist, mit dieser Sinneinheit. Besonderes Augenmerk sei hierbei auf das Wort Kartoffelbrei gelegt, da dieses die negativ assoziierte Bezeichung "Kartoffel" (für: Deutsche) beinhaltet, die in der HipHop-Szene vor allem durch Eko Freshs an Fler adressierte Zeilen auf "Abrechnung" Einzug hielt. Des Weiteren dient "Kartoffelbrei" als ironische Überzeichnung, da handelsübliche Pistolen ("Guns") in der Regel nicht dazu geeignet sind, einen ausgewachsenen Menschen vollständig zu pürieren.
Mama sagt, dass ich in der Schule hocken bleib, ich komm gleich zum Essen, ich muss noch über Fotzen reimen.
In diesen Zeilen wird das ambivalente Verhältnis des deutschen Gangster-Rap zum weiblichen Geschlecht thematisiert. Einerseits wird die eigene weibliche Erziehungsberechtigte ("Mama") vergöttert bzw. es besteht ein Abhängigkeitsverhältnis, andererseits werden weibliche Wesen mit anderem Genom als Sexobjekte degradiert bzw. mit abschätzigen Bezeichnungen ihrer primären Sexualmerkmale benannt.
Ich fick den ganzen Tag und kiff und verkaufe nachts Crack und lauf nachts ins Geschäft, durch's Fenster, krach, ich bin Chef.
Ich Gangster, du nur ein Depp. Du Opfer. Was? Willst du Stress?
Olli Banjo beschreibt in diesen Zeilen den fiktiven Tagesablauf eines durchschnittlichen Internet-Gangsters. Besondere Brisanz gewinnen diese Zeilen im Sinnzusammenhang mit den vorhergehenden Lines, aus denen hervorgeht, dass es sich beim lyrischen Ich offensichtlich um einen minderjährigen Schüler handelt, der noch von seiner Mutter bekocht wird.
Ich kann zwar nicht rappen gut, aber ich rap über Blut. Und Blut ist gut für mein Image.
Diese Zeilen üben implizit Kritik an dem Umstand, dass es heutzutage nicht mehr auf das Talent ankommt, sondern hauptsächlich auf ein gut aufgebautes Image, welches den kleinen Kindern den Großstadtflair in das Kinderzimmer transportiert.
Yeah
Ich komm nicht aus Österreich. Was reimt sich auf Österreich? Österreich, schöner Reim, schieb dir einen Döner rein.
Hier prangert der Künstler den zunehmenden Verfall der hohen deutschen Reimkunst an, die vor allem der falsch verstandenen Disziplin "Spitten" (zu deutsch: spucken) geschuldet ist. Hierbei geht es ursprünglich darum, in zwei aufeinanderfolgenden Zeilen die selben Worte in unterschiedlicher semantischer Bedeutung zu verwenden. Dank Künstlern wie Bushido wurde diese Kunstform jedoch stark verwässert. Ganz nebenbei liefert der Künstler mit "schöner Reim" und "Döner rein" gleich zwei, zugegebenermaßen unsaubere, Triple-Reime auf das Wort "Österreich". Respekt!
Du willst jetzt zu rappen versuchen, du rappender Kuchen, komm mich in meinem Ghetto besuchen.
Hier wird die Stilisierung des Ghettos als "place to be" ("Platz zum sein") und die damit verbundene Verschiebung von musikalischem Wettkampf hin zu Gewalt angedeutet. Der ironische Unterton der gesamten ersten Strophe impliziert Kritik.
Kumpel von Mehmet: Yeah, Mehmet, du bist der Geilste, Alter, du bist doppelt so gut, rap doch mal Doppel- Time.
Mehmet: Ich rap sogar Doppel- Time, kuck, was meine Gun macht, mein Gun macht, ganaganaganag.
Hier wird ein Einblick in die ungünstige Interaktion von Pseudo-Gangster-Rappern mit ihrer Crew (zu deutsch: Freundeskreis, Weggefährten) gegeben, die in peinlichen Selbstüberschätzungen und regelmäßig heulend vor Dieter Bohlen bei "Deutschland sucht den Superstar" endet.
Ich hab eine Pistole, du hast keine Pistole.
Du hast, du hast.
Kehrvers (siehe oben)
In der zweiten Strophe verlässt der Künstler Olli Banjo das lyrische Ich und beschreibt nun aus eigener Perspektive den Status Quo der deutschen Gangster-Rap-Szene. Spätestens nun sollte sich dem halbwegs intelligenzbegabten Kritiker die Ironie der ersten Strophe offenbaren.
Jetzt Stopp! Olli fängt bei Null an, deutsche Rapper wischen sich den Arsch mit Stacheldraht beim Pullern.
Diese Einheit leitet den Perspektivenwechsel mit einem symbolischen "Stopp!" ein, bevor der Künstler Olli (Anmerkung des Verfassers: Banjo) auch den Hörer ohne Vorwissen in seine Welt mitnimmt und die Kritik explizit auf den Punkt bringt. Dabei wird umgehend die oft sinnlos demonstrierte Härte angeprangert.
Wo wollt ihr Motherfucker hin mit Dünnschiss, gekoppelt mit Dreck auf'm Müllbeat.
Selbstverständlich muss sich der durchschnittliche Gangster-Rapper die Frage gefallen lassen, was er mit seiner verbalen Diarrhöe auf minderwertigen musikalischen Untermalungen überhaupt erreichen möchte. Sicherlich lassen sich durch diese Kombination nur pubertierende Jugendliche beeindrucken, die sich ihre Musik auf illegalem Wege über das Internet besorgen, da der durch Gangster-Rap propagierte Lebenswandel (insbesondere Kokain) doch recht kostspielig ist und kein Geld für Musik übrig bleibt.
Ich will in den Charts oben bleiben, oh wie einfach, guck einfach was große Signings overseas so schreiben über Hoes und Drive-Bys, nimm deinen großen Bleistift, flow und schreib doofe Reime über Koks, Drogen, Weiber, Hoden, Scheiden, und dass deine Großstadt geil ist.
Sicherlich ist auch der steigende Einfluss erfolgreicher amerikanischer Künstler aus Übersee ("große Signings Overseas") auf den thematischen Kanon von deutschem Rap nicht zu vernachlässigen. Was im Anbetracht der Lebensrealität in amerikanischen Großstädten für amerikanische Künstler authentisch ist, kann bei MC Horst aus Dormagen affig wirken. Ein Plädoyer für mehr Authentizität in der Musik!
Jetzt noch modisch stylisch, so verkleiden, wie im Video von Ice. Schon vom Weiten sieht man deine Hose weit und rosa Nikes, New Era, Benni Miles, Ecko, Mekka, Rolex, Ice und dies und das ...
HipHop verkommt in manchen Kreisen eher zur Modeschau für 10XL-Shirts, Designer-Marken und teure Accesoires. Dieser unglückliche Umstand, der in Videos von Künstlern wie (Anmerkung des Verfassers: Vanilla) Ice propagiert wird, wird von deutschen Künstlern zu gerne adaptiert. Ein Trend, dem im Sinne des ursprünglichen Geistes der Kultur entgegengewirkt werden muss!
und alles außer Raptalent steckt, je schlechter der Rap, desto größer der Impact bei Fans. Hör, merk dir diese dumme Kacke ist für Deutschland tödlich und diese Scheiße ist leider nur in Deutschland möglich.
Olli Banjo bemängelt zurecht den Umstand, dass in bestimmtmen Kreisen vor allem jene Auswucherungen der deutschen HipHop-Szene gefeiert werden, denen das Talent zum adäquaten Umgang mit Sprache nicht gerade in die Wiege gelegt wurde. Dass dieser Umstand auf Dauer die öffentliche Meinung über HipHop negativ prägt ist unumstritten. Jedoch schließe ich mich mit Künstlern wie Soulja Boy im Hinterkopf der letzten Aussage nicht zu 100% an.
Ich hab eine Pistole, du hast keine Pistole.
Du hast, du hast. 4x
Kehrvers (siehe oben)
Legende:
Songtext
Interpretation
Für Rechtschreibfehler im Songtext möchte ich keine Haftung übernehmen, da dieser größtenteils vom MZEE-Forum adaptiert und an einigen Stellen sinnvoll ergänzt wurde.
Dienstag, 22. April 2008
Herr Merkt hilft: Die !!! (Teil 3)
Verehrte Leserinnen und Leser,
die Lebenszeit tickt Sekunde für Sekunde hinfort. Da mich dieser Umstand zur Reflektion über unseren schönen blauen Planeten anregte, kann ich Ihnen zu später Stunde eine neue Ausgabe der bahnbrechenden Reihe "Die !!!" präsentieren. Bitte bedenken Sie, dass diese Aussagen Axiome und keine Diskussionsgrundlage darstellen. Verbreiten Sie meine Weisheit! Ich danke Ihnen für Ihre Mithilfe.
- Wenn zu viel Raps zur Herstellung von Biodiesel verwendet wird, dann wird längerfristig auch der durchschnittliche HipHop-Kopf darunter leiden!
- Ich sprach von höheren Lebenshaltungskosten!
- Lil' Wayne wird vollkommen überschätzt!
- T-Pain fügt Ihnen und den Menschen in Ihrer Umgebung Schaden zu!
- Durch den Aufkauf seiner eigenen Platten wird man trotz Top20-Platzierung nicht reich!
- Da ich unerklärlicherweise im Massiv-Forum gesperrt wurde, bleibt es Ihre Aufgabe, dies den entsprechenden Künstlern mitzuteilen!
- Lady Bitch Ray schreibt gerade an der bedeutendsten Diss ihres Lebens!
- Der Begriff "Diss" wird auch im Akademiker-Slang verwendet!
- "Das Urteil" macht Kool Savas noch lange nicht zum Dr.!
- Wenn "Galileo Mystery" Wissenschaft ist, dann macht Oli P. HipHop!
- "rhythmisch sprechen" ist kein Synonym für "rappen"!
- Rap braucht mindestens vier verschiedene Versionen des selben Albums!
- Intelligenzbegabte Individuen kaufen sich dennoch lediglich eine dieser Versionen in einfacher Ausführung!
- Gitarrengeschrammel rechtfertigt Texte, für die Rapper ohne Diskussion auf dem Index landen!
- Im Aggroboard geht es gesitteter zu als bei MZEE oder laut.de!
- Trotz Marcus Staiger benutze ich immer noch kein rap.de!
- Eloquenz gepaart mit zweifelhaften Ehrvorstellungen bergen ein enormes Gefahrenpotential!
- Dennoch sehe ich lieber Bushido bei Kerner als Orgi bei Alice Schwarzer!
- April 2008 und Mai 2008 sind teure Monate für Anhänger HipHops deutscher Machart!
- Leider wird ein Großteil der HipHop-Köpfe das Geld in größere Festplatten investieren!
- Seit Ende des letzten Jahres suchen verwirrte Schafe per Google einen Download von sidos Album "Ich und meine Maske"!
- "Detox" kommt nicht vor "Chinese democracy"!
- Ich brauche weder eine Penisverlängerung, noch Viagra!
- Googlemail hat einen großartigen Spam-Filter!
- Amy Winehouse und Britney Spears sind schlechtere Vorbilder als sido!
- Deutsche Medien sind ambivalent!
- "Herr Merkt spricht über HipHop" geht nicht offline!

